GEBURTSHAUS VON HEINRICH HEINE

EINE SPURENSUCHE

Heinrich Heine, gezeichnet von Janet Brooks Gerloff (nach einem Portrait von Moritz Oppenheim, 1831). Acryl, Bleistift und Japanpapier auf Papier, 2000. Heinrich-Heine-Institut, Düsseldorf.
Heinrich Heine, gezeichnet von Janet Brooks Gerloff (nach einem Portrait von Moritz Oppenheim, 1831). Acryl, Bleistift und Japanpapier auf Papier, 2000. Heinrich-Heine-Institut, Düsseldorf.
Vor 150 Jahren ist Heinrich Heine im Pariser Exil gestorben. Deutschland hatte ihn nicht nur wegen der Zensur um den Schlaf gebracht. Das Land und dessen Sprache blieben dem gebürtigen Düsseldorfer bis zuletzt Heimat und Sehnsuchtsort. Eine kleine Spurensuche nach dem rheinischen und deutschen Dichter Heinrich Heine.

Die Loreley kennt jeder, und mit der hübschen Verführerin auf dem Felsen bei St. Goarshausen natürlich ihr Lied – oder doch wenigstens dessen erste Strophe:



"Ich weiß nicht, was soll es bedeuten,
Daß ich so traurig bin;
Ein Märchen aus alten Zeiten,
Das kommt mir nicht aus dem Sinn."

Dazu wird dann die Melodie gesummt, die Friedrich Silcher 1838 komponierte und
Heines Dichtung zum romantischen Gassenhauer machte. Gar eine Art zweite
Nationalhymne des 19. Jahrhunderts soll das Lied gewesen sein. Auf jeden Fall ist es zum Schlüsselgedicht einer großen Erfindung geworden: die der Rheinromantik.
Sagen und Mythen – wie eben die Loreley – verklärten das bis dahin kaum beachtete
Rheintal zur poetischen wie nationalen Idylle. Dass aber ausgerechnet Heinrich
Heine mit seiner Loreley-Dichtung zu einem der wichtigsten Kronzeugen dieses
prekären Drosselgassenglücks werden sollte, ist kurios. Das Lied kündet selbst
vom Gegenteil, wenn auch erst am Schluss des Poems: Denn gerade die Verzückung ist es, die den Schiffer kentern und sein kühles Grab im "deutschen Strom" finden lässt.

Das neue Heine-Haus an historischer Stelle im Herzen der Düsseldorfer Altstadt. Hier wurde der Dichter Heinrich Heine am 13. Dezember 1797 geboren.
Das neue Heine-Haus an historischer Stelle im Herzen der Düsseldorfer Altstadt. Hier wurde der Dichter Heinrich Heine am 13. Dezember 1797 geboren.
Nahezu grotesk aber wird diese rheinromantische Urheberschaft Heines im Angesicht seines Lebensweges, der in Düsseldorf am 13. Dezember 1797 seinen Anfang nimmt und in Paris nach 25 Jahren des Exils am 17. Februar 1856 – vor jubiläumsrelevanten 150 Jahren also – auf dem Friedhof von Montmartre sein Ende findet. Man wird nicht so recht schlau aus diesem Fahrplan, auf dem als Hauptstationen Düsseldorf und mehrfach Hamburg notiert sind, Berlin und Göttingen, München und schließlich Paris. Ist dieser Heine nun ein rheinischer Dichter? Ein deutscher vielleicht? Ein europäischer gar?

Man ahnt: Sein Standort ist fragwürdig, und Versuche einer Festlegung versetzen jede marmorne Heine-Büste in Schieflage. Weil Heines Lebensreise in erster Linie eine Auseinandersetzung meint: Seine Route zwischen Düsseldorf und Paris mit all ihren Um- und Irrwegen ist eine lebenslange Erkundung danach, was ihm Heimat und Heimatland, das Rheinische und die Nation bedeuten könnten. Die "Nachtgedanken" über Deutschland bringen den Dichter nicht nur um den Schlaf (wie es im gleichnamigen Gedicht heißt); sie zerreißen ihn, den deutschen Juden, der sich von einem Taufschein das "Entreebillett zur europäischen Kultur" erhofft. Für das christliche Ticket aber, ausgestellt am 28. Juni 1825 in Heiligenstadt auf den Namen Christian Johann Heinrich, findet sich niemand, der es abstempelt. So steht der Dichter mit einer Eintrittskarte da, für die es nirgends eine Pforte gibt.

