FORSTHAUS HOHENROTH BEI HOHENROTH

TIEF IM WALDE

Das Forsthaus ist das höchstgelegene Wohngebäude im Siegerland.
Das Forsthaus ist das höchstgelegene Wohngebäude im Siegerland.
Früher machten hier nur Köhler, Waldarbeiter und Fuhrleute Halt, wenn sie das Rothaargebirge auf der Eisenstraße oder der Kohlenstraße durchquerten. Sie tränkten ihre Pferde und stärkten sich bei einer kurzen Rast. Heute treffen sich regelmäßig Naturfreunde im alten Forsthaus Hohenroth. Der Verein "Waldland Hohenroth" hat das schieferverkleidete Gebäude vor einigen Jahren zusammen mit dem Forstamt Hilchenbach zu einem Informationszentrum für Waldwirtschaft, Naturschutz und Umweltpädagogik umgebaut.

Im 19. Jahrhundert ließ man noch Kühe und Schweine im Wald weiden.
Im 19. Jahrhundert ließ man noch Kühe und Schweine im Wald weiden.
Als Königliche Revierförsterei war Hohenroth bereits 1854 aktenkundig. Das heutige Forsthaus ist jedoch ein "Neubau" von 1910. Über viele Jahrzehnte diente es den Revierförstern als Amts- und Wohnsitz. Schon immer war Hohenroth auf 640 Meter Meereshöhe das höchstgelegene, dauerhaft bewohnte Haus im Siegerland, quasi die Nr. 1 auf dem Siegerländer Treppchen. Da aber von der herausgehobenen Lage allein niemand leben kann, durften die Förster die umgebenden Flächen als sogenanntes Dienstland pachtfrei bewirtschaften. Der Mann im grünen Rock war Selbstversorger, denn der Weg zur nächsten Ortschaft war weit und beschwerlich. Das ist der Grund, weshalb ein Stall neben dem Wohnhaus stand. Hans-Joachim Krumnacker, der hier in den 1960er-Jahren einen Kollegen vertrat, erinnert sich noch, dass man seinerzeit die Kühe und Schweine im Wald weiden ließ. "Pastoren, Lehrer und Förster bekamen nur ein kleines Gehalt. Ohne Landwirtschaft und Pferde wären die überhaupt nicht über die Runden gekommen. Wenn Schnee lag, mussten die Kinder morgens im Pferdeschlitten zur Schule nach Walpersdorf gefahren werden, anders wäre es nicht gegangen."

Immer wieder gibt es Interessantes in der Natur rund um das Forsthaus Waldland Hohenroth zu entdecken.
Immer wieder gibt es Interessantes in der Natur rund um das Forsthaus Waldland Hohenroth zu entdecken.
Mit der forstlichen Neuorganisation von 1995 verwaiste das Haus, es wurde zunehmend still in Hohenroth. Diethard Altrogge, Leiter des Forstamtes Hilchenbach, suchte deshalb zusammen mit Freunden und Kollegen nach einer Möglichkeit, wie man das idyllisch gelegene Haus weiter nutzen könnte. Eine Reise nach Skandinavien brachte die Inspiration: Warum nicht ein Waldinformationszentrum nach finnischem Vorbild schaffen, wo sich Wanderer und Touristen über Natur und Forstwirtschaft informieren können und wo Führungen und Vorträge spezifischen Waldthemen angeboten werden? Die Forstverwaltung war skeptisch, schließlich musste gespart werden. "Deshalb haben wir im Jahr 2002 den Förderverein gegründet", berichtet Altrogge, "wir waren zuversichtlich, dass wir Zuschüsse und Spenden für den Start auch aus anderen Quellen bekommen würden. Danach muss sich die Einrichtung selbst tragen." Gesagt, getan. Der zupackende Forstmann und seine Waldfreunde warben Spenden und Fördermittel ein und renovierten das alte Forsthaus. In der ehemaligen Amtsstube wurde eine Infotheke aufgestellt, in den Wohnräumen entstand ein kleines Café, und in den gemütlichen Dachzimmern konnten Besucher übernachten. Schon im ersten Jahr überstieg die Nachfrage alle Erwartungen. "So etwas hatte in der Region offenbar gefehlt."

