SCHLOSS CORVEY

SEIT JUNI 2014 WELTKULTURERBE

Imposant: der Kreuzgang mit dem romanischen Triumphkreuz.
Imposant: der Kreuzgang mit dem romanischen Triumphkreuz.
Weithin sichtbar ragen die mächtigen Türme des karolingischen Westwerks über der Weser empor. Sie gehören zur ehemaligen Reichsabtei, die in unmittelbarer Nachbarschaft der Stadt Höxter idyllisch am Weserbogen liegt. Das barocke Schloss verbindet noch heute das Klösterliche mit dem Weltlichen, und es gilt als beliebtes Ausflugsziel und kultureller Mittelpunkt der Region. Für die Zukunft des prächtigen Bauwerks haben die "Corveyer" noch viel vor: Die bedeutende Anlage mit ihrer 1.200-jährigen Geschichte bewirbt sich um die Aufnahme in das Weltkulturerbe der UNESCO.

Ludwig der Fromme, Sohn Karls des Großen, gründete das Kloster 822. Er schenkte der neuen Abtei auch die "villa huxori", aus der die heutige Kreisstadt Höxter geworden ist. Durch die strategisch günstige Lage am Hellweg, der das Rheinland mit den Ostgebieten verband, entwickelte sich Corvey im 9. und 10. Jahrhundert zu einem bedeutenden wirtschaftlichen und geistigen Zentrum Nordeuropas: Von hier aus begann zum Beispiel die Christianisierung bis ins ferne Skandinavien. Noch heute spiegelt das in ganz Europa einmalige Westwerk aus dem 9. Jahrhundert Glanz und Macht der damaligen Zeit wieder.

Eine Kunstausstellung in den alten Gemäuern des Schlosses.
Eine Kunstausstellung in den alten Gemäuern des Schlosses.
Corvey kann ohne Zweifel mit vielen Glanzpunkten aufwarten. Dazu gehören beispielsweise das frühmittelalterliche Westwerk mit den ältesten Fresken in Westfalen, die barocke Abteikirche, der prunkvolle barocke Kaisersaal mit den Porträts von 20 deutschen Kaisern, der imposante Kreuzgang mit dem romanischen Triumphkreuz, der älteste nachreformatorische Reliquienschrein Westfalens (Hl. Vitus) oder die barocke Anlage mit ihrer 112 Meter langen Fassade der ehemaligen Konventsgebäude des Klosters, aber auch die erstklassigen Wechselausstellungen und die Corveyer Musikwochen, zu denen jährlich namhafte Künstler der Klassik anreisen.

Von Fallersleben leitete die fürstliche Bibliothek

Zu den Glanzlichtern gehört sicher auch die Privatbibliothek der Fürstlichen Familie von Ratibor mit mehr als 74.000 Bänden. Kein Geringerer als August Heinrich Hoffmann von Fallersleben, der Dichter des Deutschlandliedes, war von 1860 bis 1874 Bibliothekar in Corvey. Unermüdlich sammelte er für das Herzogliche Haus Pracht- und Ansichtsbände über ferne Gegenden. Begraben ist der Sprachforscher und Liederdichter, der die letzten Jahre seines Lebens im Schloss Corvey verbrachte, auf dem angrenzenden Friedhof neben der Abteikirche. Heute wird die Fürstliche Bibliothek von Dr. Günter Tiggesbäumker von der Universität Paderborn betreut, der mit immer neuen Ausstellungsideen die prunkvolle Buchkultur einer vergangenen Zeit den Besuchern des Schlosses näher bringen möchte.

Prunkvoll: der barocke Kaisersaal mit Porträts von 20 deutschen Kaisern.
Prunkvoll: der barocke Kaisersaal mit Porträts von 20 deutschen Kaisern.
Wer es ein bisschen heimatgeschichtlicher mag, kann im oberen Stockwerk die Ausstellung zur Nachbarstadt Höxter besichtigen. Die ostwestfälische Kreisstadt gilt als eine der archäologisch besterforschten Städte Deutschlands. In der Ausstellung erfährt man sogar so bemerkenswerte Details wie die Gepflogenheiten bei der Zahnpflege im Mittelalter, die direkt auf dem Marktplatz stattfand. Rund 70.000 Besucher aus ganz Deutschland, den benachbarten Beneluxstaaten und Frankreich besuchen jedes Jahr die Schloss- und Klosteranlage und lassen sich vom Charme der Umgebung verzaubern. Doch Corvey will sich nicht auf seinen Lorbeeren ausruhen, sondern greift nach den Sternen.
1.200 Jahre Geschichte an der Weser

Kaiser Ludwig der Fromme, der Sohn Karls des Großen, erwarb 822 die Weseraue in der Nähe des heutigen Höxter. Benediktinermönche vom französischen Mutterkloster Corbie an der Somme zogen bald darauf an die Weser und unter dem Einfluss des karolingischen Königshauses entwickelte sich die Reichsabtei in den ersten drei Jahrhunderten zu einem der bedeutendsten Kulturzentren im Norden Europas.

