AALSCHOKKER ARANKA, BAD HONNEF

DER LETZTE SEINER ART

Der Aalschokker Aranka vor der romantischen Kulisse des Siebengebirges und der Drachenburg ist ein beliebtes Foto- und Postkartenmotiv.
Der Aalschokker Aranka vor der romantischen Kulisse des Siebengebirges und der Drachenburg ist ein beliebtes Foto- und Postkartenmotiv.
Wenn die Besucher heute über die Inselbrücke schlendern, die die traditionelle Winzer-, Fischer- und Schifferstadt Bad Honnef mit der vorgelagerten Insel Grafenwerth verbindet, blicken die meisten bewundernd zur Seite. Vor ihnen liegt die Aranka, eines der Wahrzeichen jahrhundertealter Heimatgeschichte in Bad Honnef und der letzte Aalschokker des Mittelrheins.

Ein halbes Jahrhundert ging Fischermeister Willi Jansen von Mai bis November mit der Aranka Nacht für Nacht auf den Rhein – um die Beute zu fangen, der das Schiff seinen Namen verdankt: Aale. Mit Hilfe der 78 Quadratmeter großen Fangnetze konnte das Schiff aus dem Jahre 1917 dem Rhein jahrzehntelang viele Tonnen Fisch entreißen – neben Aalen früher auch Lachs, Maifisch und Stör. Während das Schiff tagsüber in Ufernähe ruhte, wurde es abends an seinem Anker in Fangposition gebracht, "Fieren" heißt das in der Fachsprache. Der Mast des als Schokkers gebauten Aalfangschiffes hielt die 30 Meter langen, handgeknüpften Netze in der starken Rheinströmung.

Ein Wahrzeichen von Bad Honnef: die Aranka hat ihre Ruhestätte im Altrheinarm vor den Toren der Stadt gefunden.
Ein Wahrzeichen von Bad Honnef: die Aranka hat ihre Ruhestätte im Altrheinarm vor den Toren der Stadt gefunden.
Doch im Laufe der Zeit blieben die Behälter des Schiffes, die bis zu drei Tonnen Ladung aufnehmen können, immer leerer. Schweren Herzens entschloss sich der Bad Honnefer Fischermeister nach 50 Jahren gemeinsamer Dienstzeit zum Verkauf seines Aalfangschiffes, da der Ertrag den Rheinfischer nicht länger ernähren konnte. Damit war die alte Fischertradition der Jansen, die seit 1780 belegt ist, endgültig erloschen.

Helmut Kloss aus Bad Honnef konnte sich mit dem Gedanken, dass das Aalfangschiff nach Holland verkauft werden sollte, nicht anfreunden: "Schon seit meiner Kindheit kenne ich dieses Schiff. Wie oft haben wir am Rhein gespielt. Dieses Stück Stadthistorie muss erhalten bleiben", sagte er sich. Der Geschäftsmann regte in Zusammenarbeit mit dem Kur- und Verkehrsverein Bad Honnef eine Spendenaktion an, die den Erwerb der Aranka ermöglichte. Gleichzeitig wurde das Schiff als bewegliches Denkmal anerkannt. Einer vollständigen Renovierung mit Unterstützung durch die NRW-Stiftung in einer Oberwinterer Werft stand damit nichts mehr im Wege.

Vor der vollständigen Sanierung der "Aranka" war das Aalfangschiff in einem traurigen Zustand.
Vor der vollständigen Sanierung der "Aranka" war das Aalfangschiff in einem traurigen Zustand.
Bevor die Bad Honnefer jedoch ihre Aranka im Frühjahr 1994 in ihrer Ruhestätte im Altrheinarm wieder begrüßen konnten, brachte die Weihnachtszeit 1993 neue Probleme bei der Sanierung mit sich. Willi Berg, der sich nach dem Kauf des Schiffes um die Instandsetzung der Aranka kümmerte, erinnert sich an den Zustand nach dem Hochwasser zum Jahreswechsel 1994/1995: "Der Schiffsbauch war noch nicht zu, das schmutzige Wasser konnte ungehindert eindringen, so dass es nach dem Hochwasser aussah wie auf einem Schlachtfeld." Nach stundenlanger Arbeit konnte das Schiff schließlich von den Schlammmassen befreit und die Sanierungsarbeiten abgeschlossen werden.

In einer Werft in Oberwinter wurde das Schiff mit viel Engagement liebevoll restauriert.
In einer Werft in Oberwinter wurde das Schiff mit viel Engagement liebevoll restauriert.
Der Heimathafen der Aranka bereitete der Rückkehrerin einen würdigen Empfang. Der Bad Honnefer Kloss kümmert sich auch heute noch mit bemerkenswertem Einsatz um seine "Kinderliebe". So konnte auf seine Initiative der "Aranka Förderverein e.V." gegründet werden, dem Bad Honnef beispielsweise die jährlichen Feierlichkeiten zur Krönung des Aalkönigs auf dem Aalschokker verdankt. Die laufenden Kosten für die Instandhaltung des Schiffes trägt Helmut Kloss jedoch überwiegend aus seiner eigenen Kasse. Vor einiger Zeit übergab er seine Aranka in die liebevolle Pflege und Wartung von Friedhelm Berg, der damit als würdiger Nachfolger das Werk seines Vaters Willi Berg fortführt. So wird die Aranka auch in den kommenden Jahren das romantische Bild der Stadt bereichern und auf zahlreichen Fotos an ihren Einsatz auf dem Rheinstrom erinnern.

Anmerkung Redaktion: Helmut Kloss ist im Jahr 2012 im Alter von 78 Jahren verstorben.

Stand der Angaben: Dezember 2008


Kommentare

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01.04.2016, Dr. G. Paulick

Vielen Dank für Ihre Bemühungen. Ein sehr informativer Bericht.


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Das 1917 erbaute Aalfangschiff Aranka ist der letzte Aalschokker des Mittelrheines und somit eines der bedeutendsten Erinnerungsstücke der Rheinfischerei. Die NRW- Stiftung unterstütze den Kur- und Verkehrsverein Bad Honnef bei der vollständigen Restaurierung des Schiffes und förderte außerdem die nötigen Maßnahmen zur Behebung der Hochwasserschäden im Winter 1994/95.

Der Aalschokker Aranka liegt im alten Rheinarm vor Bad Honnef vor Anker. Das Schiff ist am besten von der Brücke, die zur vorgelagerten Insel Grafenwerth führt, zu sehen.
Eine Besichtigung des Aalfangschiffes ist im Rahmen des alljährlichen Aalkönigfestes möglich.

Aranka Förderverein e.V.
53604 Bad Honnef

www.aalkoenig-badhonnef.de

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