Lichtbildervorträge statt Heu

Das schieferverkleidete Gebäude beherbergt das Informationszentrum für Waldwirtschaft, Naturschutz und Umweltpädagogik.
Das schieferverkleidete Gebäude beherbergt das Informationszentrum für Waldwirtschaft, Naturschutz und Umweltpädagogik.
In einer zweiten Phase wurde dann das Nebengebäude modernisiert. Dass dabei, wo nur immer möglich, die alten Steine und Hölzer erhalten wurden, versteht sich von selbst – ebenso, dass die Vereinsmitglieder selbst Hand anlegten. Sie schlugen den maroden Innenputz ab, ersetzten halb verfaulte Dachbalken, malerten, brachten eine neue Außenverkleidung an und pflasterten den Vorplatz. Andere Gewerke, wie die metallene Dacheindeckung, neue Türen und Fenster oder die Innenausstattung, überließen sie Fachleuten. In einem knappen Jahr verwandelten sie den alten Stall in ein freundliches und modernes, aber urgemütliches Ausstellungs- und Veranstaltungszentrum, das seit 2006 zwölf Monate im Jahr genutzt und von einem Förster des Forstamtes Hilchenbach geleitet wird. Wo früher Siegerländer Kühe ihr Heu verdauten, bekommen die Besucher heute anregende Vorträge serviert, zum Beispiel zur naturnahen Waldwirtschaft oder über die Flora und Fauna der Naturschutzgebiete im Rothaargebirge.

So schön klingt das Lied der Tannenmeise

Stets gut besucht sind die geführten naturkundlichen Wanderungen.
Stets gut besucht sind die geführten naturkundlichen Wanderungen.
Stets gut besucht sind die geführten naturkundlichen Wanderungen ins Reich der Waldvögel, Fichten und Pilze. Aber die Philosophie des Vereins ist umfassender. Manches kann man nicht lernen, sondern muss es erleben und wirken lassen, wie die Laubfärbung, die klare Luft und die Gerüche des Waldes. "Die Besucher sollen spüren, wie wohltuend es ist, statt auf Beton über einen federnden Teppich aus Fichtennadeln zu schreiten", sagt Peter Lemke, der als Förster auf Hohenroth das Informationszentrum betreut. Nur er wird noch vom Land bezahlt. Der Mann mit dem Bilderbuch-Schnurrbart führt Schulklassen und Familien zu den Rothirschen und begleitet die Besucher mitten in die Waldeinsamkeit. Wer nach Hause fährt, weiß, dass einen der schlichte Gesang der Tannenmeise in einem sonst vollkommen stillen Wald ganz anders berührt als jede Musik aus dem Lautsprecher.

Die Reize des Waldlandes kitzeln übrigens auch den Gaumen. Nach einer Herbstwanderung setzen sich die Teilnehmer der Veranstaltung "Wald, Wild und Wein" zu einem Fünf-Gänge-Menü und probieren dazu verschiedene Weine: Naturerlebnis à la Hohenroth.
Von roten Haaren keine Spur

Der Name des Rothaargebirges leitet sich von Rodung und Ha(a)rdt (=Waldgebiet) ab. Die ausgedehnten Rodungen waren das Ergebnis der ungeregelten, spätmittelalterlichen Waldnutzung. Überall rauchten die Meiler, in denen aus dem Holz von Buchen und Eichen Holzkohle für die Siegerländer Eisenindustrie hergestellt wurde. Heute ist das Rothaargebirge im Südosten von Nordrhein-Westfalen längst wieder ein Waldland, auch im Bereich des Forstamts Hilchenbach. Mit 72 Prozent Wald gehört dieser Raum zu den waldreichsten Regionen in der Bundesrepublik Deutschland.

Von oben gut zu erkennen: Lücken, die Orkan Kyrill in die Wälder geschlagen hat.
Von oben gut zu erkennen: Lücken, die Orkan Kyrill in die Wälder geschlagen hat.
Allerdings handelt es sich hierbei meist um eintönige ausgedehnte Fichtenforste, in denen nach "Kyrill" jetzt große Lücken klaffen. Daneben gibt es aber auch noch prächtige Rotbuchenwälder, wie beispielsweise den Hainsimsen-Buchenwald "Grauhain" zwischen Walpersdorf und Großenbach. Dort stehen über 150 Jahre alte Rotbuchen auf einer Fläche von 50 Hektar.

Flüsse wie Eder, Lahn und Sieg haben hier ihr Quellgebiet. Den Quelllauf der Eder begleitet ein uriger Moorbirken-Bruchwald. Der fünf Hektar große "Eichenwälder Bruch" steht heute als Naturwaldzelle unter strengem Schutz.


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Der Eintritt ist generell frei.

Bei vielen Projekten erhalten die Mitglieder des Fördervereins vergünstigten Eintritt. [mehr]
Die NRW-Stiftung unterstützte den Förderverein Forsthaus Waldland Hohenroth bei der Restaurierung und Einrichtung des ehemaligen Stallgebäudes vom früheren Forsthaus Hohenroth in Netphen. Das Gebäude wird heute für Ausstellungen und Veranstaltungen genutzt.

Googlemap aufrufenDas Forsthaus Hohenroth bietet ein umfangreiches Programm von Walderkundungsexkursionen bis zu Kochkursen für Wildbret. Das Haus bietet zudem einige einfache Übernachtungsmöglichkeiten.

Waldinformationszentrum
Forsthaus Hohenroth
57250 Netphen
Telefon: 0 27 37 / 21 78 60
www.waldland-hohenroth.de

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