APOTHEKEN-MUSEUM BAD MÜNSTEREIFEL

IMMER DER NASE NACH

Das Museum liegt mitten im historischen Stadtkern Bad Münstereifels.
Das Museum liegt mitten im historischen Stadtkern Bad Münstereifels.
Ein schwebendes Krokodil über der Ladentheke, ein Giftschrank, allerhand duftende "Drogen" und ein nach streng gehütetem Geheimrezept gemischtes Gebräu – diese und weitere Kuriositäten erwarten die Besucher des Apothekenmuseums in Bad Münstereifel. Auf den Regalböden liegen historische Schätze: Alte Fläschchen, Tiegel und Gerätschaften buhlen um die Aufmerksamkeit der Gäste. Mutige schnüffeln sich in der "Riechstraße" an allem entlang, was der Lehrkasten des Apothekers hergibt. Nicht alles, was heilt, ist jedoch auch eine Wohltat für empfindliche Geruchsorgane: Wer seine Nase zu tief in Teufelsdreck oder Radix Valerianae, der Baldrianwurzel, gesteckt hat, dem hilft vielleicht nur noch ein kräftiger Schluck vom hauseigenen Stephinsky-Magenbitter.

Unzählige Pillen und Tinkturen wanderten in 188 Jahren über die Ladentheke.
Unzählige Pillen und Tinkturen wanderten in 188 Jahren über die Ladentheke.
Fast zwei Jahrhunderte lang haben sich die Menschen in der Schwanen-Apotheke Pillen und Mittelchen gegen Leiden und Gebrechen geholt. Im August 1994 hat die Familie, in deren Besitz sich die Apotheke bereits seit sieben Generationen befindet, ihr Geschäft verlegt. Der Förderkreis für Denkmalpflege der Stadt Bad Münstereifel e.V. hat daraufhin das malerisch an der Erft gelegene Gebäude erworben, restauriert und im Sommer 1997 als Museum eröffnet.

Die Originaleinrichtung der Offizin, des Arbeits- und Verkaufsraums, ist noch fast vollständig erhalten. In Apothekerschränken mit unzähligen Schubladen verbergen sich historische Arzneimittelpackungen, deren Inhalt beispielsweise gegen Kopfschmerzen und bei Insektenbissen helfen sollte. Ein echter Hingucker ist das ausgestopfte Krokodil über der Ladentheke: ein Relikt aus der Zeit der Alchimistenküchen.

Die alte Waage wog auf den Bruchteil eines Gramms genau.
Die alte Waage wog auf den Bruchteil eines Gramms genau.
Neben einem Laborofen aus dem 19. Jahrhundert erinnern historische Gerätschaften an eine Zeit, als Apotheker nicht nur chemisches Wissen besaßen, sondern auch Pillendreher und Tinkturenbrauer waren: Zäpfchenpresse, Gefäße zur Aufbewahrung von Blutegeln oder Gießformen für Höllensteinstifte zum Wegbrennen von Warzen – all das ist nichts für schwache Nerven. Weniger schauerlich sind da der Maulaffe, ein Glasgefäß mit großer Einfüllöffnung oder der Pillenvergolder. Mit ihm ließen sich die Kügelchen so beschichten, dass sie nicht aneinander klebten. Der Bibliotheksraum beherbergt einige kostbare und seltene Bücher, beispielsweise die "Armen-Apothecke" von 1730 mit Pest-Tabelle und Hinweisen zur Zusammenstellung einer Reiseapotheke.

Hübsch anzusehen: getrocknete Blätter und Blüten der Heilkräuter
Hübsch anzusehen: getrocknete Blätter und Blüten der Heilkräuter
Entlang der "Riechstraße", die durch das ehemalige Materiallager im Obergeschoss führt, stellen Schlafmohn, spanische Fliege und Kurkuma eine Herausforderung an die Riechnerven der Besucher. Jede dieser "Drogen" ist auf den Schüben der Regalwand abgebildet und in ihrer medizinischen Anwendung beschrieben. Viele der regionalen Heilpflanzen wachsen im hauseigenen Kräutergarten. Aus dem hätte sich sicher auch Franz Maria Ferdinand Stephinsky gern bedient. Der geschäftstüchtige Apotheker braute 1859 aus 27 Zutaten einen Magenbitter, der heute noch nach seinem geheimen Rezept produziert wird und weit über die Grenzen Bad Münstereifels hinaus bekannt ist. Stephinsky sorgte schon damals fürs Marketing: "Willst Du im Alter Dich als Jüngling regen, musst Du den Magen mit Stephinsky pflegen." Er selbst erreichte übrigens das stolze Alter von 94 Jahren. Ob das allein seinem Gesundheitsbitter zu verdanken ist, darf jedoch bezweifelt werden.


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Für Mitglieder des Fördervereins ist der Eintritt frei.

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Der Förderkreis für Denkmalpflege der Stadt Bad Münstereifel e.V. hat sich den Erhalt der Schwanen-Apotheke zur Aufgabe gemacht – eine Initiative, die von der NRW-Stiftung finanziell unterstützt wurde.

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Werther Straße 13-15
53902 Bad Münstereifel
Telefon: 0 22 53 / 76 31
www.bad-muenstereifel.de

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