BEGA-AUE IM KREIS LIPPE

KARRIERE EINES MAISACKERS

Bernd Mühlenmeier hat Grund, sich zu freuen: In der Bega-Aue bei Büllinghausen hat sich wieder ein artenreiches Mosaik aus Röhrichten, Hochstauden und Galeriewald gebildet.
Bernd Mühlenmeier hat Grund, sich zu freuen: In der Bega-Aue bei Büllinghausen hat sich wieder ein artenreiches Mosaik aus Röhrichten, Hochstauden und Galeriewald gebildet.
Wenn Naturschützer von "wertvollen Auen-Lebensräumen" sprechen, denken sie nicht unbedingt an Maisäcker oder Pappelforste. In der Aue der Bega, genauer "Im Rahrebruch" südwestlich von Lemgo, widmeten die Ehrenamtler vom NABU Lippe ihre Energie dennoch solch stark veränderten Flächen, denn die Chancen standen gut, dass sich dort Fehler der Vergangenheit korrigieren ließen.


Wer von der Bega noch nie gehört hat, kommt vermutlich nicht aus Lippe. Deshalb sei folgende Nachhilfe in Heimatkunde erlaubt: Von der niedersächsischen Grenze unweit Bad Pyrmont schlängelt sie sich Richtung Westen und vereinigt sich nach 41 Kilometern Fließstrecke bei Bad Salzuflen mit der Werre, einem Nebenfluss der Weser. In vielen Abschnitten bietet sie den Anblick eines lieblichen Flüsschens, gesäumt von Erlen und Eschen, eingebettet in eine Aue mit Wiesen und Weiden.

Die Sünden vergangener Jahrzehnte

Es kommt darauf an, was man daraus macht: Der hübsche Eisvogel baute seine Neströhre im Wurzelteller einer umgestürzten Pappel.
Es kommt darauf an, was man daraus macht: Der hübsche Eisvogel baute seine Neströhre im Wurzelteller einer umgestürzten Pappel.
Einem Landwirt oberhalb der kleinen Siedlung Büllinghausen war die Aue jedoch zu nass. Vor etwa 35 Jahren versuchte er, die feuchten Wiesen neben der Bega trockenzulegen. Wo vorher kleine Nebengewässer und alte Gräben das artenreiche Grünland durchzogen, verlegte er mehrere hundert Meter Drainagerohre im Boden. Sie sollten das Grundwasser direkt der Bega zuführen. An schließend pflügte er die Wiesen um und baute Mais an. Zumindest versuchte er das, doch die schweren Gleyböden hielten das Wasser trotzig fest und ließen den Mais kümmern. Der enttäuschte Landwirt gab die für den Ackerbau ungeeigneten 4,5 Hektar auf und verkaufte sie an die NRW-Stiftung. Zwei Ehrenamtler vom NABU Lippe, Martin Noltekuhlmann und Harald Erdmann, die das ökologische Potenzial der Flächen seit Langem kannten, erstellten einen Plan, um dem geschundenen Auenstandort zu helfen.

Offene Türen im Umweltamt Lemgo

Eingebettet in Wiesen und Weiden, gesäumt von Erlen und Eschen: Die Bega-Aue
Eingebettet in Wiesen und Weiden, gesäumt von Erlen und Eschen: Die Bega-Aue
Bei der Stadt Lemgo fielen ihre Vorschläge auf fruchtbaren Boden. Fachkundige Mitarbeiter des Umweltamtes waren bereit, die Drainagen zu entfernen und die alten Oberflächengewässer wiederherzustellen. Um Vögel und Amphibien in der Fortpflanzungszeit nicht zu stören, ging man die Arbeiten im Herbst an. Schon im nächsten Frühjahr zeigte sich der Erfolg: Entlang der wiederhergestellten Flutmulden siedelten sich erneut Feuchtigkeit liebende Pionierpflanzen und Röhrichtarten wie Igelkolben, Schlank-Segge und Rohrglanzgras an. Ihre Samen hatten im Boden geschlummert, waren mit dem Wind herangeweht oder mit dem winterlichen Hochwasser über die Seitengerinne angeschwemmt worden. Frösche, Kröten und Libellen kehrten zurück und aus dem Hochstaudendickicht mit Waldengelwurz, Blutweiderich und Schilf ertönten bald wieder die Strophen von Sumpfrohrsänger und Rohrammer. Die Wunden der Vergangenheit waren nach wenigen Jahren verheilt.

Die positive "Kehrseite" der Pappeln

Die Anhebung des Grundwasserstandes erfasste nun auch eine flussaufwärts angrenzende Senke. Dort waren in den 1950-er Jahren zahlreiche Erlen beseitigt und stattdessen Hybridpappeln gepflanzt worden. Jetzt bildete sich in dieser Mulde wieder bei jedem leichten Hochwasser ein Teich, gute Voraussetzungen für die weitere Ausbreitung des Röhrichtes. Zugleich starb ein Teil der standortfremden Pappeln ab, da sie immer häufiger nasse Füße bekamen, andere wurden vom Wind umgeworfen. Vom Bega-Ufer her siedelten sich in den Lücken wieder die ersten Schwarzerlen an. Ein wirtschaftlicher Schaden war damit nicht verbunden, denn die fast drei Hektar große Fläche war mittlerweile von der Lemgoer Staff-Stiftung aufgekauft und ebenfalls dem NABU anvertraut worden. Die Pappelruinen, eigentlich Zeugen eines forstlichen Fehlgriffs, zeigten sich hier einmal von einer positiven "Kehrseite". Ein Eisvogelpaar, das sonst wohl keinen sicheren Brutplatz gefunden hätte, wählte den aufrecht stehenden Wurzelteller eines umgestürzten Baumes als Standort für seine Nisthöhle. Normalerweise bauen die scheuen Vögel ihr Nest an störungsarmen Steilufern. Bernd Mühlenmeier, zweiter. Vorsitzender der NABU-Kreisgruppe Lippe, ist mit der Entwicklung sehr zufrieden: "Das Rahrebruch ist auf einem guten Weg. Wenn wir die Auendynamik auch flussabwärts verbessern können, soll die Bega-Aue zwischen Lemgo und Bad Salzuflen bald Naturschutzgebiet werden".
Werre oder Bega?

Umgestürzter Baum in der Begaaue
Umgestürzter Baum in der Begaaue
Vertraut man den Landkarten und Geografen, dann ist die Bega ein Nebenfluss der Werre. Wer nachmisst, kommt zu einem anderen Ergebnis: Wo sich beide vereinigen, hat die Bega 41, die Werre aber kaum 40 km hinter sich. Zudem führt die Bega mehr Wasser. Streng genommen fließt also die Werre in die Bega, nicht umgekehrt, und folglich müsste der Fluss zwischen Bad Salzuflen und der Weser Bega heißen.


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Die Nordrhein-Westfalen-Stiftung kaufte auf Antrag der Kreisgruppe Lippe des NABU-Naturschutzbundes eine regelmäßig von der Bega überflutete Ackerfläche und eine Feuchtwiese bei Lemgo. Der NABU hat das Gebiet zu einem Feuchtbiotop entwickelt. www.nabulippe.de
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