HUNING'SCHE WASSERMÜHLE

DIE RETTUNG DER LETZTEN WASSERMÜHLE IN VREDEN

In das Ensemble der Westmünsterländischen Hofanlage eingebettet, kommt die Huning’sche Wassermühle am Ufer der Berkel wieder voll zur Geltung.
In das Ensemble der Westmünsterländischen Hofanlage eingebettet, kommt die Huning’sche Wassermühle am Ufer der Berkel wieder voll zur Geltung.
Am rauschenden Bach, da klappert die Mühle ohne Unterlass – das weiß dank des Kinderliedes auch jeder, der noch nie eine Mühle gesehen hat. Wenn allerdings einer Wassermühle das Wasser abgegraben wird, dann verstummt das Klappern und die schönste Mühle steht unnütz da. Ein trauriges Schicksal, das der Huning’schen Wassermühle aus Vreden-Ammeloe beschieden war, als der Huningsbach 1978 im Zuge der Flurbereinigung verlegt wurde. Nach 167 Jahren stand die letzte Wassermühle in Vreden endgültig still. Bis sich der "Heimat- und Altertumsverein der Vredener Lande" der Mühle annahm, sie Stück für Stück abtrug und 1998 am Ufer der Berkel im Vredener Stadtpark wieder aufbaute.

Dort klappert die Mühle wieder an jedem Sonntag von April bis Oktober als Teil der historischen Westmünsterschen Hofanlage, die zum 200 Meter entfernten Hamaland-Museum gehört. Im größten kulturgeschichtlichen Museum im Westmünsterland ist die alte Wassermühle in guter Gesellschaft: Elf Gebäude umfasst die 1969 angelegte Hofanlage, unter anderem ein Bauernhaus von 1712, einen Fachwerkspeicher von 1783 und ein Backhaus von 1843, in dem an Aktionstagen noch nach alter Art und Weise Brot gebacken wird.

Die Eheleute Hermine und Johann Bernhard Huning hatten die Mühle 1811 an ihrem alten Standort errichtet. Die Gewerbefreiheit war gerade in Preußen eingeführt worden, jetzt durfte endlich jeder Privatmann eine Wassermühle betreiben. Vorausgesetzt, er hatte einen Gewerbeschein und zahlte den Mühlenzins. Das Einkommen sicherte der so genannte Mahlzwang, der jeder Mühle einen Einzugsbereich zumaß, innerhalb dessen alle Bürger gezwungen waren, ihr Korn zu dieser einen Mühle zu bringen. Von der Kraft des Wassers bewegt, trieb das vertikal gelagerte Mühlrad lange Jahre die vier Mahlsteine aus Eifeler Blaubasalt an, die in den beiden Mahlgängen auf dem mittleren Boden des Gebäudes lagen. Etwa um 1900 wurde der Antrieb durch eine Turbine ersetzt, die eine effektivere Energieausnutzung bot.

Bis nach dem Zweiten Weltkrieg zerkleinerte die Mühle unermüdlich Korn. Danach verfiel das Fachwerkgebäude zusehends, wurde nur noch als Abstellraum für Gerümpel genutzt. Frost beschädigte das Mauerwerk, der Regen griff die Balken an. Als der Huningsbach schließlich verlegt wurde, war die Mühle durch die Absenkung des Grundwassers ernsthaft gefährdet. Der Heimat- und Altertumsverein entschloss sich 1991 zu handeln. Mit Unterstützung der NRW-Stiftung wurde die Mühle zunächst abgetragen und eingelagert, um sie vor dem endgültigen Verfall zu retten. Als die nötigen finanziellen Mittel bereitstanden, baute der Verein das Schmuckstück im Vredener Stadtpark wieder auf und machte sie erneut funktionstüchtig. Und dort klappert sie noch heute.


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Bevor die Wassermühle im Stadtpark von Vreden die Westmünsterländische Hofanlage komplettieren konnte, wurde sie an ihrem alten Standort abgetragen und zwischenzeitlich eingelagert. Für diesen Abschnitt steuerte die NRW-Stiftung die erforderlichen Finanzmittel bei.

Huning’sche Wassermühle im Hamaland-Museum
Butenwall 4
48691 Vreden
www.hamaland-museum.de

Öffnungszeiten:
Das Hamaland-Museum ist dienstags bis sonntags von 10-17 Uhr geöffnet. Die Westmünsterländische Hofanlage findet sich im Stadtpark von Vreden, direkt am Ufer der Berkel gelegen. Sie besteht aus elf Gebäuden. Allesamt sind sie Originalobjekte, die aus verschiedenen Orten im Kreis Borken hierher versetzt wurden. Die von April bis einschließlich Oktober geöffnete Hofanlage bildet heute einen Teil des 200 Meter entfernten Hamaland-Museums Vreden/Kreismuseum Borken. Die Mühle ist meist sonntags und feiertags von 14.30-17 Uhr in Betrieb, außerdem an den Heimattagen, Denkmaltagen und Hamalandtagen von 10 bis 17 Uhr.

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