"ELENDSKIRCHE" ST. GREGORIUS IM ELEND

EINE KIRCHE FÜR DIE FREMDEN

Die Elendskirche ist eine der seltenen Kirchen des Spätbarock in Köln und die einzige im Besitz einer Familienstiftung.
Die Elendskirche ist eine der seltenen Kirchen des Spätbarock in Köln und die einzige im Besitz einer Familienstiftung.
Mitten in Köln, am Nordrand des alterwürdigen Severinsviertels, steht ein architektonisches Kleinod, das gleich zweifach eine Besonderheit darstellt: Die "Elendskirche" ist nicht nur eine der wenigen noch erhaltenen spätbarocken Kirchen in Köln, sie ist zudem die einzige, die sich im Besitz einer Familienstiftung befindet. Die Familie von Groote, die im 16. Jahrhundert aus den Niederlanden nach Köln geflüchtet war, hatte die Kirche St. Gregorius im Elend, wie der vollständige Name lautet, zum Gedächtnis der "Elenden" errichtet. Wo die Kirche steht, befand sich früher der Friedhof, auf dem die Heimatlosen, Ketzer und Armen, die nicht auf den katholischen Pfarrfriedhöfen bestattet werden konnten, ihre letzte Ruhe fanden.

Als Religionsflüchtlinge waren die Vorfahren der Stifterfamilie von Groote völlig mittellos nach Köln gekommen. In kurzer Zeit hatten sie sich in ihrer neuen Heimat wirtschaftlichen Erfolg und hohes Ansehen erarbeitet. Als Dank für ihren Erfolg engagierte sich die Familie fortan für ihr soziales Umfeld. Der "ellendigen kirchoeve" lag den von Grootes dabei besonders am Herzen: Notdürftig wurden die so genannten Elendigen hier verscharrt. Dieser Zustand widersprach dem Menschenverständnis des Stifters. Er ließ darum die Gebeine der Elendigen ordnungsgemäß begraben und die dem heiligen Gregor gewidmete Elendskirche auf dem Friedhof errichten.

Der einschiffig gewölbte Dachsteinbau mit zierlichem Dachreiter wurde in den Jahren 1764 bis 1771 im Auftrag der Brüder Kanonikus Everhard de Groote und Bürgermeister Franz Jakob Gabriel de Groote durch Heinrich Nikolaus Krakamp errichtet. Der Entwurf stammte von Balthasar Spaeth. Die Elendskirche ist ein sehr schönes Beispiel des späten rheinischen Barock. Ein Stil, der in Köln bei Sakralbauten nur selten vertreten ist. Besonders der mit reichen skulpturalen Elementen verzierte Außenbau ist im heutigen Kölner Stadtbild ohne Parallele.

Am Detail über dem Eingang zeigt sich deutlich, dass die Kapelle einst für die Verstorbenen errichtet wurde.
Am Detail über dem Eingang zeigt sich deutlich, dass die Kapelle einst für die Verstorbenen errichtet wurde.
Den Zweiten Weltkrieg überstand die Elendskirche schwer beschädigt: In einem verheerenden Bombenangriff am 29. Juni 1943 fielen der Dachstuhl und Teile der Inneneinrichtung den Flammen zum Opfer. Unter großen Anstrengungen der damaligen Provisoren der Stiftung wurde die Kirche weitgehend mit Mitteln des Erzbistums, des Landes- und des Stadtkonservators wieder aufgebaut und restauriert, so dass sie am 12. März 1967 erneut geweiht werden konnte. Auch nach dem Wiederaufbau knüpfte die Familienstiftung Von Groote wieder an die ursprüngliche Stifteridee an, die Kirche denjenigen zur Verfügung zu stellen, die fremd sind in Köln. Sie machte die Kirche erneut zur Heimstatt für Ausländer und Minderheiten: Die Seitenaltäre wurden den ungarischen und polnischen Flüchtlingen geweiht; Spanier, Tschechen und eine kleine Gemeinschaft konservativer Katholiken hielten regelmäßig ihre Gottesdienste ab.

Der Zahn der Zeit nagte jedoch weiter an dem barocken Gebäude. In den 90er Jahren war die Kirche dringend restaurierungsbedürftig. Eine erste Sicherungsmaßnahme konnte 1993 durchgeführt werden, die die Familienstiftung zu großen Teilen aus eigenen Mitteln finanzierte. Als für die notwendige, grundlegende Restaurierung die erforderlichen Eigenmittel fehlten, unterstützte die NRW Stiftung das Vorhaben finanziell. Um die alltägliche Versorgung der Kirche und die Instandhaltung des Hofes kümmern sich die Nonnen des Schwesternheimes, das im Schönstatthaus, dem ehemaligen Wohnhaus der Familie von Groote, untergebracht ist. Allerdings sei schon wieder ein neuer Anstrich nötig, sagt eine der Schwestern, und es sei fraglich, ob Bistum oder Familienstiftung das nötige Geld bereitstellen könnten.


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Starke Witterungsschäden aus den letzten Jahrzehnten machten eine Restaurierung der Außenfassade der von Groote’schen Familienkirche St. Gregorius im Elend dringend erforderlich. Gemeinsam mit dem Erzbistum Köln und dem Land Nordrhein-Westfalen half die NRW-Stiftung bei diesem Vorhaben.

St. Gregorius im Elend
An St. Katharinen
50678 Köln

(Das Gebäude ist unregelmäßig zugänglich. Öffnungszeiten können hier nicht angegeben werden.)

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