FRÜHMITTELALTERLICHES LANGHAUS IN OERLINGHAUSEN

AUF DEM WEG DURCH DIE JAHRTAUSENDE

Das Archäologische Freilichtmuseum Oerlinghausen lässt die Vergangenheit wieder erwachen.
Das Archäologische Freilichtmuseum Oerlinghausen lässt die Vergangenheit wieder erwachen.
Schon vor über zweihundert Jahren wurde Oerlinghausen wegen seiner "frischen Bergluft" und der herrlichen "Schweizeraussicht" gerühmt. Nun sind die Höhenzüge in der Bergstadt am Teutoburger Wald zwar nicht annähernd so hoch wie in der Schweiz, sie bieten aber viele reizvolle Blicke in die Ferne. Fernsichten ganz anderer Art gibt es hingegen im Archäologischen Freilichtmuseum von Oerlinghausen: Hier ruht das Auge des Betrachters auf fernen Vergangenheiten.


Am Gehege der "Düppeler Weideschweine" wird Geschichte lebendig.
Am Gehege der "Düppeler Weideschweine" wird Geschichte lebendig.
Nicht weniger als 12.000 Jahre Geschichte hat das Museum auf rund anderthalb Hektar Fläche versammelt. Ein spannender Rund gang führt die Besucher zu Zeltbehausungen eiszeitlicher Rentierjäger, zu Birkenrindenhütten aus der Mittelsteinzeit oder zu vor- und frühgeschichtlichen Hallenhäusern. Spätestens am Gehege der "Düppeler Weideschweine" wird die Geschichte sogar buchstäblich lebendig. Das Borstenvieh hat durch Rückzüchtung das Aussehen alter Hausschweinrassen bewahrt, die man früher bevorzugt im Wald wühlen und weiden ließ - gelegentliche Seitensprünge mit Wildschweinen waren offenbar einkalkuliert und sorgten für besonders robusten Ferkelnachwuchs.

25 Meter Mittelalter

Das rekonstruierte frühmittel- alterliche Hallenhaus gibt Einblicke in das Leben vor 1.300 Jahren. Es dient dem Museum aber auch als Veranstaltungsraum. Anders als beim Vorgängerbau ist das Dach mit Schindeln statt mit Schilf gedeckt.
Das rekonstruierte frühmittel- alterliche Hallenhaus gibt Einblicke in das Leben vor 1.300 Jahren. Es dient dem Museum aber auch als Veranstaltungsraum. Anders als beim Vorgängerbau ist das Dach mit Schindeln statt mit Schilf gedeckt.
Höhepunkt eines Museumsbesuches ist die eindrucksvolle Rekonstruktion eines frühmittelalterlichen Siedlungsplatzes aus dem 7. Jahrhundert. Das Gebäudeensemble mitsamt einer voll funktionsfähigen Schmiede wird von einem 25 Meter langen Hallenhaus mit großem Buckeldach beherrscht. Archäologische Spuren solcher Häuser, die zum Wohnen und zugleich wohl auch als Ställe dienten, hat man in Westfalen schon mehrfach entdeckt. Sie waren übrigens keineswegs für die Ewigkeit gebaut, denn nach 20 bis 30 Jahren wurden ihre in den Boden eingelassenen Holzpfosten hoffnungslos morsch. Woraus folgt: Je authentischer ein heutiger Nachbau, desto gewisser fällt auch er innerhalb dieses Zeitraums dem Zahn der Zeit zum Opfer.

Das Museum präsentiert nicht nur Geschichte, es hat auch Geschichte. Problematisch waren seine Anfänge, wurde es doch 1936 als "Germanengehöft" eröffnet - in einer Zeit, als die Nazis germanische Geschichte hemmungslos für ihre rassistische Propaganda missbrauchten. Heute wendet sich das Museum mit modernen Konzepten umso engagierter gegen alle ideologischen Geschichtsverzerrungen. Als Mitglied im europäischen Netzwerk "Exarc" gehört es einer internationalen Organisation archäologischer Freilichtmuseen an, die für fachliche Qualitätsstandards steht. Das Initiativtreffen zur Gründung von Exarc fand 2001 übrigens in Oerlinghausen statt.

Stand der Angaben: Magazin der NRW-Stiftung 2/2009


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Die NRW-Stiftung unterstützte die aufwändige Rekonstruktion eines 25 Meter langen Hallenhauses im Archäologischen Freilichtmuseum Oerlinghausen.

Googlemap aufrufenArchäologisches Freilichtmuseum Oerlinghausen
Am Barkhauser Berg 2-6
33813 Oerlinghausen
Telefon: 0 52 02 / 22 20
www.afm-oerlinghausen.de

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