DICHTER MIT BERUFSVERBOT
Aus Deutschland vertreibt ihn die preußische Zensur, die ab Mitte der 1830er Jahre praktisch alle schon erschienenen wie auch zukünftigen Heine-Werke im Verbreitungsgebiet des Deutschen Bundes verbietet. Darüber kann man trefflich spotten, und Heine tut dies klug und grandios wie zu Beginn des zwölften Kapitels in "Das Buch Le Grand" 1827:

"Die deutschen Zensoren - - - - - - - - -
- - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - -
- - - - - - - - - - - - Dummköpfe - - - - -
- - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - -"

Aber irgendwann findet auch dieses Spiel ein Ende. Immerhin ist das, was die Zensurbehörde verhängt – um es knapp zu sagen –, ein Berufsverbot. Zu einem anderen Broterwerb aber verspürt Heine nur äußerst geringe Neigung – trotz einer Kaufmannslehre und eines abgeschlossenen Jurastudiums in Bonn, Berlin und Göttingen. "Wenn mein Neffe hätte gelernt machen Geschäfte, hätte er nicht gebraucht schreiben Gedichte", soll Heines Onkel Salomon beklagt haben. Es ist
das Kopfschütteln eines Bankiers, der damals zu den reichsten Männern Europas zählt und der das dichtende Familienmitglied Zeit seines Lebens unterstützt.

MUTTERSPRACHE ALS VATERLAND
Was Heine also bleibt, ist das Exil; es heißt Frankreich. Schon deshalb schreibt er so viel über Heimat und mit grimmiger Innigkeit dort, wo er sie verspottet. Es ist die Reaktion des Zurückgewiesenen, dessen Zuneigung in Trotz und Hass umschlägt. Alles Deutsche wirke auf ihn wie "ein Brechpulver", schreibt er an seinen Jugendfreund Sethe. Sogar die "eignen Gedichte ekeln mich zuweilen an, wenn ich sehe, daß sie auf deutsch geschrieben sind". Und so wechselt er demonstrativ ins Französische und kehrt doch bald wieder zum Deutschen zurück.

Ein historischer Moment: Den Einzug des Kaisers Napoleon in Düsseldorf am 3. November 1811 zeigt diese kolorierte Lithografie von Johann Petersen.
Ein historischer Moment: Den Einzug des Kaisers Napoleon in Düsseldorf am 3. November 1811 zeigt diese kolorierte Lithografie von Johann Petersen.
Die Muttersprache wird zur Heimat für ein verlorenes Vaterland. So gilt seine vorletzte Deutschlandreise 1843 besonders der geliebten Mutter in Hamburg, bedichtet im "Wintermärchen", in dem es gleich in "Caput I" heißt:

"Und als ich die deutsche Sprache vernahm,
Da ward mir seltsam zumute;
Ich meinte nicht anders, als ob das Herz
Recht angenehm verblute."

Die deutsche Sprache ist seine einzige Heimat geblieben. Und er ahnt gegen Ende seines Lebens, dass es seine letzte sein wird. Wohl möchte er in Deutschland begraben liegen. Das wiederum muss die etwas bleiche Hoffnung aus seiner Matratzengruft bleiben. Wenn aber das schon nicht möglich ist, so doch wenigstens dies: die Inschrift auf seinem Grabstein "Hier ruht ein deutscher Dichter". Sein Verlangen nach einer Rückkehr ist so groß wie die Gewissheit, dass diese Reise unmöglich sein wird. Fünf Jahre vor seinem Tod nennt er eines seiner bilanzierenden
Gedichte "Sterbende":

"Flogest aus nach Sonn und Glück,
Nackt und schlecht kommst du zurück.
Deutsche Treue, deutsche Hemde,
Die verschleißt man in der Fremde.

Siehst sehr sterbebläßlich aus,
Doch getrost, du bist zu Haus.
Arm wie an dem Flackerherde
Liegt man in der deutschen Erde.

Mancher leider wurde lahm
Und nicht mehr nach Hause kam –
Streckt verlangend aus die Arme,
Daß der Herr sich sein erbarme!"

