NATURSCHUTZGEBIET SALZBRINK IM KREIS SOEST

SELLERIE IN SALZLAKE

Die Strand-Aster ist in den Wattwiesen an der Küste eine verbreitete Art. Im Binnenland dagegen war sie schon immer eine große Seltenheit. Heute ist sie hier stark gefährdet.<br />
<small>Bild: wildlife-media.at</small>
Die Strand-Aster ist in den Wattwiesen an der Küste eine verbreitete Art. Im Binnenland dagegen war sie schon immer eine große Seltenheit. Heute ist sie hier stark gefährdet.
Bild: wildlife-media.at
Nein, ein Kochrezept für Küchengemüse werden wir nicht empfehlen, eher schon ein Rezept zur Rettung verschollener Wildpflanzen. Denn hier geht es nicht um die hochgezüchtete Knollensellerie vom Gemüsehändler, sondern um deren Wildform, einen extrem selten gewordenen heimischen Doldenblütler. In Nordrhein-Westfalen ist er in mehreren Regionen ausgestorben und gedeiht landesweit nur noch in ganz wenigen Feuchtwiesen. Zu den verwaisten Wuchsorten gehörte auch das Naturschutz-gebiet Salzbrink bei Soest, wo wilde Sellerie seit drei Jahrzehnten nicht mehr gefunden worden war. Dank eines mutigen Eingriffs, der Nachahmung verdient, ist er dort jetzt wieder aufgetaucht.

Die oder der wilde Sellerie – beides ist sprachlich richtig – war nie häufig, denn die Art ist nur dort konkurrenzfähig, wo der Boden von salzhaltigem Quell oder Grundwasser durchtränkt wird. Von solchen natürlichen Sole-Austritten gab es früher entlang der Hellwegbörde eine ganze Reihe. Im Untergrund vermischt sich das Grundwasser aus kreidezeitlichen Salzstöcken mit dem in den angrenzenden Kalkgebieten versickerten Karstwasser und drückt am Südrand der westfälischen Bucht an die Oberfläche – so beispielsweise in Unna, Werl und Salzkotten. Schon seit Urzeiten nutzte man das "weiße Gold" zum Konservieren von Lebensmitteln, zum Kochen und für Heilzwecke.

SEGEN UND FLUCH DER SOLE

<small>Bild: Bernd Margenburg</small>
Bild: Bernd Margenburg
Die Nachfrage nach dem begehrten Salz begründete den Wohlstand der Salinenstädte und machte die Sälzer zu privilegierten Handelspartnern. Noch Mitte des 19. Jahrhunderts bezogen rund drei Millionen Menschen ihr Kochsalz aus westfälischen Salinen. Die frühe und intensive Nutzung hatte allerdings zur Folge, dass salzhaltige Quellen schon früh gefasst und von Siedlungen umbaut wurden. Die wenigen Sole-Austritte, die in der freien Landschaft übrig geblieben waren, litten unter den Praktiken der modernen Landwirtschaft. Mit dem Drainieren und Düngen oder der Nutzungsaufgabe der letzten Binnenland-Salzwiesen gerieten konkurrenzschwache Pflanzen wie Salzbunge, Strand-Aster, Sellerie und Meerbinse an den Rand des Erlöschens. Auch bei Schwefe unweit Soest verschwand in den 1980er-Jahren eine der wenigen verbliebenen Salzstellen mit ihrer seltenen Flora: Ausgerechnet einen Sumpf neben dem kleinen Salzbach hatte man als Deponiefläche für mehr als 1.000 Tonnen Bauschutt aus der Soester Innenstadt ausersehen.