Das Westwerk der Abteikirche zeugt von Corveys Blütezeit und gilt als ältestes erhaltenes Baudenkmal der Region. Die Architektur des karolingischen Baus ist streng und schlicht. Die Schreibstube und die Bibliothek des Benediktinerklosters gelangten zu Weltruhm. Corvey war im Mittelalter ein weithin bekannter Ort, der vielen Gästen eine Herberge bot. Auch die Missionierung Westfalens und ganz Nordeuropas ging von Corvey aus: Der Heilige Ansgar kam als Corveyer Mönch sogar bis nach Skandinavien.

Idyllische Lage am Weserbogen: das barocke Schloss Corvey und das Kloster von Corvey.
Idyllische Lage am Weserbogen: das barocke Schloss Corvey und das Kloster von Corvey.
Corvey wurde von zahlreichen deutschen Kaisern besucht, der prunkvolle Kaisersaal zeigt eine stattliche Sammlung mit 20 Porträts der römisch-deutschen Machthaber. Doch als die guten Beziehungen zum jeweiligen Herrscherhaus nachließen und dann auch noch der strategisch günstige Hellweg weiter nach Norden verlegt wurde, endete die Blütezeit der Reichsabtei. Während des Dreißigjährigen Krieges erlitten Corvey und Höxter große Zerstörungen. Bei einem Brand wurde auch die Klosterbibliothek mit ihren wertvollen Handschriften unwiederbringlich zerstört. Nur einige Restbestände, darunter die berühmte Handschrift der Annalen des Tacitus, die sich heute in der Biblioteca Medicea Laurentiana in Florenz befindet, stammen noch aus dieser Bibliothek.

Die heutige barocke Anlage des Klosters entstand in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts. Fürstabt Florenz von dem Felde (1696–1714) versuchte an den alten Glanz anzuknüpfen, was jedoch nur teilweise gelang. Zwar hatte Corvey seine einstige Bedeutung verloren, aber das Kloster blieb reichsunmittelbare Abtei. Als Landesherr des umliegenden "Corveyer Landes" hatte der jeweilige Abt bis zur Säkularisation auch die weltliche Macht inne. 1803 wurde das geistliche Fürstentum Corvey aufgelöst. Nach vierjähriger französischer Herrschaft – Corvey war dabei dem neuen Königreich Westphalen zugeordnet worden – gelangten die Güter nach dem Wiener Kongress an Preußen.

1820 wurde Corvey Eigentum des Landgrafen von Hessen-Rotenburg. Der Landgraf vererbte die Anlage seinem Neffen, dem Erbprinzen Viktor von Hohenlohe-Schillingsfürst, der 1840 den Titel "Herzog von Ratibor und Fürst von Corvey" annahm. Die Fürstenfamilie unterhielt stets gute politische, wirtschaftliche und kulturelle Beziehungen zum preußischen Königshaus. Das Archiv der Fürstlichen Bibliothek, seit 1833 in den ehemaligen Wohn- und Repräsentationsräumen der Corveyer Fürstäbte untergebracht, birgt zahlreiche Zeugnisse der kaiserlichen Visiten. Nach dem Zweiten Weltkrieg öffnete der Herzog das Schloss für die Öffentlichkeit.

In der fünften Generation ist das Herzogliche Haus nun Eigentümer der Schlossanlage. Träger des Museums mit Dauer- und Wechselausstellungen ist die Kulturkreis Höxter-Corvey gGmbH, eine Gesellschaft, der neben dem Herzog von Ratibor auch die Stadt sowie der Kreis Höxter angehören.
Jetzt auf der Welterbeliste

Reichsabtei Corvey ist UNESCO-Weltkulturerbe
Herausragendes Zeugnis der karolingischen Architektur im Mittelalter

Das UNESCO-Welterbekomitee hat im Juni 2014 auf seiner Tagung in Katars Haupstadt Doha die Reichsabtei Corvey in die Welterbeliste aufgenommen. Das Komitee würdigte das Karolingische Westwerk und die Civitas Corvey aus dem frühen Mittelalter als Zeugnis von außergewöhnlich universellem Wert.

Weitere Informationen: www.unesco.de/kultur/2014/uho-6-2014-welterbe-corvey.html


Kommentare

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20.10.2016, Redaktion NRW-Stiftung

Sehr geehrter Herr Meier,

vielen Dank für den Hinweis. Wir haben die Angaben entsprechend korrigiert.
20.10.2016, Wolfgang Meier

Sehr geehrte Damen und Herren,
Sie schreiben, dass der Reliquienschrank in Corvey in der Attendorner Werkstatt des Heinrich Papen gefertigt wurde. Der Schrank stammt zwar aus der Papenwerkstatt, wurde aber in Giershagen und nicht in Attendorn gefertigt


Für Mitglieder des Fördervereins ist der Eintritt ermäßigt.

Bei vielen Projekten erhalten die Mitglieder des Fördervereins vergünstigten Eintritt. [mehr]
Die Nordrhein-Westfalen-Stiftung unterstützte den Kulturkreis Höxter-Corvey bei der Einrichtung des Museums und bei der Restaurierung eines Reliquienschrankes, der zwischen 1696 und 1719 in der Bildhauerwerkstatt in Giershagen von Heinrich Papen geschaffen wurde.

Googlemap aufrufenMuseum Höxter-Corvey
(Kulturkreis Höxter-Corvey GmbH)
Schloss Corvey
37671 Höxter
Telefon: 0 52 71 / 69 40 10 und 6 81 20
www.schloss-corvey.de

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