DIE EWIGE WANDERSCHAFT
Die Heimat ist unerreichbar, aber sie bleibt ein Sehnsuchtsort. Das ist gut für die Dichtung. Als wolle sich Heine das ferne Deutschland erschreiben, umkreist er es mit einem Großteil seiner lyrischen und prosaischen Dichtung. Kein Autor vor ihm hat das eigene Leben (das jahrelange Siechtum eingeschlossen) derart ausführlich und radikal zum Gegenstand der Poesie erhoben wie Heine. Leben und Text sind bei ihm eine Einheit. Und so wird dem Heimatlosen die Wanderschaft zum wesentlichen Schreibgrund: Gleich vier "Reisebilder" erscheinen zwischen 1826 und 1830, er veröffentlicht "Englische Fragmente" (1830) und beschreibt "Französische Zustände"
(1833), sein Besuch im restaurativen Deutschland wird für die Leser zum besagten
"Wintermärchen" (1844), schon 1827 schreibt er sich mit "Ideen. Das Buch Le Grand" in seine Geburtsstadt zurück, und postum erscheint 1884 das "Memoiren-Fragment".

Düsseldorf vor der Beschießung durch die Franzosen am 6. Oktober 1794 – eine kolorierte Umrissradierung von Johann Ziegler nach Lorenz Janscha.
Düsseldorf vor der Beschießung durch die Franzosen am 6. Oktober 1794 – eine kolorierte Umrissradierung von Johann Ziegler nach Lorenz Janscha.
Es gibt berühmte Sätze über die Heimat und die Geburtsstadt, darunter derart freundliche, dass diese bei offiziellen Ansprachen mit nicht schwindender Begeisterung zitiert werden. Ein Evergreen ist diese Passage: "Die Stadt Düsseldorf ist sehr schön, und wenn man in der Ferne an sie denkt und zufällig dort geboren ist, wird einem wunderlich zumute. Ich bin dort geboren, und es ist mir, als müßte ich gleich nach Hause gehen. Und wenn ich sage, nach Hause gehen, so meine ich die Bolkerstraße und das Haus, worin ich geboren bin." Seltener hingegen erinnert man sich in der Landeshauptstadt jener Worte aus den "Memoiren": "In der Sprache der Düsseldorfer merkt man schon einen Übergang in das Froschgequäke der holländischen Sümpfe."

Der Schlamm ist eine bei Heine äußerst beliebte Metapher. Auf seiner wintermärchenhaften Reise durch Deutschland 1843 begegnet der Dichter dem Morast praktisch auf Schritt und Tritt – so auch auf der Kutschfahrt von Köln nach Hagen:

"Das ist ja meine Heimatluft!
Die glühende Wange empfand es!
Und dieser Landstraßenkot, er ist
Der Dreck meines Vaterlandes!"

Der "klassische Morast" ist für Heine mit Blick auf den legendären Waffengang des
Cheruskerfürsten Hermann im Teutoburger Wald sogar staatsgründend:

"Die deutsche Nationalität,
Sie siegte in diesem Drecke."

Typisch Heine, könnte man sagen und wird doch im nächsten Augenblick schon wieder überrascht (was für den Dichter freilich noch typischer ist). Das ganze "Caput X" des Wintermärchens ist eine einzige Westfalenhymne und zu Werbezwecken noch heute extrem tauglich:

"Ich habe sie immer so lieb gehabt,
Die lieben, guten Westfalen,
Ein Volk so fest, so sicher, so treu,
Ganz ohne Gleißen und Prahlen."

Nun ja, nur sollte man dann großzügig über die Betrachtungen Mindens einige
Lieder später elegant hinwegsehen: Schlecht gegessen hat er in dieser von "dunklen
Gräben" eingefassten Bastion, übel geschlafen auch. Denn im Traum frisst der preußische Adler ihm – dem modernen Prometheus – die Leber aus dem Leib. Also bloß weg hier; Heine entflieht diesem schaurigen Ort schon in der Früh mit der Extrapost.

