KLOSTERGARTEN-MUSEUM IN OELINGHAUSEN

AUS DER KLOSTERAPOTHEKE

Die Mitglieder des Freundeskreises Oelinghausen pflegen die Außenanlagan des Klosters.
Die Mitglieder des Freundeskreises Oelinghausen pflegen die Außenanlagan des Klosters.
Die Äbtissin Hildegard von Bingen gilt als die erste deutsche Ärztin. Wen wundert’s, wurden doch im Mittelalter vielerorts hinter Klostermauern Heilpflanzen gezogen und zu Medizin verarbeitet. Zu Zeiten der berühmten Klosterfrau vom Rhein wirkten auch im sauerländischen Arnsberg (Oelinghausen) heilkundige Nonnen. Die Prämonstratenserinnen gründeten 1174 hier ein Kloster, wo sie in einem mehrere Hektar großen Garten Gemüse und Obst, aber auch Blumen, Küchenkräuter und Heilpflanzen anbauten. Ein Museum an der historischen Stätte – mit Hilfe der NRW-Stiftung ins Leben gerufen – erinnert an die 800jährige Klostergartentradition.

In dem ehemaligen Wirtschaftsgebäude haben sie ein Klostergartenmuseum untergebracht, das über alte Kultur- und Nutzpflanzen informiert.
In dem ehemaligen Wirtschaftsgebäude haben sie ein Klostergartenmuseum untergebracht, das über alte Kultur- und Nutzpflanzen informiert.
Die Idee, ein Museum einzurichten, das an einen längst verfallenen Garten erinnern soll, hatten Mitglieder des Freundeskreises Oelinghausen e.V. bereits Anfang der 1990er-Jahre: "Von dem alten Klostergarten waren nur noch Spuren in der Landschaft zu sehen: Einige Heilpflanzen hatten aber auf der Mauer und auf angrenzenden Grünflächen überdauert", erinnert sich Dr. Günter Bertzen, Vorsitzender des ehrenamtlich arbeitenden Freundeskreises. Wie aber stellt man an einem historischen Ort eine vielhundertjährige Gartengeschichte vor und schont dabei gleichzeitig die empfindlichen Überbleibsel des Klostergartens vor den Besuchern?

Die nahe liegende Idee, einen Museumsgarten anzulegen und die Besucher hindurchzuführen, schied aus. Die dafür nötigen Gartenflächen standen einfach nicht zur Verfügung, stattdessen bot sich ein nicht mehr genutztes, fast verfallenes Wirtschaftsgebäude im Klosterhof als Standquartier und Museum an: "Einen Klostergarten im Haus zu präsentieren und die draußen am Originalschauplatz noch vorhandenen Reste alter Kulturpflanzen, terrassierte Flächen und Gartenmauern zu zeigen, das war ein möglicher Weg", erklärt Dr. Bertzen rückblickend.

Hell und großzügig: das Klostergartenmuseum von innen.
Hell und großzügig: das Klostergartenmuseum von innen.
Das alte Stallgebäude wurde in Eigeninitiative ab 1998 restauriert und als Museum eingerichtet. Im Sommer 2005 konnte das Haus seine Türen für Besucher öffnen. Die Ausstellung im Gebäudeinnern ist in verschiedene Stationen gegliedert und gibt Antwort auf die Frage, was zu einem Klostergarten gehörte, wie er angelegt wurde, welche Aufgaben er hatte und wie er sich im Laufe der Zeit wandelte. Die klimatischen Veränderungen der letzten 1.000 Jahre werden dabei ebenso beleuchtet wie "das lebende Archiv" – die wichtigsten Gartenpflanzen, die an einer nachgebauten Mauer im Museum ranken und klettern. "Zu den Besonderheiten der Oelinghauser Pflanzen gehören beispielsweise Osterluzei, Apfelrose und Süßdolde", so Dr. Bertzen. Auch eine Klosterapotheke zeigt das Museum – hier wurden Heilpflanzen getrocknet und zu Drogen verarbeitet.

Kein Garten ohne Arbeit – deshalb gibt das Museum auch Einblicke in die Gartenarbeit im Lauf der Jahrhunderte, erzählt von Düngung, Schädlingen, Pflanzenkrankheiten und ihrer Bekämpfung. Tritt der Besucher dann nach draußen, kann er dort zumindest einen Teil der alten Klostergärten durchqueren. Gleich zu Anfang des Weges steht der wohl einzige überlebende Obstbaum aus den Tagen der Klosterzeit: Ein immer noch reich fruchtender Walnussbaum. Walnüsse waren bei den Ordensschwestern sehr beliebt, davon zeugen alte Oelinghauser Urkunden.
Heilende Kräuter aus dem Klostergarten

Gut verpackt lagern die Arzneikräuter in altertümlichen Gefäßen.
Gut verpackt lagern die Arzneikräuter in altertümlichen Gefäßen.
Geprägt durch das christliche Gebot der Nächstenliebe übernahmen im Mittelalter Klöster die Funktion der örtlichen Krankenstation. Auch in Oelinghausen wurde 1308 eine Krankenstation eingerichtet. Da die Grundlage der damaligen Medizin die Pflanzenheilkunde war, kam den Gärten eine ganz besondere Bedeutung zu. Früh schon legte man in Klöstern neben einem Nutzgarten mit Obst und Gemüse auch Kräutergärten für medizinische Zwecke an. Darin gediehen Arzneikräuter wie Engelwurz, Zitronenmelisse, Salbei und Ringelblume.

Anders als in anderen Klostergärten wuchsen in Oelinghausen vor allem Thymian (hilft bei Husten und Verdauungsbeschwerden), Hopfen (wirkt beruhigend), Holunder (schweißtreibend), Osterluzei (beschleunigt die Geburt), Apfelrose (harntreibend), Johanniskraut (hilft bei seelischen Verstimmungen) und Lungenkraut (hilft bei Husten, Halsweh und Durchfall). Aber nicht nur Arzneien und Küchenkräuter wurden in mittelalterlichen Klostergärten angebaut, auch Färberpflanzen und christliche Symbolpflanzen, die durch ihre Form und Eigenschaften christliche Grundwerte versinnbildlichten. Zu ihnen zählen beispielsweise Schwertlilie, Madonnenlilie, Akelei und Walderdbeere.


Kommentare

Sie haben dieses Projekt der NRW-Stiftung bereits besucht? Dann schreiben Sie uns, wie es Ihnen gefallen hat. Kommentar verfassen



Druckversion  [Druckversion]
Für Mitglieder des Fördervereins ist der Eintritt frei.

Bei vielen Projekten erhalten die Mitglieder des Fördervereins vergünstigten Eintritt. [mehr]
Die NRW-Stiftung unterstützte den Freundeskreis Kloster Oelinghausen e. V. bei der Einrichtung eines Klostergartenmuseums in einem denkmalgeschützten Wirtschaftsgebäude des ehemaligen Klosters, das 1905 errichtet wurde. Das kleine Museum thematisiert historische Nutz- und Kulturpflanzen.

Googlemap aufrufenKlostergartenmuseum Oerlinghausen
Kloster Oelinghausen
59757 Arnsberg
Telefon: 0 29 32 / 2 91 59
www.freundeskreis-oelinghausen.de

Bookmark and Share