BERGISCHE MUSEUMSBAHNEN IN WUPPERTAL

LEBENDIGE VERGANGENHEIT AUF SCHIENEN

Nostalgie in der Natur: Auf einer malerischen alten Strecke fahren seit 1992 die alten Schätzchen der Bergischen Museumsbahnen.
Nostalgie in der Natur: Auf einer malerischen alten Strecke fahren seit 1992 die alten Schätzchen der Bergischen Museumsbahnen.
Es ruckelt und zuckelt gemütlich, bis die Bahn mit einem schrillen Quietschen zum Stehen kommt und sich die klapprigen Türen mit einem Knarzen fächerartig zur Seite falten. Wer kennt sie nicht noch aus seiner Kindheit, die alten Straßenbahnen, mit denen das Fahren nie wirklich bequem war, die man aber vermisst hat, sobald sie durch die hochtechnisierte Generation ersetzt wurden. Bei einem Besuch auf dem Betriebshof der Bergischen Museumsbahnen kann man bei einer Fahrt mit den originalgetreu restaurierten Straßenbahnen eine Reise in die eigene Vergangenheit antreten.

In viel Eigenarbeit hat der Verein die Bahnen restauriert und teilweise neue Gleise verlegt.
In viel Eigenarbeit hat der Verein die Bahnen restauriert und teilweise neue Gleise verlegt.
Wuppertaler Straßenbahn- und Heimatfreunde wollten der Stillegung vieler Linien Ende der 60er Jahre nicht untätig zusehen und gründeten 1969 den Verein Bergische Museumsbahnen. Seitdem haben sich auf einem Teilstück der ehemaligen Wuppertaler Straßenbahnlinie 5 nach und nach historische Straßenbahnwagen in großer Zahl angesammelt. 32 der alten Schätzchen befinden sich mittlerweile im Besitz des Vereins. Darunter viele alte Triebwagen, die man aus dem Stadtverkehr der 50er, 60er, und 70er Jahre kennt, aber auch einige Kuriositäten. Zum Beispiel die Wuppertaler E-Lok von 1932, die wie eine Mischung aus Seilbahnkabine, Panzer und Bügeleisen ausschaut. Oder der Turm-Triebwagen von 1950, ein Eigenbau der Wuppertaler Stadtwerke mit kleiner Werkstatt im Inneren. Das älteste Stück ist ein Wuppertaler Güterwagen von 1894, "das wahrscheinlich älteste Schienenfahrzeug des Bergischen Landes", wie der Verein sagt.

Im Betriebshof wurde ein Museum eingerichtet, in dem auch die Bahnen bewundert werden können, die nicht mehr auf die Gleise gesetzt werden.
Im Betriebshof wurde ein Museum eingerichtet, in dem auch die Bahnen bewundert werden können, die nicht mehr auf die Gleise gesetzt werden.
Der Verdienst des Vereins Bergische Museumsbahnen fängt aber beim Sammeln und Bewahren nur an. In jahrzehntelanger ehrenamtlicher Arbeit haben die Vereinsmitglieder die Streckenausrüstung an ihrem Betriebshof in Stand gesetzt, haben mehrere hundert Meter neues Gleis verlegt und eine Gleichrichterstation gebaut, die die Straßenbahn mit 650 Volt Gleichstrom versorgt. Parallel wurden so viele der alten Bahnen als möglich restauriert und in der Ausstattung der 40er oder 50er Jahre originalgetreu rekonstruiert. So konnte 1992 auf einem kleinen Teilstück der öffentliche Personenverkehr mit den historischen Straßenbahnen aufgenommen werden. Seither sind die Bergischen Museumsbahnen Deutschlands kleinster Straßenbahnbetrieb und haben sich trotz weniger Öffnungstage zu einem der beliebtesten Museen in Wuppertal gemausert.

Mittlerweile fahren die Bahnen an zwei Sonntagen im Monat auf 2,5 Kilometern Strecke von der Kohlfurther Brücke nach Greuel und zurück. Die Bahnen, die nicht fahrtüchtig sind, können im Museum bewundert werden. Platz für Neuaufnahmen ist dort aktuell nicht mehr – im Gegenteil, eine der Bahnen ist sogar in das Kölner Straßenbahnmuseum ausgelagert und eine wird von der Bochum-Gelsenkirchener-Straßenbahnen AG als Oldtimer im Fahrdienst genutzt.
Von Galoppwechslern und Schleifkotten

Hier wird an einer Museumsbahn gearbeitet.
Hier wird an einer Museumsbahn gearbeitet.
Wuppertal ist nicht nur die Stadt der Schwebebahn. Im 19. Jahrhundert gab es in Elberfeld und Barmen beispielsweise Pferdebahnen als Vorläufer der späteren Straßenbahnbetriebe. Wenn die Schaffner der Bergischen Museumsbahnen heutzutage allerdings einen "Galoppwechsler" mit sich führen, so ist das keine Reminiszenz an die Ära des Hafermotors. Vielmehr handelt es sich dabei um den bahntypischen Münzbehälter, aus dessen vier oder fünf Metallröhrchen man per Hebeldruck rasch und einfach das passende Wechselgeld entnehmen kann. Hat man ordnungsgemäß bezahlt, kann man mit den Bergischen Museumsbahnen im Kaltenbachtal zahlreiche Spuren der frühen bergischen Industriegeschichte erleben. Nur wenige Schritte von der Museumsbahn entfernt liegt zum Beispiel der 1755 errichtete "Manuelskotten" (Foto), der mithilfe der NRW-Stiftung als technisches Denkmal errichtet wurde und in dem noch heute nach einem alten Verfahren Klingen geschliffen werden.


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Für Mitglieder des Fördervereins ist der Eintritt ermäßigt.

Bei vielen Projekten erhalten die Mitglieder des Fördervereins vergünstigten Eintritt. [mehr]
Das "Flaggschiff" des Bergische Museumsbahnen e. V. ist ein vierachsiger MAN-Triebwagen der ehemaligen Bergischen Kleinbahn. Der TW 159, der von 1925 bis 1969 in Betrieb war, war 1973 einer der ersten im Bestand des Vereins. Mit Unterstützung der NRW-Stiftung wurde der Wagen wieder restauriert.

Googlemap aufrufenFahrten mit den Bergischen Museumsbahnen
Kohlfurther Brücke 57
42349 Wuppertal
Telefon: 02 02 / 47 02 51
www.bmb-wuppertal.de

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