KORN-BRENNEREI-MUSEUM SAERBECK

VOM KORN ZUM KORN - ALKOHOL AUS GETREIDE

Als Zeugnis vergangener Tage steht mitten im Ortskern des münsterländischen Saerbeck ein altes Haus. Der hohe Schornstein auf dem landwirtschaftlichen Betrieb verrät: Hier gab es einmal mehr zu kaufen als nur Fleisch und Milch. Über 150 Jahre lang wurde in der landwirtschaftlichen Korn-Brennerei Dalmöller-Niehaus auch Hochprozentiges hergestellt. Als die Brennerei 1976 endgültig schloss, blieb ein außergewöhnliches Dokument dörflicher Wirtschaftsgeschichte zurück.

Zur Produktion von Branntwein eignet sich Getreide besonders gut: Aus 100 Kilogramm Körnern lassen sich 35 bis 38 Liter Alkohol gewinnen. Und der nach dem Destillieren zurückbleibende Getreidebrei, die Schlempe, gibt ein natürlich alkoholfreies, hochwertiges und eiweißreiches Viehfutter. Daher entstanden im 19. Jahrhundert zahlreiche landwirtschaftliche Korn-Brennereien.

In Saerbeck nahm Ferdinand Kaspar Dalmöller im Jahr 1812 seine Destillieranlage in Betrieb. Bis zur Schließung wurde sie als Nebengewerbe des Bauernhofs geführt – als eine von zeitweise drei Brennereien im Dorf.

In einem komplizierten Prozess wurde aus den festen Körnern dort ein "geistiges Getränk". Zunächst musste das Getreide gekocht und die Stärke unter Dampfdruck und Hitze aufgeschlossen werden. Im Maischbottich wandelte das zugesetzte Malz die Getreidestärke dann in Zucker um, der mit Hilfe von Hefe zu Alkohol vergoren wurde. Die nachfolgende Destillation, das "Brennen" der Maische, trennte den Alkohol aus der zurückbleibenden Schlempe. Der verdampfende Rohbrand wurde aufgefangen, noch ein zweites Mal destilliert und dann auf Trinkstärke verdünnt als Branntwein gehandelt.

Die gesamte technische Ausstattung in der ehemaligen Korn-Brennerei Dalmöller-Niehaus ist so gut erhalten, dass auch heute noch jeder einzelne Arbeitsgang des Gewerbes nachvollziehbar ist. Zudem gibt die direkte Nachbarschaft zum Wohnhaus der ehemaligen landwirtschaftlichen Hofanlage Niehaus wertvolle Aufschlüsse über die Lebensverhältnisse in einem Kleinbetrieb gegen Ende des 19. Jahrhunderts. Der Heimatverein Saerbeck hat die historischen Gebäude behutsam restauriert und in das 1998 eröffnete Brennerei-Museum verwandelt. Es ist das einzige vollständig erhaltene Zeugnis einer Tradition, die in Saerbeck - wie fast überall im Land - gepflegt wurde.


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Der Eintritt ist generell frei.

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Der Heimatverein Saerbeck erkannte die Bedeutung von Brennerei und Hofanlage und erwarb sie 1993 mit finanzieller Unterstützung der NRW-Stiftung. Von 1994 an restaurierte der Verein das Gebäude, 1998 wurde es als Museum wieder eröffnet.

Googlemap aufrufenKorn-Brennerei-Museum
Grevener Straße 8
48369 Saerbeck
Telefon: 0 25 74 / 8 95 03 oder 98 30 98
www.heimatverein-saerbeck.de

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