STEINBRUCH EULENBERG

WO BÄREN "FLAGGE ZEIGEN"

Wildlebende Bären im Westerwald? Aber klar! Diese haben allerdings 16 Stummelfüße statt vier Tatzen und brummen können sie auch nicht. An Meister Petz erinnern sie nur als Larven, denn die Schmetterlingsraupen des "Russischen Bären" sind dicht pelzig behaart. Zu den erwachsenen Faltern passt ihr Alias "Spanische Flagge" viel besser – eine Anspielung auf die kontrastreich rot gefärbten Hinterflügel, die den tagaktiven Bärenspinner im Flug unübersehbar machen. Am Eulenberg, einem ehemaligen Basaltsteinbruch 15 Kilometer östlich von Bonn, fühlt sich der seltene Schmetterling noch wohl.

 
 
Der Eulenberg ist ein Refugium für viele Pflanzen und Tiere, die in der landwirtschaftlich geprägten Umgebung selten geworden sind. Er ist ja auch kein beliebiger Landschaftsausschnitt. Hier, zwischen Westerwald und Siebengebirge, gab es im Erdzeitalter des Tertiärs einen regen Vulkanismus: Magma drang durch die Erdkruste nach oben, blieb stecken und erstarrte zu Basalt. Jeder kennt die schwarzen, kantigen Säulen, die aussehen, als hätte jemand Unmengen von überdimensionalen steinernen Bleistiften dicht an dicht in die Erde gesteckt. Für den Bau von Straßen war das harte Gestein äußerst begehrt. Weil es bis tief in den Untergrund reichte, sprengte und brach man es heraus. Viele der ausgebeuteten Steinbrüche füllte man später mit Müll, Bauschutt oder Erdreich, die wenigsten überließ man sich selbst. So wie die "Felsruine" des Eulenbergs, der sich zu einer wahren Oase für gefährdete Pflanzen und Tiere entwickelte.

Ein Farn präsentiert seine Spitzendessous

 
 
Wegen seiner dunklen Farbe erwärmt sich der Basalt stärker als andere Gesteine – wer hier lebt, muss hohe Temperaturen vertragen können. Beispielsweise der mediterrane Milz- oder Schriftfarn. Wenn die Sonne den Fels und die bodennahe Luftschicht auf mehr als 50° C aufheizt, dreht der etwa handgroße Farn die hell beschuppte Unterseite seiner Blattwedel nach oben. Sie reflektiert die Strahlung und schützt ihn vor dem Hitzetod. Die Sonne kommt allerdings nicht überall hin. Die nach Norden ausgerichteten Hänge des Steinbruchs liegen fast immer im Schatten. Neben vielen Moosen siedeln dort Blütenpflanzen, die es eher kühl und schattig mögen, zum Beispiel die Bergflockenblume oder der Wasserdost. Seine rosa Blütenstände wirken auf Schmetterlinge wie ein Ausflugslokal auf durstige Wanderer.

 
 
Alles in allem präsentiert sich der Eulenberg als erstaunlich artenreiches Biotopmosaik. 245 Käferarten, 65 Moose und allein 40 bestandsgefährdete Schmetterlingsarten zählen Naturschutzexperten. Nach dem vorläufigen Ende des Steinbruchbetriebs machten sich auf einigen Brachflächen außerhalb des zentralen Trichters aber Landreitgras, Besenginster und Birken breit. Da sie die offenen Restflächen mehr und mehr vereinnahmen, wuchs der Wunsch, den Eulenberg für den Schutz der Natur zu sichern. Doch zwischen Idee und Wirklichkeit lag ein langes Tauziehen. Mal drohte die Umwidmung zu einer Deponie, mal die Wiederaufnahme des Abbaus.

Verjüngungskur mit schwerem Gerät

 
 
Mehr als ein Jahrzehnt wurde die Zukunft des Eulenbergs verhandelt, ohne dass sich eine Lösung abzeichnete. Als der Eigentümer in wirtschaftliche Schwierigkeiten geriet, stimmte er schließlich einem Verkauf zu. Die NRW-Stiftung stellte das Geld zur Verfügung, und im Jahr 2005 wechselten 17 Hektar Eulenberg ins Eigentum des Naturschutzbundes NABU Rhein-Sieg. Jetzt war es höchste Zeit für die schon lange geplante "Verjüngungskur". Verrostete Maschinen und diverser Wohlstandsmüll wurden abtransportiert. Die noch offenen Flächen auf den Außenhängen wurden weiter von Bäumen und Gestrüpp befreit. Ein Rundweg wurde freigestellt und eine gut sichtbare Absperrung installiert. Besucher können auf dem eigens ausgewiesenen Rundweg die Schönheiten der Natur auf eigene Gefahr bewundern. Aber Achtung: Beim Verlassen droht an den steilen Kraterabhängen Absturzgefahr! Auf einer Teilfläche entschlossen sich die Naturschützer des NABU und der Biologischen Station des Rhein-Sieg-Kreises zum Einsatz von schwerem Gerät: Im Winter wurden einige überwachsene Halden abgeschoben und mit einer Mischung aus Basaltschotter und magerem Lehm planiert. Sie lassen sich in Zukunft leichter mähen und können sich so zu blütenreichen Magerrasen entwickeln. Dann werden sich in den benachbarten Staudensäumen bald wieder die Russischen Bären tummeln. Auch an seltene Amphibien wie Geburtshelferkröten und Gelbbauchunken wurde gedacht. Der tiefe Steinbruchsee war für sie ungeeignet. Jetzt bekommen sie ihre eigenen Laichtümpel.


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Auf Antrag des NABU Rhein-Sieg kaufte die NRW-Stiftung den Steinbruch Eulenberg, der als Refugium für seltene Tiere und Pflanzen erhalten bleiben soll.

Googlemap aufrufenDer NABU Rhein-Sieg arbeitet bei der Pflege des Steinbruchs Eulenberg auch eng mit der Biologischen Station im Rhein-Sieg-Kreis zusammen. Eine enge Zusammenarbeit gibt es auch mit der Naturschule im Aggerbogen, die ein umfangreiches Programm rund um die Themen des Naturschutzes bietet.
www.nabu-rhein-sieg.de

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