JAN-WELLEM-BRUNNEN IN DÜSSELDORF

EIN QUELL DER ERKENNTNIS

Der restaurierte Brunnen eignet sich hervorragend als Bühne für sommerliche Konzerte.
Der restaurierte Brunnen eignet sich hervorragend als Bühne für sommerliche Konzerte.
Die Quellen, mit denen Historiker arbeiten, sind meistens eher trocken – zum Glück, denn alte Urkunden und Akten vertragen nun mal keine Feuchtigkeit. Dass eine "Geschichtsquelle" aber auch ganz real sprudeln kann, beweist der Jan-Wellem-Brunnen in Düsseldorf-Grafenberg. Auf Initiative des zu seiner Wiederherstellung gegründeten Fördervereins wurde er in den letzten Jahren sorgsam restauriert. Dabei hat er sich nicht nur als reizvoller Spender von kühlem Nass erwiesen, sondern auch als bemerkenswerter Quell neuer Erkenntnisse.

Kurfürst Johann Wilhelm (1658–1716), den man in Düsseldorf "Jan Wellem" nennt, wusste einen guten Tropfen zu schätzen. Dabei nahm er aber durchaus auch Alkoholfreies zu sich – eisenhaltiges Wasser aus einer Quelle am Fuße des nahen Grafenbergs zum Beispiel, das bei seinen Zeitgenossen als heilkräftig galt. Der Kurfürst ließ sich davon so manchen Krug auf sein Schloss bringen. Ja, er stellte den Brunnen 1702 sogar unter die besondere Aufsicht einer nahen Einsiedelei und ließ ihn zudem von einer Ringmauer einfassen. Denn die kostbare Quelle durfte exklusiv nur vom Düsseldorfer Hof genutzt werden.

"Gartenlust am Grafenberge"

Ein Höhepunkt in der Arbeit des Förderkreises Jan-Wellem-Brunnen e.V.: die Einweihung des Zauns im August 2006.
Ein Höhepunkt in der Arbeit des Förderkreises Jan-Wellem-Brunnen e.V.: die Einweihung des Zauns im August 2006.
Ein Jahrhundert nach Jan Wellems Tod hatte Deutschland sich politisch verwandelt, und Düsseldorf gehörte mittlerweile zu Preußen. Der Zeitgeist war bürgerlich, und davon blieben auch der Brunnen und seine Umgebung nicht unberührt: Durch den Hofgärtner Maximilian Friedrich Weyhe wurde der Grafenberg 1816 zum "Lustgarten" umgestaltet und die ehemalige fürstliche Forstdomäne dabei erstmals für das Publikum geöffnet. Überraschende Erkenntnis der neuesten Forschung: Dies war der erste "Volkspark" in ganz Preußen. Auch der Grafenberger Brunnen selbst er hielt damals ein neues Gesicht. Der bedeutende Städtebauer Adolph von Vagedes umgab ihn mit einer halbrunden klassizistischen Fassadenmauer sowie mit einem ungewöhnlichen Zaun aus senkrecht stehenden Lanzen. Aber schon gegen Mitte des 19. Jahrhunderts begann die Quelle am Fuße des Grafenbergs zu versiegen. Ein langer Verfallsprozess wurde dadurch eingeläutet. Dass der Brunnenhof um 1900 als Bier garten diente, ist immerhin noch kurios. Sein späterer Zustand aber war einfach nur noch traurig: "Wasserbecken fehlt. Zaun fehlt", hieß es 1986 in den Düsseldorfer Denkmalakten.
Doch dann stieß man 1999 bei Bauarbeiten auf die Reste des barocken Brunnenbeckens, was bereits ein Jahr später die Gründung des "Förderkreises Jan-Wellem-Brunnen e.V." nach sich zog. Jetzt ging es Schlag auf Schlag. Die Entdeckung bislang unbekannter Originalunterlagen und die damit gewonnenen Einblicke in die Geschichte des Brunnens ließen bald den Plan reifen, ihn komplett in den von Adolph von Vagedes geschaffenen Zustand zurückzuversetzen. Der engagierte Verein unter dem Vorsitz von Waltrecht Dilloo erreichte dieses Ziel binnen weniger Jahre: Brunnenbecken und Fassadenmauer wurden instand gesetzt, mehrere schwere Natursteinpfeiler entstanden neu, die Kaskade wurde rekonstruiert und eine Wasserpumpe in Betrieb genommen. Auch Beete und Wege erhielten ihr früheres Aussehen zurück.

