FÖRDERTURM IN WILNSDORF-NIEDERDIELFEN

HALBGÖTTER UND FLEDERMÄUSE

Einziger Zeuge einer langen Bergbaugeschichte ist der Fördertum Niederdielfen.
Einziger Zeuge einer langen Bergbaugeschichte ist der Fördertum Niederdielfen.
Der Boden im Siegerland ist reich an Schätzen und Geschichten. Knapp 2500 Jahre lang haben die Menschen im Schweiße ihres Angesichts der Erde und dem Gestein kostbare Erze abgerungen – bis im 20. Jahrhundert nach und nach alle Gruben geschlossen wurden. Einst war die Region so bedeutend, dass sie es sogar in die Mythologie geschafft hat: Bei Wilnsdorf soll Wieland der Schmied, Halbgott und der Sage nach Lehrmeister Siegfrieds des Drachentöters, gelebt und gewirkt haben. Heute legt einzig und allein der Förderturm über der Grube Grimberg in Niederdielfen Zeugnis von dieser glorreichen Vergangenheit ab.

Und selbst der musste von engagierten Bürgern und Verwaltungsmitgliedern hart erkämpft werden. Wie alle Anlagen im Siegerland, wurde auch der Förderturm in Niederdielfen nach der Stillegung der Grube 1911 abgerissen. 104 Jahre waren hier Spateisenstein sowie Blei- und Kupfererz aus einer Tiefe von zuletzt 900 Metern ans Tageslicht gefördert worden. Noch lange war die Erinnerung an die Zeit des Bergbaus in der Bevölkerung präsent, greifbar war sie jedoch nicht mehr. Bis aus dem Bergischen Land die Nachricht kam, dass der Förderturm des Julienschachtes in Bergisch Gladbach zum Verkauf steht. Ein Glücksfall für Niederdielfen, denn der Turm war nicht nur gut erhalten, sondern typisch für die Fördertürme des Siegerlandes und hätte so auch über der Grube Grimberg stehen können.

Schnell musste gehandelt werden, denn der Turm sollte entweder sofort verkauft oder verschrottet werden. Die Wilnsdorfer Verwaltungsspitze und der Förderverein Museum Wilnsdorf legten sich ins Zeug und retteten den Turm mitsamt der Hängebank, dem umgebenden Schachtgebäude, ins Siegerland. 16 Meter ragt er nach dem Wiederaufbau, den die NRW-Stiftung unterstützt hat, über dem Schacht auf.

In der Hängebank wurde ein kleines Museum eingerichtet, das die über 100-jährige Geschichte der Grube Grimberg erzählt. Eine Glasplatte am Boden gibt den Blick in den alten Schacht frei und den Besuchern die Gelegenheit, sich in vergangene Bergbautage hineinzudenken. Wenn der Schacht heute auch nicht mehr genutzt wird, so ist er doch voll Leben: Fledermäuse flattern durch die Finsternis. Wer Glück hat, kann ein Stück unter der Glasplatte eine Fledermaus hängen sehen – da die Platte beheizt ist, damit sie nicht beschlägt, ist sie ein beliebter Schlafplatz für die Tiere.


Kommentare

Sie haben dieses Projekt der NRW-Stiftung bereits besucht? Dann schreiben Sie uns, wie es Ihnen gefallen hat. Kommentar verfassen



Der Aufbau des Julienschacht-Förderturmes an seinem neuen Standort über der Grube Grimberg in Wilnsdorf-Niederdielfen wurde von der NRW-Stiftung unterstützt.

Förderturm Niederdielfen
Grimbergstraße
57234 Wilnsdorf-Niederdielfen

Telefon: (02739) 802-211

Von außen kann der Förderturm jederzeit besichtigt werden. Das Museum ist an jedem zweiten Sonntag im Monat von 14 bis 17 Uhr geöffnet. Führungen sind nach telefonischer Vereinbarung möglich.

Weitere Informationen unter www.wilnsdorf.de/freizeit/sehenswertes

Bookmark and Share