HOHES VENN/EIFEL

DIE RHEINISCHEN HIGHLANDS

Das Moor bietet eine Heimat für viele seltende Arten der Flora und Fauna. Besonders häufig zu sehen ist die Moorlilie.
Das Moor bietet eine Heimat für viele seltende Arten der Flora und Fauna. Besonders häufig zu sehen ist die Moorlilie.
"Rheinisches Sibirien", so nannte man früher die Eifel wegen ihres Klimas und ihrer Armut. Die Hochlagen entlang der belgischen Grenze galten als besonders unwirtlich. Was das Klima angeht, ist der Sibirien-Vergleich allerdings mehr als schief, denn die Eifel ist deutlich niederschlagsreicher und die Luft im Winter etwa 30° wärmer als in Sibirien. Wenn es ein Land gibt, das der Westeifel ähnelt, dann drängt sich Schottland als Parallele auf: Torfmoore, Heiden, Viehweiden und Nadelforste gibt es dort wie hier. Nur Whisky-Brennereien sucht man in den "Highlands" an der deutsch-belgischen Grenze vergeblich.

Der gefährdete Lungen-Enzian wächst in den Moorbiotopen des hohen Venns.
Der gefährdete Lungen-Enzian wächst in den Moorbiotopen des hohen Venns.
Beim Blick auf eine aktuelle Karte könnte man meinen, die Moore des Hohen Venns gäbe es nur auf belgischer Seite. In Wirklichkeit erstreckten sie sich in der Umgebung von Monschau früher bis weit auf die deutsche Seite. Sie erlitten jedoch das gleiche Schicksal wie viele Moore in Mitteleuropa auch: Man zog Entwässerungsgräben, stach, trocknete und verheizte den in Jahrtausenden gewachsenen Torf und verwandelte die Moore so in Weideland und Wald. Nur wenige kleine Moorreste wurden unter Naturschutz gestellt, um sie vor der endgültigen Vernichtung zu bewahren.

Entwässerung stoppen und Fichten entfernen
Als Naturschützer in den letzten Jahren Inventur am Hohen Venn machten, stellten sie fest, dass die vollständige Entwässerung der ehemaligen Moorflächen nicht überall und auf Dauer funktioniert hatte. Manche der mit Fichten aufgeforsteten Bereiche waren wieder vernässt. An vielen Stellen im lichten Unterwuchs saßen die Torfmoose erneut in den Startlöchern. Auch in manchen Ursprungsmulden der Bäche enthielten die Quell- und Hangmoore noch seltene Sumpfpflanzen wie Moosbeere, Moorlilie und Rundblättrigen Sonnentau.

Mitarbeiter der Biologischen Station im Kreis Aachen, die die Restmoore untersucht hatten, schlugen der NRW-Stiftung deshalb vor, die Flächen zu kaufen. Dafür empfahlen sie besonders jene Bereiche bei den Ortsteilen Konzen, Mützenich und Simmerath, in denen die standortfremden Nadelbäume ohnehin schlecht wuchsen. Durch Verschließen der Entwässerungsgräben und Entfernen der Fichten schien dort die Regeneration der Moor-Lebensgemeinschaften besonders aussichtsreich. Auf vergleichbaren Flächen in der Nachbarschaft hatten sich schon nach den ersten Pflegemaßnahmen Lungen-Enzian, Sparrige Binse und andere gefährdete Arten erholt. Die Stiftung folgte deshalb dem Vorschlag und kaufte mittlerweile rund 80 Hektar schutzwürdige Moorbiotope.