Am Tore vor dem Brunnen …

Pfälzischer Kurfürst Johann Wilhelm
Pfälzischer Kurfürst Johann Wilhelm
2005 konnte der Brunnen der Öffentlichkeit erstmals offiziell vorgestellt werden – im Rahmen eines Festes, bei dem er zugleich seine Eignung als Bühne für sommerliche Konzerte unter Beweis stellte. Noch aber fehlte der Lanzenzaun mitsamt dem Zauntor. Doch mit Unterstützung durch die NRW-Stiftung ließ sich auch dieses Problem lösen. Die Einweihung des Zauns im August 2006 stellte einen Höhepunkt in der Arbeit des Fördervereins dar – aber keinen Endpunkt. Auch die dem Brunnen so eng verbundene Parkanlage soll auf Dauer wieder an ihre ursprüngliche Gestaltung angeglichen werden. Der Grafenberg hätte es verdient, bietet er doch auch heute schon eine grandiose Aussicht auf Düsseldorf.
Ein Düsseldorfer als Pfälzischer Kurfürst

Die klassizistische Fassadenmauer rund um den Jan-Wellem-Brunnen und der markante Zaun aus senkrecht stehenden Lanzen wurden instand gesetzt.
Die klassizistische Fassadenmauer rund um den Jan-Wellem-Brunnen und der markante Zaun aus senkrecht stehenden Lanzen wurden instand gesetzt.
Düsseldorf verdankt dem pfälzischen Kurfürsten Johann Wilhelm seine glanzvollste Zeit als fürstliche Residenz, denn "Jan Wellem" förderte Kunst und Kultur und liebte zudem große Feste. Aber warum residierte ein pfälzischer Fürst ausgerechnet in Düsseldorf? Zum einen, weil die Pfalz 1688–97 von französischen Truppen regelrecht verwüstet wurde. Zum anderen aber, weil die Kurfürsten von der Pfalz bereits seit 1614 auch Herzöge von Jülich und Berg waren und damit zugleich Herren über Düsseldorf. Jan Wellem war sogar ein waschechter Düsseldorfer Junge, denn er wurde 1658 in der Stadt geboren und starb hier 1716 auch, sein Grab befindet sich in der Andreaskirche. Für Düsseldorf war sein Tod ein herber Rückschlag: Bereits sein Nachfolger verlegte den pfälzischen Hof nach Mannheim. Den 350. Geburtstag des Kurfürsten feiern die Düsseldorfer 2008 mit einem ihm gewidmeten Jan-Wellem-Jahr.


Kommentare

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06.09.2011, Ursula Theresia Mihm

Sehr schön, dass es mit der Restaurierung des Brunnens weitergegangen ist und dass jetzt sogar die umgebende Parkanlage in Angriff genommen wird.


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Die NRW-Stiftung unterstützt den Förderverein Jan-Wellem-Brunnen e.V. bei der Instandsetzung eines Gesundbrunnens, der beinahe in Vergessenheit geraten wäre. Weitere Informationen unter www.jan-wellem-brunnen.de

Die restaurierte Brunnenanlage befindet sich nahe einer Kreuzung am Staufenplatz im Düsseldorfer Stadtteil Grafenberg. Gelegentlich finden dort auch Konzerte und Veranstaltungen statt.

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