FEUCHTWIESE ENNIGERLOH

VOM BRACHVOGEL HÖCHSTSELBST EMPFOHLEN

Mittlerweile ist ein über 380 Hektar großes Feuchtwiesengebiet als Naturschutzgebiet gesichert worden.
Mittlerweile ist ein über 380 Hektar großes Feuchtwiesengebiet als Naturschutzgebiet gesichert worden.
Wenn er rufen würde, "wie ihm der Schnabel gewachsen ist", dann müsste der Große Brachvogel einen langen langsam abfallenden Ton hervorbringen, denn sein rekordverdächtig schlanker Schnabel ist sichelförmig nach unten gebogen. Bei den Weibchen ist er fast 15 Zentimeter lang. Der auf der ersten "Silbe" betonte, melodische Flötenruf dagegen steigt zum Ende an: "tüü-i ... tüü-i ..." klingt es dann immer wieder über den Feuchtwiesen. Früher, als das Grünland noch nicht so intensiv entwässert wurde, waren die Rufe und Triller von Numenius arquata überall im Münsterland ein vertrauter Klang. "Regentüter" oder "Venntüte" nannten ihn die Bauern, denn seine Stimme ertönte auch aus dem Venn.

Die anmutigen Schnepfen mit den großen schwarzen Augen brüteten zu Tausenden im westfälischen Tiefland. Doch die Drainage der Flachmoorwiesen und ihre Umwandlung zu Äckern zog ihnen buchstäblich den Boden unter den Füßen weg. Wo das Wasser schon im Frühjahr in der Tiefe versickerte, konnten die jungen Brachvögel mit ihren empfindlichen, noch weichen Schnäbeln nicht stochern. Ihre bevorzugte Nahrung, Würmer und Schnakenlarven, blieb ihnen im harten Erdreich verschlossen. Dabei halten Brachvögel oft zäh an ihren traditionellen Revieren fest. Ihre Versuche auf trockenen Äckern Junge großzuziehen, sind aber zum Scheitern verurteilt. Dort ist die Sterblichkeit der Jungen zu hoch und die Vorkommen erlöschen schließlich.

Die Feuchtwiesen sind die Heimat des Brachvogels, der auch "Regentüter" oder "Venntüte" genannnt wird.
Die Feuchtwiesen sind die Heimat des Brachvogels, der auch "Regentüter" oder "Venntüte" genannnt wird.
Die Unterschutzstellung von Wiesenflächen allein konnte den Rückgang des Brachvogels also nicht stoppen, denn was nützt ein Schutzstatus für isolierte Parzellen, wenn das Grünland in der Nachbarschaft weiter entwässert und umgebrochen wird. Hoffnung für den Brachvogel gab es nur dort, wo größere zusammenhängende Wiesenbereiche gesichert werden konnten, zum Beispiel im Rahmen eines Feuchtwiesen-Schutzprogramms des Landes.

 
 
Eines der angestammten Brutgebiete befindet sich im Kreis Warendorf, bei Ennigerloh-Westkirchen. Der NABU-Kreisverband Warendorf kümmerte sich schon lange um diese Population. Im Jahr 1995 gelang es schließlich, eine über zehn Hektar große Feuchtwiese im Kerngebiet zwischen Warendorf und Ennigerloh zu kaufen. Das Geld hierfür stellte die NRW-Stiftung zur Verfügung. Zuvor holte die NRW-Stiftung den Rat eines Experten ein: Manfred Kipp, seit Jahrzehnten als einer der besten Brachvogel-Kenner bekannt, unterstützte den Antrag. Eine weitere Empfehlung kam von den Betroffenen selbst: Als wollten sie die Qualität der Feuchtwiesen höchstselbst unterstreichen, siedelte sich just zu dieser Zeit ein weiteres Brachvogel-Brutpaar auf der Fläche an. Die federleichten Farbringe, die die Vögel an den Beinen trugen, wiesen sie als Umzügler aus der Nachbarschaft aus. Manfred Kipp hatte den beiden wenige Jahre zuvor die "Trauringe" angesteckt, als sie noch beim Hof Gerbaulet brüteten. Dort gefiel es ihnen aber nicht mehr, denn wieder einmal waren Wiesen entwässert und in Äcker umgewandelt worden. Über viele Jahre beobachtete und dokumentierte der Vogelkundler auf diese Weise die Lebensgeschichten einzelner Tiere.

Mittlerweile ist ein über 380 Hektar großes Feuchtwiesengebiet zwischen Freckenhorst und Ennigerloh als Naturschutzgebiet gesichert worden. Neben dem Ankauf aus Mitteln der NRW-Stiftung wurden weitere Parzellen auch vom Land NRW erworben. Damit sind die Chancen gestiegen, dass noch größere zusammenhängende Wiesenbereiche vor einer Entwässerung bewahrt werden können. Nur dann wird die "Venntüte", der Charaktervogel der münsterländischen Feuchtwiesen, hier seine Heimat behalten.


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Die NRW-Stiftung kaufte auf Anregung des NABU-Kreisverbandes Warendorf ein etwa zehn Hektar großes Feuchtgebiet zwischen Warendorf und Ennigerloh. Diese Fläche liegt in einem mittlerweile 380 Hektar großen Naturschutzgebiet, dass u.a. dem Brachvogel einen geeigneten Lebensraum bietet.

Googlemap aufrufenNABU Kreisverband Warendorf

info@nabu-waf.de
www.nabu-waf.de/

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