LANSTROPER EI IN DORTMUND

EIN STÄHLERNES WELTRAUM-EI RUHT IM POTT

Ein stählernes Ei auf einer Abschussrampe – so mutet das Lanstroper Ei, der alte Wasserturm in Dortmund-Grevel, an.
Ein stählernes Ei auf einer Abschussrampe – so mutet das Lanstroper Ei, der alte Wasserturm in Dortmund-Grevel, an.
Viele der selbsternannten UFO-Forscher sind der Meinung, dass schon vor langer Zeit Außerirdische auf der Erde gelandet sind. Ein abendlicher Spaziergang durch Dortmunds östlichsten Zipfel zwischen Grevel und Lanstrop scheint das sogar zu bestätigen. Wie ein verlassenes Raumschiff steht dort ein 60 Meter hohes Stahlgerüst mit einem eiförmigen Aufsatz in der Landschaft, gerade so, als würde es auf den Start in ferne Welten warten. Tatsächlich handelt es sich bei dem aufgrund seiner Form Lanstroper Ei genannten Gebilde um einen über 100 Jahre alten Wasserturm, der zwar keine Reise zu den Sternen, dafür aber einen herrlichen Ausblick über Lippe- und Ruhrtal bietet.

Der Ausblick von dem 55,5 Meter hohen Turm auf die Ruhrgebietslandschaft kann sich sehen lassen.
Der Ausblick von dem 55,5 Meter hohen Turm auf die Ruhrgebietslandschaft kann sich sehen lassen.
Auf einem starken Stahlpfahl und einem quadratischen Stahlgerüst thront das Riesenei, das einst die Orte Lanstrop, Derne, Mengede, Brambauer und Teile der Stadt Lünen sowie die umliegenden Zechen der Harpener Bergbau AG mit Ruhrwasser versorgte. Mit dem Bau des Eis hielten ab 1906 Toilettenspülungen und Wasserhähne Einzug in die Region. Zudem bot der Turm einen höheren Hygienestandard und sicherte einen gleichmäßigen Wasserdruck sowie eine Notversorgung im Falle eines Rohrbruches zwischen Pumpstation und Ei. Noch bis 1980 versorgte der Wasserturm die Region mit Trinkwasser. Seit seiner Stillegung hat – trotz Denkmalschutz – der Rost die Herrschaft über das Ei übernommen und ihm mächtig zugesetzt.

Im Schatten des Eis: Der Turm bietet beeindruckende Perspektiven.
Im Schatten des Eis: Der Turm bietet beeindruckende Perspektiven.
Um das landschaftsprägende Denkmal nicht endgültig dem Verfall anheim zu geben, kämpft seit 1997 der Förderverein Lanstroper Ei um den Erhalt des Turms. Einerseits, weil der insgesamt 180 Tonnen schwere Koloss, der von der Dortmunder Firma Klöne errichtet wurde, historisch bedeutend ist, denn er ist der letzte seiner Art im Ruhrgebiet. Andererseits, weil er laut Förderverein zu einem "heimatlichen Identifikationsobjekt" geworden ist. 100 Jahre soll der Turm, der sich in Privatbesitz befindet, noch halten, wünscht sich Vereinsvorsitzender Friedhelm Lütgebüter. Bis dahin ist es allerdings noch ein gutes Stück Weg. Mit Unterstützung der NRW-Stiftung wurde ein Schadensgutachten erstellt, in dem der Sanierungsbedarf festgestellt wurde. Als nächster Schritt sind – mit Unterstützung der Stadt Dortmund – Erwerb und Sanierung des Lanstroper Eis und die Einrichtung einer in den Turm integrierten Außengastronomie geplant.

Wird alles wie vorgesehen fertig gestellt, können bald Radwanderer im Schatten des Eis auf dem Lanstroper Höhenrücken einkehren, denn das stählerne Industriekunstwerk liegt direkt an der Fahrradstrecke der Route der Industriekultur. Wer mit dem nötigen Mut ausgestattet ist, kann dann auch den Aufstieg auf die Plattform unterhalb des Eis wagen. Noch ist das aus Sicherheitsgründen nicht möglich, nur beim Tag des Offenen Denkmals gab es für rund 1000 ebenso begeisterte wie schwindelfreie Besucher einen Vorgeschmack.


Kommentare

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04.10.2013, J.C. Mende

Lanstroper Ei

Ein wichtiges Versorgungsutensil seiner Zeit.
In seiner Glanzzeit war es sicherlich bedeutend und eine Zierde der Landschaft.

Doch in heutiger Zeit , ziert es die Gegend mit seinen leuchtend farbigen Graffitis.

Ich hoffe , hoffe wirklich dass sich die zuständige Stiftung in naher Zukunft damit befassen wird , das Lanstroper Ei in eine neue Glanzzeit zu restaurieren.
23.09.2013, Redaktion NRW-Stiftung

Die NRW-Stiftung sieht das Denkmal als für die Region bedeutend an und hat sich daher auch für eine Bezuschussung der Sanierungsarbeiten entschieden - unter der Voraussetzung, dass die Gesamtfinanzierung gesichert ist. An dieser wird seitens des Antragstellers derzeit noch gearbeitet, was verständlicherweise seine Zeit braucht.
20.09.2013, H.-J. Klauß

Wie ich las,hat die Stiftung 250000€ für das Ei bereitgestellt.Leider ist bis heute niemand in die Puschen gekommen.Der einzige der an der Sache dran ist,ist der Rost.Jeden Tag,rund um die Uhr nagt er am Eisen.
Wenn man es unbedingt erhalten will,sollte man es neu bauen.Dann wäre das Geld sinnvoll ausgegeben.Im Augenblick ist dieser Wasserturm ein Haufen Brennschrott.
Über die Meinung der Stiftung in dieser Sache würde ich mich freuen.

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Bevor eine Sanierung des Wasserturms durch den Förderverein Lanstroper Ei überhaupt möglich wurde, musste ein Schadensgutachten erstellt werden, das mit Hilfe der NRW-Stiftung finanziert wurde.

Wasserturm Lanstroper Ei
Rote Fuhr 99
Dortmund-Grevel

Bus-Linie 423 bis Haltestelle "Grevel Wasserturm"

Weitere Informationen unter www.lanstroper-ei.de

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