ULREPFORTE IN KÖLN

JECKER TURM

Knapp 800 Jahre Kölner Stadtgeschichte erzählen die Mauern der Ulrepforte. Mittlerweile beheimatet das ehemalige Stadttor eine Karnevalsgesellschaft.
Knapp 800 Jahre Kölner Stadtgeschichte erzählen die Mauern der Ulrepforte. Mittlerweile beheimatet das ehemalige Stadttor eine Karnevalsgesellschaft.
Zum Schutze der Stadt Köln wurde die Ulrepforte zu Beginn des 13. Jahrhunderts als Teil der Stadtmauer errichtet. Wachleute hielten von dem kleinen Doppelturmtor Ausschau und regelten den Verkehr in die Stadt. Viel hatten sie dabei nicht zu tun, denn die Ulrepforte im Südwesten Kölns lag an keiner der bedeutenden Eingangsstraßen, bot lediglich Zugang zu Feldern. Trotzdem sind knapp 800 Jahre später immer noch Uniformierte in der Ülepooz, wie das Tor auf Kölsch heißt, "stationiert". Mitnichten allerdings zum Schutze der Stadt und ihrer Bürger, als vielmehr zu deren Erheiterung. Wie jedes der historischen Kölner Stadttore beherbergt auch die Ulrepforte eine Karnevalsgesellschaft: die "Kölsche Funke rut-wieß vun 1823 e.V.", das älteste Traditionskorps der Stadt.

Die Umfunktionierung zum närrischen Hauptquartier ist die Krönung einer bewegten Geschichte. Obgleich als Stadttor von geringer Bedeutung, spielte die Ülepooz – der Name leitet sich von dem mittelhochdeutschen Wort ulner oder euler (Töpfer) ab – schon kurz nach ihrer Errichtung eine Hauptrolle in der Kölner Geschichte: 1268 versuchte der von den Bürgern vertriebene Erzbischof Engelbert II. mit seinen Anhängern in die Stadt einzudringen. In einer blutigen Schlacht an der Ulrepforte wurde die Unabhängigkeit der Stadt verteidigt. Ein Reliefdenkmal zeugt noch heute von diesem Ereignis. Im 15. Jahrhundert wurde die Nutzung als Stadttor zurückgestellt und eine Mühle für das nahe gelegene Kartäuserkloster aufgesetzt.

Ruhig ging es um 1910 in Köln zu, wie diese Ansicht der Ulrepforte zeigt. Der zur Vorderseite gelegene Anbau beherbergte damals die Gaststätte mit dem viel sagenden Namen "Zur guten Bierquelle".
Ruhig ging es um 1910 in Köln zu, wie diese Ansicht der Ulrepforte zeigt. Der zur Vorderseite gelegene Anbau beherbergte damals die Gaststätte mit dem viel sagenden Namen "Zur guten Bierquelle".
Als 1881 schließlich eine Erweiterung Kölns beschlossen und die Stadtmauer abgerissen wurde, verlor die Ulrepforte ihre Funktion vollends, blieb aber als Denkmal erhalten. Kurze Zeit später wurde die Mühle abgebaut, eine neugotische Turmhaube aufgesetzt und in dem zweigeschossigen Vorbau die Gaststätte "Zur guten Bierquelle" eingerichtet. 1907 in den Besitz der Stadt gelangt, bot die Ulrepforte den Kölner Bürgern im Zweiten Weltkrieg erneut Schutz – als Luftschutzraum.

Dass die Roten Funken in dem alten Stadttor eine sehenswerte Heimstatt gefunden haben, haben sie sich mit viel Fleiß und Schweiß erarbeitet. Als die Karnevalsgesellschaft 1955 den Bau von der Stadt Köln in Erbpacht übernahm, war sie als Folge des Krieges ein halber Trümmerhaufen. In mehreren Entschuttungsaktionen wurde die Ülepooz wieder in Schuss gebracht und 1956 als karnevalistisches Hauptquartier festlich eingeweiht.

Bis in die 1880er Jahre krönte eine Mühle die Ulrepforte, die als Stadttor schon lange ausgedient hatte.
Bis in die 1880er Jahre krönte eine Mühle die Ulrepforte, die als Stadttor schon lange ausgedient hatte.
Damit war aber nur der erste Schritt in der Wiederherstellung des Baudenkmals getan. Bis zum Jahr 2000 wurden nach und nach alle weiteren Teile saniert, ab 1966 mit Unterstützung des "Vereins der Freunde und Fördererer der Ühlepooz ,Fritz Everhan Stiftung’ e.V.". So wurde mit bewundernswertem Eigeneinsatz der Karnevalisten und des Fördervereins und mit Unterstützung der NRW-Stiftung zunächst das Kellergeschoss freigelegt und restauriert, das Holzwerk im Turmumgang auf Vordermann gebracht, die Innenausmauerung des nord-westlichen Halbturms erneuert und der Arkadenbereich des Mühlenturms saniert. Kleine Ausbesserungen fallen zwar immer wieder an, aber mit den großen Arbeiten ist seit 2000 Schluss.


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Die NRW-Stiftung war beeindruckt von dem besonders großen Engagement, mit dem sich die Mitglieder der Karnevalsgesellschaft in Zusammenarbeit mit dem Stadtkonservator um den Erhalt des Baudenkmals bemühen. Mehrfach wurden die "Kölsche Funke rut-wieß" und der "Verein der Freunde und Förderer der Ühlepooz" bei der Realisierung dringend notwendiger Sanierungsarbeiten von der NRW-Stiftung finanziell unterstützt.

Ulrepforte
Sachsenring 42
50677 Köln

Führungen können in der Geschäftsstelle der Kölsche Funke rut-wieß mit Frau Hoffmann vereinbart werden. Diese finden jeden zweiten Sonntag um ca. 15 Uhr mit höchstens zwanzig Teilnehmern statt, da der Turm innen sehr eng ist.
Telefon 0221/311564

Weitere Informationen unter:
www.rote-funken.de
www.uehlepooz.de

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