BACKHAUS DIESTEDDE

GROSSES ENGAGEMENT FÜR KLEINES BACKHAUS

In der Abendsonne glänzt das mehr als 100 Jahre alte Backhaus an seinem neuen Standort.
In der Abendsonne glänzt das mehr als 100 Jahre alte Backhaus an seinem neuen Standort.
25 frisch gebackene, knusprig duftende Weißbrote krönten im Juni 1994 anderthalb Jahre ehrenamtlicher Arbeit im münsterländischen Diestedde. Ein mehr als 100 Jahre altes Fachwerkhaus hatten die Bürger vor dem Abriss gerettet, unter der Regie des Heimatvereins Diestedde in unermüdlicher ehrenamtlicher Arbeit Stück für Stück abgetragen und neben der katholischen Pfarrkirche St. Nikolaus neu aufgebaut. Das gewisse Extra in dem ehemals als landwirtschaftliches Nebengebäude genutzten Kleinod war die Einrichtung eines historischen Backofens. Der erste Rauch aus dem Ofen und eben die ersten Brote waren der erste Lohn für rund 3000 Arbeitsstunden.

Stück für Stück hatten die Dorfbewohner das Fachwerkhaus abgebaut.
Stück für Stück hatten die Dorfbewohner das Fachwerkhaus abgebaut.
Mit ihrem Projekt haben die Diestedder bewiesen wie erfolgreich ein solch aufwendiges Vorhaben sein kann, wenn ein ganzes Dorf geschlossen und voller Tatendrang dahinter steht. Die Zeichen für die Initiative standen von Beginn an gut: Das kleine Fachwerkhaus war ein Geschenk des ehemaligen Hauseigentümers an den Heimatverein und das Grundstück für den Wiederaufbau wurde kostenlos von der Kirchengemeinde zur Verfügung gestellt. Darüber hinaus bot die Diestedder Löschgruppe der Freiwilligen Feuerwehr an, den kontrollierten Abbruch und die Zwischenlagerung zu übernehmen. Die NRW-Stiftung löste mit der Übernahme eines Großteils der Kosten schließlich auch die Frage der Finanzierung.

Backpremiere: Nachdem Haus und Ofen fertig waren, konnte der Bäcker endlich die ersten Brote in dem neuen alten Backhaus anfertigen.
Backpremiere: Nachdem Haus und Ofen fertig waren, konnte der Bäcker endlich die ersten Brote in dem neuen alten Backhaus anfertigen.
Stein für Stein und Balken für Balken wurde dann im Frühjahr 1993 das Haus abgetragen. Die Holzbalken des stellenweise verfallenen Gebäudes wurden auf ihre Tragkraft untersucht und bei Bedarf Ersatzbalken zugeschnitten. Ebenso wurden die Steine von dem alten Mörtel gesäubert, um sie wieder verwenden zu können. An dem neuen Standort wurde das künftige Back- und Vereinshaus der Ausstattung der Jahrhundertwende entsprechend wieder aufgebaut und eingerichtet. So wurde das Dach mit Tondachpfannen und Strohdocken (Roggenstrohbüschel) eingedeckt. Für eine stilechte Inneneinrichtung wurden die Dorfbewohner aufgerufen, Möbel und sonstige Gegenstände aus der Zeit der Jahrhundertwende zur Verfügung zu stellen. Schließlich wurde der traditionelle Lehmbackofen eingebaut, der dem Gebäude seinen neuen Namen geben sollte.

Mit viel Handarbeit und Sorgfalt wurde das Fachwerkhaus an seinem neuen Standort wieder zusammengesetzt.
Mit viel Handarbeit und Sorgfalt wurde das Fachwerkhaus an seinem neuen Standort wieder zusammengesetzt.
Das kleine Backhaus sollte nach seiner Fertigstellung nicht nur optisch den neuen Blickfang des Ortskerns darstellen, sondern als Heimathaus und Begegnungsstätte zum lebendigen Mittelpunkt von Diestedde werden. Seitdem wird das Backhaus insbesondere als Vereinsheim für den Heimatverein genutzt. Darüber hinaus finden kleine Fotoausstellungen in dem Gebäude, das nur rund 20 Personen bequem Platz bietet, Raum. Auch für kleinere Veranstaltungen wie das Pfarrfest oder kleine Kaffeetafeln wird es genutzt. "Eben alles, was wir in dem kleinen Gebäude machen können", sagt Heimatvereinsvorsitzender Fritz Streffer. Das regelmäßige Brotbacken habe der örtliche Bäcker aus wirtschaftlichen Gründen leider vor einigen Jahren aufgeben müssen.


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Die NRW-Stiftung hat finanzielle Hilfe für den Ab- und Aufbau des kleinen Fachwerkhauses in den Diestedder Ortskern geleistet. Ohne das große ehrenamtliche Engagement der vielen Helfer aus Diestedde wäre das Projekt jedoch nicht durchführbar gewesen.

Googlemap aufrufenBackhaus Diestedde
Lange Straße
59329 Wadersloh-Diestedde

Das Backhaus ist von außen frei zugänglich, eine Besichtigung ist nach telefonischer Absprache unter 02520-460 möglich.

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