Palsas oder die "Blindenschrift" der Eiszeit
Eine Landschaft wie in Schottland - nur die Whisky-Brennereien fehlen.
Eine Landschaft wie in Schottland - nur die Whisky-Brennereien fehlen.
Ein weiterer Grund, die Moore am Rand des Hohen Venns zu erhalten, ist die Existenz einer in Mitteleuropa nur hier mustergültig vorkommenden Moorform, der so genannten Palsen oder Palsas. Belgischen Forschern waren schon um 1930 zahlreiche runde oder ovale Schwingrasen aufgefallen. Da man sich ihre regelmäßige Form nicht anders erklären konnte, hielt man sie für die Überreste frühgeschichtlicher Fischteiche (franz.: viviers). Später klärte man ihre wahre Entstehung. Es waren Hohlformen, die auf das Abschmelzen von Eis in den Dauerfrostböden der letzten Eiszeit zurückgingen. Ihren Ursprung hatten sie auf schwach erhöhten Stellen der Hochfläche, wo eine isolierende Schneedecke vom Wind immer wieder weggepustet worden war. Der strenge Frost drang dort besonders tief in den nassen Boden ein. Da Eis ein größeres Volumen hat als flüssiges Wasser, hob es die Oberfläche an, so dass sich mit der Zeit an diesen Stellen "Frostbeulen" bildeten. Diese hatten einen Durchmesser von wenigen bis über 50 Metern.

In den kurzen subarktischen Sommern, wie sie am Ende der Eiszeit herrschten, taute nur die durchwurzelte Humusschicht auf. Von den gefrorenen Buckeln rutschte diese dann zu den Rändern hin ab wie Fruchtsalat von Vanilleeis. So entstanden zahlreiche niedrige Ringwälle, die trockener waren als die Umgebung. Heidekrautgewächse siedelten sich auf ihnen an, während sonst Torfmoose und Sumpfgräser herrschten. Nach dem endgültigen Abschmelzen des Bodeneises sanken die Palsas – so heißen die Hügelchen in Lappland – in sich zusammen. An ihrer Stelle entstanden dann nasse Schwingrasen. Auf belgischer Seite sind diese noch an vielen Stellen zu beobachten. Diesseits der Grenze, beispielsweise im Mützenicher Venn, haben sie durch die Entwässerung gelitten. Vor einigen Jahren wurde mit ihrer Regeneration begonnen.

Stand der Angaben: Magazin der NRW-Stiftung 3/2007


Kommentare

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26.02.2013, Aachen360

Sehr geehrte Damen und Herren,

ich habe ein interaktives 360° Winterpanorama vom Eifel-Blick - Steling - dem höchsten Punkt der Städteregion Aachen im Hohen Venn bei Mützenich aufgenommen. Sie können es kostenlos unter folgendem Link betrachten:
www.360cities.net/image/monschau-muetzenich-steling-eifel-blick-winter-landscape-eifel-germany

Mit freundlichen Grüßen,
Aachen360

Bild: Eifel - Monschau - Mützenich - Steling - Eifel-Blick - Winterlandschaft

21.02.2013, Aachen360

Sehr geehrte Damen und Herren,

ich habe ein interaktives 360° Panorama am Eifelsteig in der Nähe von Kaiser Karls Bettstatt im Hohen Venn bei Mützenich aufgenommen. Sie können es kostenlos unter folgendem Link betrachten:

Mützenich (Monschau) - Hohes Venn - Eifelsteig - Schnee in allen Richtungen:
www.360cities.net/image/muetzenich-monschau-high-fens-eifelsteig-snow-everywhere

Bild: Bild: Mützenich (Monschau) - Hohes Venn - Eifelsteig - Schnee in allen Richtungen



Um die Moorlandschaft langfristig erhalten zu können, erwarb die NRW-Stiftung mittlerweile rund 36 Hektar schutzwürdiger Moorbiotope im Bereich des Hohen Venn.

Biologische Station im Kreis Aachen
Zweifaller Straße 162
52224 Stolberg
Fax.: 02402-1261729
info@bs-aachen.de
www.bs-aachen.de


Naturparkzentrum Botrange
info@centrenaturebotrange.be
www.centrenaturebotrange.be


Naturpark Hohes Venn-Eifel
info@naturpark-hohesvenn-eifel.de
www.naturpark-hohesvenn-eifel.de/

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