KLOSTER SAARN IN MÜLHEIM/RUHR

WO EINST DIE NONNEN MEUTERTEN

Der Park und das alte Kloster Saarn ergeben ein herrliches Ensemble, in dem sich Historie und Entspannung verbinden lassen.
Der Park und das alte Kloster Saarn ergeben ein herrliches Ensemble, in dem sich Historie und Entspannung verbinden lassen.
Knapp 800 Jahre Geschichte hat das Kloster Saarn auf dem Buckel. Genügend Zeit, um alle Höhen und Tiefen des geistlichen wie weltlichen Lebens ausgiebig zu durchwandern. Vom persönlichen Schutz durch den Papst zu verwilderten Sitten und meuternden Nonnen bis zur Umwandlung in eine Gewehrfabrik lassen sich über das 1214 als Aula Sanctae Mariae gegründete Kloster zahllose Geschichten erzählen.

Als erstes Nonnenkloster wurde es 1216 dem Zisterzienserorden zugeordnet und gewann rasch an Bekanntheit und Einfluss; nicht zuletzt dank potenter Förderer wie dem Kölner Erzbischof Engelbert Graf von Berg oder Papst Honorius III. Durchgängig papsttreu blieben die Nonnen jedoch nicht. Sie ließen sich von Luthers Lehren beeinflussen, was zu einem offenen Aufruhr in dem Kloster führte. Konnte sich die katholische Kirche in Saarn noch der Reformation erwehren, war sie gegen die napoleonischen Truppen und die Säkularisation machtlos: 1808 wurde das Kloster aufgelöst, die Gebäude wurden in den Folgejahren als Gewehr- und später als Tapetenfabrik genutzt.

Die Innenhöfe des Klosters entpuppen sich als wahre Kleinode.
Die Innenhöfe des Klosters entpuppen sich als wahre Kleinode.
Trotz all der Irrungen und Wirrungen ist das Kloster nahezu vollständig erhalten. Eine Seltenheit und somit ein Glücksfall für Historiker und Archäologen. Mit den Forschungen ging eine umfangreiche Restaurierung einher. Über mehrere Jahrzehnte wurden zunächst Kreuzgang und Kirche und schließlich die gesamte Anlage einschließlich des Klostergartens von Bausünden der jüngeren Vergangenheit befreit und die Schäden behoben. Mit dem Ergebnis, dass das Kloster, das 1936 von der Stadt Mülheim übernommen worden war, wieder voll nutzbar ist.

Originalgetreu wurden die alten Bauten restauriert und werden wieder genutzt.
Originalgetreu wurden die alten Bauten restauriert und werden wieder genutzt.
Auch geistliches Leben hat in der Folge wieder seinen Weg in die Klostermauern gefunden: Die prachtvolle Klosterkirche ist Pfarrkirche der Gemeinde St. Maria Himmelfahrt. In den umliegenden Klostergebäuden befinden sich zudem Pfarrbüro und Pfarrwohnung, sowie eine katholische Bücherei und das geistliche Zentrum "Senfkorn". In weiteren Teilen des weitläufigen Geländes sind Seniorenwohnungen sowie ein Bürgersaal und eine Cafeteria untergebracht. Für einen kulturellen Schwerpunkt sorgt zudem seit 1986 der "Freundeskreis Musik im Kloster Saarn" mit seinen Konzertreihen.

Besondere Beachtung verdient auch das kleine Klostermuseum, das der "Verein der Freunde und Förderer des Klosters Saarn" 1989 im oberen Kreuzgangarm eingerichtet hat. Von der mittelalterlichen Vase über Tafelgeschirr aus dem Barock bis zum Jahrhunderte alten Lederschuh sind hier Fundstücke ausgestellt, die bei den Ausgrabungen, der Restaurierung oder in dem alten Brunnen zum Vorschein gekommen sind. Auch ein Modell der Klosteranlage gehört zu den Ausstellungsstücken, die in Bruchteilen die bewegte Geschichte des Klosters erahnen lassen.


Kommentare

Sie haben dieses Projekt der NRW-Stiftung bereits besucht? Dann schreiben Sie uns, wie es Ihnen gefallen hat. Kommentar verfassen

16.09.2016, Franz Firla

CUNICULUM MONIALIS

Gab es in Mülheim-Saarn einen Nonnentunnel? Einen, durch den und in dem Nonnen und Mönche leibhaftig kommunizieren konnten? Warum sollen Röhren, wie mir mein Physiklehrer beizubringen versuchte, nur selbst kommunizieren und nicht auch der leidenden Menschheit die physische Möglichkeit dazu erschließen, warum also nicht in Gestalt eines weitläufigen Tunnels von Damen- zu Herrenkloster?
In den Veröffentlichungen über die Ausgrabungen unter dem Saarner Kloster berichtet man u [...] mehr


Bei der Einrichtung des kleinen Klostermuseums mit zahlreichen historischen Fundstücken 1989 wurde der Verein der Freunde und Förderer des Klosters Saarn von der NRW-Stiftung unterstützt. Ein Jahr später mussten im Vorlauf zur Neugestaltung des Hanggeländes im mittelalterlichen Klostergarten archäologische Untersuchungen durchgeführt werden, die ebenfalls mit Mitteln der NRW-Stiftung finanziert wurden.

Googlemap aufrufenKloster Saarn
Klosterstraße
45481 Mülheim an der Ruhr

Das Klostermuseum des "Vereins der Freunde und Förderer des Klosters Saarn" im nördlichen Kreuzgangarm ist sonntags von 11 bis 13 Uhr geöffnet. Führungen sind nach Anmeldung unter Telefon (0208) 489543 möglich.

Weitere Informationen unter www.muelheim-ruhr.de
und www.musik-im-kloster-saarn.de

Bookmark and Share