ERFOLGREICHE WIEDERBELEBUNG

Das Salz zum Konservieren von Fischen ...
Das Salz zum Konservieren von Fischen ...
Die wertvolle Salzvegetation schien unwiederbringlich verloren. Doch in der Ökologie sind Beispiele bekannt, dass Pflanzensamen im Untergrund viele Jahrzehnte ihre Keimfähigkeit behalten können. Legt man den ursprünglichen Bodenhorizont wieder frei, können Licht und Sauerstoff die dort noch vorhandenen schlafenden Samen wecken.
... wurde früher durch Eindampfen von Salzwasser mit Pfannen gewonnen.
... wurde früher durch Eindampfen von Salzwasser mit Pfannen gewonnen.
Vielleicht, so lautete die Prognose, würden nach einer solchen Kur auch Sellerie und Meerbinse wieder erwachen. Die vage Hoffnung erwies sich als berechtigt. Nachdem der Schutt abgefahren war, tauchten schon ein halbes Jahr später die ersten Vertreter der Salzflora wieder auf, und im dritten Jahr keimte auch die Sellerie. "Ich hab erst meinen Augen nicht getraut, als ich die typischen Fiederblättchen entdeckt hab", erinnert sich Hans Jürgen Geyer begeistert. Der engagierte Naturschützer kannte den Oberlauf des kleinen Salzbachs noch von früher. Als Vertreter der Arbeitsgemeinschaft Biologischer Umweltschutz im Kreis Soest setzte er sich schon lange für die Renaturierung der Solequelle ein. "Vielleicht können wir bald auch die Pflege der Feuchtwiese südlich der Bahntrasse in Angriff nehmen, weil da die Beweidung mit Rindern schwierig wäre." Tatsächlich ist eine schonende Bewirtschaftung mit Huftieren für die Salzpflanzen förderlich. Rinder halten nämlich die Stauden und Gräser kurz, die den Salzpflanzen sonst Licht und Nährstoffe nehmen würden. Und die Trittspuren im sumpfigen Boden sind optimale "Anzuchttöpfe" für ihre lichthungrigen Keimlinge.

DER COUNTDOWN LÄUFT

Das Beispiel macht Mut. Vergleichbare Sündenfälle wie die ehemals verschüttete Quelle am Salzbrink gibt es leider mehr als genug im Land. Für so seltene und schutzwürdige Lebensgemeinschaften wie die der Solequellen, aber auch zum Beispiel für manche Kalksümpfe oder Heideweiher ist der Countdown noch nicht abgelaufen. Für sie würde es lohnen, die Uhr zurückzudrehen und die untergegangenen Schätze zu heben. Dabei ist keine Zeit zu verlieren, der Prozentsatz noch keimfähiger Samen nimmt von Jahr zu Jahr ab. Doch ist die alte Bodenschicht erst einmal wieder freigelegt, ist Geduld gefragt, denn die Natur sorgt selbst am besten für die Wiederbesiedlung mit der richtigen Artenkombination.
Wilde Tauben zeigten das Salz

So nass ist es bei der Solequelle im Salzbrink nur nach voraus-gegangenen Niederschlägen. <br />
<small>Bild: Bernd Margenburg</small>
So nass ist es bei der Solequelle im Salzbrink nur nach voraus-gegangenen Niederschlägen.
Bild: Bernd Margenburg
Im Jahr 1856 schrieb Bergrath August Huyssen über die Quelle im Salzbrink: "Westlich des vormaligen Klosters Paradies und nördlich des Dorfes Ampen entspringt ein kleiner Bach, welcher oberhalb Schwefe bei der Schwefer- oder Bockmühle in den Amper Bach einmündet und den Namen "Salzbach" führt. […] Die ganze Vegetation hat dort den Charakter, wie ihn die Anwesenheit des salzigen Wassers hervorzurufen pflegt, dabei finden sich überall ockrige und kalkige Absätze über dem Moorgrund, und man hat seit Menschengedenken bemerkt, dass die wilden Tauben sich zahlreich dort niederlassen …

Stand der Angaben: Stiftungsmagazin 2014/2


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Rund fünf Hektar Land konnte die NRW-Stiftung am "Salzbrink Paradiese" erwerben. Die Anregung dazu lieferte die Arbeitsgemeinschaft Biologischer
Umweltschutz im Kreis Soest e. V. (ABU), die das Gebiet heute betreut und für Zwecke des Naturschutzes entwickelt. www.abu-naturschutz.de, http://www.nrw-stiftung.de

Googlemap aufrufenDer "Salzbrink" liegt in unmittelbarer Nachbarschaft des ehemaligen Klosters Paradiese vor den Toren der Stadt Soest.

Weiterführende Informationen:
Arbeitsgemeinschaft Biologischer Umweltschutz
Teichstraße 19
59505 Bad Sassendorf
Tel.: 02 92 1/52 83 0
Web: www.abu-naturschutz.de
E-Mail: abu@abu-naturschutz.de

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