FEUCHTWIESE IM HÜLSER BRUCH

WO DER GLETSCHER ZUR RUHE KAM

Im Hochsommer kann man viele verschiedene Libellen beobachten, die über Teich und Wiese Jagd auf kleinere Fluginsekten machen.
Im Hochsommer kann man viele verschiedene Libellen beobachten, die über Teich und Wiese Jagd auf kleinere Fluginsekten machen.
Um die Entstehung des Hülser Bruches im Nordwesten von Krefeld zu verstehen, muss man einige Zeit zurückblenden - 140.000 Jahre, um genau zu sein. Damals, in der Endphase der vorletzten Eiszeit, häuften die Gletscher am Niederrhein wie riesige Sandschieber Wälle aus Lehm und Steinen auf. Nachdem das Eis abgetaut war, blieben diese so genannten Stauchmoränen als weithin sichtbare Erhebungen zurück. Wind und Wetter flachten sie wieder ab, vor allem aber nagte der Rhein, der sein Bett immer wieder verlegte, an ihren Flanken. Mit dem abgeschwemmten Material ebnete er die flachen Schmelzwasserrinnen und -senken in der Umgebung ein. Das Hülser Bruch ist eine solche Verebnung, und der nördlich angrenzende, 63 Meter hohe Hülser Berg ist der Rest der Stauchmoräne.

Das Hülser Bruch ist seit dem Jahr 2002 Naturschutzgebiet. Es umfasst 430 Hektar.
Das Hülser Bruch ist seit dem Jahr 2002 Naturschutzgebiet. Es umfasst 430 Hektar.
In früheren Zeiten war das gesamte Gebiet wesentlich feuchter als heute. Hoch anstehendes Grundwasser und tonige Erdschichten machten die Böden für Ackerbau untauglich. Aus den sumpfigen Wäldern holte man Brennholz und Streu. Gleichzeitig zog man Gräben und warf den Aushub zu flachen, befahrbaren Dämmen, den Dyks, auf. Sie gibt es heute noch in dem Gebiet. Wo der Untergrund abtrocknete, entwickelte sich durch häufiges Abholzen und durch Beweidung aus dem lichten Wald eine Heide. Vermutlich prägten Heidevegetation und Flachmoorwiesen über Jahrhunderte das Gesicht der Landschaft.

Der Wald, der heute zwischen dem Ortsteil Hüls und den "Niepkuhlen", einem alten Rheinarm, wieder Teile des Hülser Bruches bedeckt, ist dagegen vergleichsweise jung. Andere Heide- und Flachmoorbereiche wandelte man im 20. Jahrhundert in Weideland für Rinder um. Heute sind Feuchtwiesen, als letzte Überreste der Flachmoore, die Ausnahme. Um so größer ist ihre ökologische Bedeutung. Immerhin liegen sie im Stadtgebiet von Krefeld, wo halbnatürliche, artenreiche Lebensgemeinschaften eine Rarität sind. Das Hülser Bruch ist deshalb seit dem Jahr 2002 Naturschutzgebiet - mit 430 Hektar übrigens das größte der Stadt.


Die Entstehungsgeschichte der Feuchtwiesen geht bis in die vorletzte Eiszeit zurück.
Die Entstehungsgeschichte der Feuchtwiesen geht bis in die vorletzte Eiszeit zurück.
Seit vielen Jahren schon kümmern sich Naturschützer um die bedrohten Biotope. Sie entfernen Büsche, damit die Feuchtwiesen nicht zuwachsen, sie beschneiden Kopfbäume, legen Laichgewässer für Amphibien an und führen interessierte Naturfreunde zu den Sehenswürdigkeiten des Hülser Bruches. Dazu gehört auch eine 10.000 Quadratmeter große, besonders schöne und typische Feuchtwiese im Südteil. An ihrem Rand befindet sich ein kleiner Teich. Im Frühjahr, wenn die Sumpfdotterblumen ihre dicken goldenen Knospen öffnen, wimmelt es dort von Amphibienlarven. Für Erdkröten und Molche ist es ein ideales "Reproduktionsbiotop".

Im Hochsommer fällt dann eher der Reichtum an Libellen ins Auge. Über Teich und Wiese kann man mehrere Arten bei der Jagd auf kleinere Fluginsekten beobachten, auch weit abseits der Tümpel und Gräben, in die sie ihre Eier legen. Fachleute des Entomologischen Vereins Krefeld konnten hier sogar die Glänzende Binsenjungfer nachweisen, eine zierliche, bronzeglänzende und hellblau bereifte Kleinlibelle, die in Nordrhein-Westfalen stark gefährdet ist.

Im Frühjahr öffnen die Sumpfdotterblumen ihre dicken goldenen Knospen.
Im Frühjahr öffnen die Sumpfdotterblumen ihre dicken goldenen Knospen.
Die Naturschützer mussten allerdings auch immer wieder feststellen, dass die Feuchtwiese häufig von Wanderern und Reitern durchquert wurde, obwohl das Verlassen der Wege dort nicht erlaubt ist. Um die Fläche wirksamer schützen und als Lebensraum gefährdeter Pflanzen und Tiere zusätzlich verbessern zu können, baten sie die NRW-Stiftung um Hilfe. Die ließ sich nicht lange bitten, denn die Krefelder Insektenkundler und der Bezirksverband des NABU waren als zuverlässige Partner bekannt. Nach Ankauf und regelmäßiger Pflege ist die Feuchtwiese heute wieder in einem guten Zustand.


Kommentare

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19.12.2013, Eddi O.

Es ist ein sehr schöner Ort, der sich wunderbar entwickelt hat. Der gesamte Hülser Bruch ist ein tolles Naturschutzgebiet, in dem ich sehr gern mit meinem Hund spatzieren gehe. Angeleint versteht sich! Warum darf in diesem Gebiet jeden Herbst eine Schleppjagd stattfinden, mit einer großen freilaufenden Hundemeute, die nicht immer der ausgelegten Spur folgt? Ich denke für diese Aktivitäten sollte es doch ander Orte geben und würde mich freuen, wenn mein Kommenar hier auf Gehör stößt. Vielen Dank


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Die NRW-Stiftung kaufte auf Anregung des Entomologischen Vereins Krefeld und des Naturschutzbundes NABU eine Feuchtwiese im Naturschutzgebiet Hülser Bruch bei Krefeld. Das Gebiet befindet sich im Nordwesten des Krefelder Stadtgebietes, es wird von den Insektenkundlern regelmäßig betreut.

Googlemap aufrufenGeschäftsstelle NABU Bezirksverband Krefeld/Viersen e.V.

Frau Gabi Weber
Talring 45, 47802 Krefeld
Telefon 0 21 51-61 87 00
Telefax 0 21 51-61 87 51
Montags bis freitags von 9 bis 12 Uhr
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www.nabu-krefeld-viersen.de/index.htm

Krefelder Umweltzentrum

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