AUF DER PADERBORNER HEIDE
All die gegensätzlichen Urteile sind kein Ausdruck von Beliebigkeit oder Widersprüchlichkeit. Denn Fürsprache und Gegenrede, Lob und Kritik, Nähe und Distanz sind bei Heine stets ein probates Mittel der poetischen Welterfahrung. Er lässt uns teilhaben an einem Dialog, der zwischen Schein und Sein geführt wird, zwischen Traum und Realität, Vision und Beckmesserei. Oft schlagen zwei Herzen in seiner Brust, heben zwei Stimmen zur Rede an. Keine wird unterdrückt. Genau das ist das Prinzip des ungewöhnlichen Heimatgedichts "Gespräch auf der Paderborner Heide":

Mit seinen umfangreichen Archiv- und Bibliotheksbeständen ist das Heinrich-Heine-Institut der Landeshauptstadt Düsseldorf ein Zentrum der internationalen Heine-Forschung.
Mit seinen umfangreichen Archiv- und Bibliotheksbeständen ist das Heinrich-Heine-Institut der Landeshauptstadt Düsseldorf ein Zentrum der internationalen Heine-Forschung.
"Hörst du nicht die fernen Töne,
Wie von Brummbaß und von Geigen?
Dorten tanzt wohl manche Schöne
Den geflügelt leichten Reigen.

Ei, mein Freund, das nenn ich irren
Von den Geigen hör ich keine,
Nur die Ferklein hör ich quirren,
Grunzen nur hör ich die Schweine."

So beginnt’s und so wird es über einige Strophen fortgesetzt: Auf der einen Seite
mit dem Romantiker, der Schalmeien hört, Englein und auch die Liebste zu sehen
glaubt; auf der anderen Seite mit dem spöttischen Aufklärer, der statt dessen Säue vernimmt, Ochsen erblickt und ein altes Waldweib ausmacht, das an den Krücken "weiter nach der Wiese" hinkt. Das ist über viele Verse hin ein ziemlich ungleiches Streitgespräch. Wir Leser ahnen zwar, dass der Realist ganz richtig liegt. Aber wir wünschen uns insgeheim, dass die Welt des Träumers bestehen darf. In diese Gedanken bricht die letzte Stroph mit einem staunenswerten Schlussstrich ein:

"Nun, mein Freund, so magst du lachen
Über des Phantasten Frage!
Wirst du auch zur Täuschung machen,
Was ich fest im Busen trage?"

Der Träumer bekennt sich zu seiner Traumwelt, und dieses Bekenntnis hat größere
Überzeugungskraft als jede kühle Aufklärung. Der Entzauberer steht am Ende
dumm da. Gegen die Sehnsucht hat in diesem Fall der Verstand keine Chance. Und
das ist "auf der Paderborner Heide" die Sehnsucht nach Heimat.

UNDANK DER DÜSSELDORFER
Heines Sehnen ist in der Heimat angekommen – gleichwohl erschreckend spät. In
einem Brief an seinen Bruder Max Heine 1837 orakelt er, dass er "wahrscheinlich die
Zahl jener edelsten und größten Männer Deutschlands vermehren" werde, "die mit
gebrochenem Herzen und zerrissenem Rock ins Grab steigen. In Düsseldorf wird
mir dann wohl ein Monument gesetzt werden." Heine sollte Recht behalten, aber er dürfte sich in der Jahreszahl schwer verrechnet haben. Das erste wirkliche Heine-Denkmal wird in seiner Geburtsstadt mit dem "Fragemal" von Bert Gerresheim erst 1981 stehen!

Dabei hatte es erste Pläne bereits Ende der 1880er-Jahre gegeben, als die glühende Heine-Verehrerin Kaiserin Elisabeth von Österreich (Sisi) der Stadt einen Loreley-Brunnen schenken wollte. Die Stadt Düsseldorf aber lehnte ab, und so wanderte das Monument auf Betreiben deutscher Auswanderer in den USA nach New York, wo es 1899 im Joyce-Kilmer-Park in der Bronx errichtet wurde und dort heute noch steht. Die Kaiserin ließ 1891 zudem eine nachdenklichsitzende Heine-Figur in den Garten ihres Anwesens auf Korfu platzieren.

Die Geburtsstadt tat sich auch weiterhin schwer mit ihrem berühmtesten Sohn:
Zweimal (1972 und 1982) scheiterte das Bemühen, die Düsseldorfer Universität
nach dem Dichter zu benennen – bis sich der Senat am 20. Dezember 1989 nach
20jährigem Streit endlich entschloss, der Hochschule den Namen Heinrich Heines
zu geben. Seit den 50er-Jahren ist seine Geburtsstadt bemüht, versäumtes Andenken nachzuholen: mit Gründung der Heinrich-Heine-Gesellschaft 1956, der jedoch ein Heine-Bund 1926 in Berlin vorausgegangen war, wie auch die Internationale Heine-Gesellschaft 1931 in Hamburg und 1941 der Heine-Klub in Mexiko mit Anna Seghers und Egon Erwin Kisch an der Spitze. 1970 folgte in Düsseldorf das Heine-Institut mit Forschungsstelle, Museum und Archiv. Es gibt den mit mittlerweile 50.000 Euro dotierten Heine-Preis sowie die Heine-Ehrengabe,
die in diesem Jubiläumsjahr an Alice Schwarzer vergeben wurde.

