BÄUME FÜR DIE RHEINAUE

SCHULAUSFLUG MIT SPATEN

Sie sorgen für mehr Bäume in der Rheinaue: Prof. Klaus Eick, Tristan Schlüter, Kerstin von Klein, Geschäftsführer Werner Schumann, Herbert Scholz, Klaus Kurtz und Beliz Adam (von links)
Sie sorgen für mehr Bäume in der Rheinaue: Prof. Klaus Eick, Tristan Schlüter, Kerstin von Klein, Geschäftsführer Werner Schumann, Herbert Scholz, Klaus Kurtz und Beliz Adam (von links)
Pflanzloch, Ballentuch, Gießrand ... – lauter Begriffe, die bei den Achtklässlern der Hulda-Pankok-Gesamtschule in Düsseldorf früher nur Achselzucken ausgelöst hätten. Doch inzwischen wissen sie, was dahintersteckt. Der "Förderverein Wald am Rhein" hatte sie eingeladen, in der Rheinaue Bäume zu pflanzen. Seit zehn Jahren wirbt die gemeinnützige Initiative erfolgreich für die Wiederherstellung von Auwaldinseln und bringt bei ihren Aktionen Jugendliche mit der Natur zusammen. Der Einsatz für eine intakte Umwelt wurde für alle zu einem besonderen Erlebnis.

"Wir haben Stieleichen in der Urdenbacher Kämpe gepflanzt ...", erinnert sich die 13-jährige Beliz Adam. Ihr Klassenkamerad Herbert Scholz (14) stellt klar: "Vier oder fünf Schüler haben sich jeweils um einen Baum gekümmert. Zuerst haben wir die Pflanzlöcher gegraben, so etwa zwei Spaten tief, dann haben wir unseren Baum geholt." Auch Tristan Schlüter (14) kann sich nach einem halben Jahr noch an alle Details erinnern: "Ein Gärtner hat uns gezeigt, wie die Wurzeln beschnitten werden müssen, damit der Baum gut angeht – ich wusste vorher überhaupt nicht, dass man das so machen muss. Und dann haben wir noch Drahtmanschetten um den Stammfuß gelegt, weil die Hasen sonst die Rinde durchknabbern." Für Tristan war die Aktion offenbar mehr als nur ein nettes Intermezzo im Schulalltag: "Ich bin seitdem schon fünfmal dort gewesen und habe nachgesehen, wie der Baum wächst." Der aufgeweckte Teenager hat es allerdings auch nicht so weit wie die anderen aus seiner Klasse. Er wohnt in Urdenbach, nur 15 Wegminuten von der Kämpe entfernt.

Kinder ohne Bezug zur Natur?

Die Schüler lernen alles, was zur erfolgreichen Pflanzung eines Baumes gehört: Vom Graben der Pflanzlöcher bis zum Beschneiden der Wurzeln.
Die Schüler lernen alles, was zur erfolgreichen Pflanzung eines Baumes gehört: Vom Graben der Pflanzlöcher bis zum Beschneiden der Wurzeln.
Klaus Kurtz, Lehrer an der Hulda-Pankok- Schule, begleitet die jugendlichen Baumpflanzer schon seit 1997. "Dass einer von den Schülern vorher schon mal einen Baum gepflanzt hat, ist die große Ausnahme." "Aber das haben ja auch viele Erwachsene nicht!", kontert Tristan. Lehrer Kurtz gibt ihm Recht: "Wenn es stimmt, dass Kinder den Bezug zur Natur immer mehr verlieren, dann sind Eltern und Schule gefordert. Den Jugendlichen kann man keinen Vorwurf machen. Im Gegenteil, die sind mit Eifer dabei." In puncto Umweltbildung muss Kurtz sich nicht verstecken. Seit vielen Jahren schon bietet er seinen Fünft- und Sechstklässlern eine Schulgarten-AG. Und seit 1997 haben sich fast 900 Schülerinnen und Schüler seiner "Anstalt" bei den Pflanzaktionen beteiligt. "Wir integrieren das Thema auch in den Lehrplan, sowohl im Fach Gesellschaftslehre als auch im Biologieunterricht. Die Jugendlichen lernen etwas über die Vegetation und die Tiere der Flussauen, erfahren, wie der Einfluss des Menschen die Auenlandschaft verändert hat, und sie informieren sich über vorbeugenden Hochwasserschutz."

Die umfangreichen Vorbereitungen der Pflanzaktionen bekommen die Schüler nur am Rande mit. Etwa ein Jahr vorher muss Lehrer Kurtz den Countdown starten. Die Terminabsprachen im Kollegium, mit den beteiligten Ämtern und den Helfern vom Grünflächenamt brauchen viel Vorlauf, obwohl er inzwischen Routinier ist.

Parklandschaft statt grüner Wand

Für ihr großes Engagement erhielt der "Förderverein Wald am Rhein" von der Stadt Düsseldorf den Umweltpreis des Jahres 2006.
Für ihr großes Engagement erhielt der "Förderverein Wald am Rhein" von der Stadt Düsseldorf den Umweltpreis des Jahres 2006.
Für Werner Schumann, den Geschäftsführer des "Fördervereins Wald am Rhein", gab es anfangs noch ein andere Hürde, nämlich alle notwendigen Genehmigungen zu bekommen. "Das Einverständnis der Grundeigentümer war das geringste Problem. Aber die Deichaufsicht und das Umweltamt taten sich anfangs etwas schwer. Nach dem Verständnis mancher Ingenieure ist ein Baum in der Aue in erster Linie ein unerwünschtes Abflusshindernis. Da mussten wir darlegen, dass die Gehölzgruppen vor dem Deich keine Gefahr für die Hochwassersicherheit darstellen."