Ohne jeden Zweifel: Man hat sich mächtig angestrengt und inzwischen viel für Heine und Heines Werk getan. Aber es ist eben die so späte Heimkehr des großen Sohnes, die ein Gefühl des Unbehagens hinterlässt. Im New Yorker "Aufbau" war 1968 zu den Namensstreitigkeiten an der Uni zu lesen: "Es fehlt in Heines Heimat an der Zivilcourage eines offenen Bekenntnisses zu dem Sänger eines neuen Liedes, eines besseren Liedes, umso mehr als dieser die unverzeihliche Sünde begangen hat, als Sohn jüdischer Eltern das Licht der Welt zu erblicken." Das späte Monument hat Heines kühne Voraussage eingelöst. Solches Sehertum trifft auf eine weitere und oft zitierte Prognose zu, die in Nazi-Deutschland fürchterliche Wahrheit erlangen sollte:

"... dort, wo man Bücher verbrennt, verbrennt man am Ende Menschen." Heine war kein Prophet, aber er blickte in die ferne Zukunft mit der intellektuellen Kraft des wachen und sensiblen Zeitgenossen. Auch dabei spielte Düsseldorf eine Sonderrolle. Die erste Bücherverbrennung in ganz Deutschland veranstalteten die Nazis schon am 11. April 1933 in Heines Geburtsstadt, exakt vier Wochen bevor andere Städte des so genannten Dritten Reichs diesem finsteren Beispiel folgten. Dass den Flammen auch das Werk jenes Dichters überantwortet wurde, der das nach wie vor so beliebte Loreley-Lied verfasst hatte, störte die braunen Machthaber
im Übrigen wenig; sie tilgten in Schul- und Gesangbüchern lediglich den Dichternamen.

DAS FERNE PARADIES
Heine und die Heimat – ein kompliziertes Kapitel, das von Sehnsucht und Liebe, von
Verlust, Verrat und Hass erzählt. Und mittendrin hockt die Loreley auf ihrem Felsen. Sie besingt der Dichter und weiß doch selbst nicht, was seine Traurigkeit bedeuten soll. So etwas spricht man, wenn man die Havarie des Herzens erlebte. Die Idylle ist gestört, das Paradies ferner denn je. Der Sänger dieses Liedes ist ein Melancholiker, der ganz auf sich gerichtet ist, der in sich die Welt sucht und imaginiert. Seine Schwermut aber ist produktiv, er dichtet, findet Verse für die verlorene Heimat, spürt ihr in Worten nach, lauscht der "gewaltigen Melodei" und "schaut nur hinauf in die Höh". Das ist ein Antrag, den die fürchterliche Hübsche mit ihrem goldenen Haar nicht zurückweist. Sie nimmt ihn an und vernichtet damit den leidenschaftlich Werbenden.

Im 150.Todesjahr Heinrich Heines sollte man sich auch des Fischers aus dem Loreley-Lied erinnern. Es könnte der Dichter sein.

"Ich glaube, die Wellen verschlingen
Am Ende Schiffer und Kahn;
Und das hat mit ihrem Singen
Die Lore-Ley getan."


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Auf Anregung der Heinrich-Heine-Gesellschaft kaufte die NRW-Stiftung zusammen mit der Stadt Düsseldorf das Geburtshaus Heinrich Heines in der Düsseldorfer Altstadt, damit es als Literaturzentrum genutzt werden kann.
Die NRW-Stiftung erwarb außerdem mehrere Autografen von Heinrich Heine, darunter auch die Originalschrift der bekannten "Nachtgedanken".

Verein zur Förderung des Heinrich Heine Geburtshauses (e.V.)
Bolkerstraße 53
40213 Düsseldorf
Telefon: 0211 3112522
www.heinehaus.de
www.Heinrich-Heine-Gesellschaft.de

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