Zusammen mit dem Vorsitzenden des Vereins, Prof. Klaus Eick, konnte Landschaftsarchitekt Schumann die Zweifler und Zauderer überzeugen. "Es gibt große, völlig ausgeräumte Flächen in der Rheinaue, die sehr artenarm geworden sind. Dort stellen locker verteilte "Gehölzinseln" eine ökologische Bereicherung dar, und auch der Erholungswert einer parkartigen Aue mit Baumgruppen ist viel höher als der einer gehölzfreien Flussmarsch." Schumann und Eick wissen, dass es andere Abschnitte der Rheinaue gibt, die auch künftig waldfrei bleiben sollten, zum Beispiel dort, wo seit Jahrhunderten buntblumige Auenwiesen gedeihen. "Niemand braucht Angst zu haben, dass der Rhein hinter einer grünen Wand verschwindet – bei der Auswahl geeigneter Flächen und der Zusammenstellung standortgerechter Gehölze holen wir immer den Rat der Biologischen Station Urdenbacher Kämpe ein."

Durch die Aktion soll das Naturverständnis der Schüler wachsen.
Durch die Aktion soll das Naturverständnis der Schüler wachsen.
Der "Förderverein Wald am Rhein" tut nicht nur Gutes, sondern redet auch darüber. Neuerdings sogar mit einer eigenen Ausstellung, in der die ökologischen Grundlagen, die Landschaftsgeschichte und die laufenden Aktionen dargestellt werden. Dort erfährt man, dass in den letzten Jahren außer der Düsseldorfer Rheinaue bei den Orten Lohausen, Hamm und Urdenbach auch der Hoxbach und der Brückerbach Ziele der Waldgründer waren. Viele hundert Bäume und Sträucher, von der Schwarzerle über diverse Weidenarten bis zum Pfaffenhütchen, brachten sie erfolgreich in den Boden. Im Verlauf der letzten zehn Jahre waren es nicht weniger als 2607 Pflanzen. So viel Engagement verdient Anerkennung. Das fand auch die Stadt Düsseldorf und verlieh dem Verein den Umweltpreis des Jahres 2006. Was mit den überreichten 1250 Euro geschehen soll, weiß der Vorstand schon genau: "Das Geld fließt in die nächste Pflanzaktion."
Wussten Sie schon ...

Wo seit Jahrhunderten buntblumige Auenwiesen gedeihen, sollen die Rheinauen auch künftig waldfrei bleiben. Anderswo steigern die "Gehölzinseln" jedoch den Erholungswert der Landschaft.
Wo seit Jahrhunderten buntblumige Auenwiesen gedeihen, sollen die Rheinauen auch künftig waldfrei bleiben. Anderswo steigern die "Gehölzinseln" jedoch den Erholungswert der Landschaft.
  • … dass Auenwälder von allen mitteleuropäischen Waldtypen die artenreichste Baumschicht besitzen? Neben den auentypischen Baumarten wie Schwarzerle, Esche, Flatter- und Feldulme, Schwarzpappel, Traubenkirsche und mehreren Weidenarten können dort auch Stieleichen, Bergund Feldahorne, Winterlinde und noch eine Reihe anderer Baumarten wachsen.
  • … dass Regenwürmer in den Auenböden auch wochenlange Überflutungen überstehen können? Dafür ziehen sie sich in blind endende, u-förmige Gänge zurück, die sie mit Schleim gegen eindringendes Wasser abdichten.
  • … dass der sogenannte Weichholzauenwald aus Silber- und Bruchweiden eine jährliche Überflutungsdauer von 180 Tagen verkraften kann? Damit hält er unter allen europäischen Waldtypen den Rekord in Sachen "Wasserfestigkeit".
  • … dass Silber- und Bruchweide auch gegenüber den mechanischen Belastungen von Hochwassern sehr unempfindlich sind? Ihre elastischen Zweige mit den schmalen Blättern bieten der Strömung kaum Widerstand. Brechen dennoch Äste ab, wachsen sie rasch nach. Genau diese Eigenschaften machen die Schmalblattweiden zu begehrten Lieferanten von Flechtruten.
  • … dass Lianen wie Waldrebe (Clematis) oder Hopfen, aber auch der Efeu in naturnahen Auenwäldern bis in die Baumkronen klettern können? Besonders an den belichteten Rändern bilden sie tropisch anmutende "Vorhänge".
  • … dass die Hartholzauenwälder, die einst in großer Ausdehnung die höher gelegenen Auenbereiche unserer großen Flüsse besiedelten, heute in ganz Nordrhein-Westfalen bis auf weniger als 200 Hektar geschrumpft und damit von der vollständigen Vernichtung bedroht sind?


Kommentare

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15.08.2015, solveig kukelies

Die Urdenbacher Kämpe ist zu jeder Jahreszeit immer wieder ein lohnenswertes Ziel in Stadtnähe, egal ob zu Fuß oder mit dem Fahrrad. Durch die Deichöffnung im Jahr 2014 hat sich wieder ein neuer interessanter Bereich ergeben, in dem sich die Natur jetzt im freien Lauf wieder selbst gestalten kann - wunderbar! Mein persönlicher Tipp ist eine September-Wanderung, wenn die Herbstzeitlosen die Wiesen in einen lila Teppich verwandeln. Man muss nur den richtigen Zeitpunkt erwischen!


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Die Nordrhein-Westfalen-Stiftung unterstützte eine Ausstellung des Fördervereins "Wald am Rhein", der damit über seine Arbeit informiert. Der Verein wurde 2006 mit dem Umweltpreis der Stadt Düsseldorf ausgezeichnet.

Förderverein Wald am Rhein,
c/o Werner Schumann,
Philipp-Reis-Straße 4,
40215 Düsseldorf,
Telefon (0211) 34 34 33

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