DER EISKELLER DIERSFORDT

VOM "KÜHLSCHRANK" ZUM HEIMATHAUS

Eine Markierung im Boden weist auf seine ursprüngliche Nutzung hin.
Eine Markierung im Boden weist auf seine ursprüngliche Nutzung hin.
Sicher ist nicht jedes Kühlhaus als Museum geeignet. Der Eiskeller des Schlosses Diersfordt hingegen hat diesen Wandel geschafft: Wo früher Eisblöcke verderbliche Lebensmittel gekühlt haben, geben heute Dauer- und Wechselausstellungen über die Geschichte des Schlosses oder die Landschaftsentwicklung der Umgebung Aufschluss. Zu verdanken ist dies dem Engagement des Heimatvereins der Herrlichkeit Diersfordt. Die Mitglieder nutzen den ehemaligen Eiskeller des Schlosses bei Wesel als Heimathaus und Ausstellungsraum.

Das heutige Heimathaus am Schloss Diersfordt ist typisch für die Wirtschaftsgebäude aus dem 18. Jahrhundert und zugleich Zeugnis der Bedeutung, die solche Eiskeller früher hatten. In exponierter Lage erbaut, waren sie damals auf dem Gelände vieler Schlösser üblich. Direkt am Eingang zum Schlossplatz gelegen, war das Haus wichtiger Bestandteil im Zusammenspiel der einzelnen Gebäude. Barocke Stilelemente, wie die Betonung der Gebäudeecken, kennzeichnen den aus Feldbrandziegeln errichteten Eiskeller.

Harte Arbeit: "Eisbauern" sägten früher Eisblöcke aus gefrorenen Gewässern.
Harte Arbeit: "Eisbauern" sägten früher Eisblöcke aus gefrorenen Gewässern.
Der Heimatverein mietete das unter Denkmalschutz stehende Gebäude 1989 zu einem symbolischen Preis von einer D-Mark an und entwickelte das Planungsprojekt "Museum und Heimathaus". 1995 begannen die Mitglieder mit der Restaurierung, um das historische Gebäude für die Öffentlichkeit nutzbar zu machen. Im Zuge der Umbauarbeiten stießen die Helfer auf viele Spuren, die nahe legten, dass die Schlossherren hier einst ihre Lebensmittel gekühlt haben. Das Eis aus dem benachbarten Schlossgraben teilten Arbeiter damals mit langen Handsägen in Platten, schafften es in das Gebäude und füllten es in die im Boden ausgehobene Grube. Bei gut isolierten Eiskellern war es so möglich, Eis und Schmelzwasser bis in den Herbst für die Konservierung und Kühlung der Lebensmittel zu nutzen. Beispielsweise für die Beute adeliger Jagdgesellschaften, die in den zu Schloss Diersfordt gehörenden Wäldern Wild schossen. Etliche Nagelspuren an der Nordmauer des Gebäudes lassen darauf schließen, dass dort die Tiere abhingen und ausbluteten.

Mit Hilfe von Eisharken bargen Arbeiter das Eis.
Mit Hilfe von Eisharken bargen Arbeiter das Eis.
Die Mitglieder des Heimatvereins setzten sich jedoch nicht nur für den Umbau des ehemaligen Eiskellers ein. Auch dass der Schlossgraben wieder Wasser führt, ist ihrer Initiative zu verdanken. Dank dieses außerordentlichen ehrenamtlichen Engagements bietet das schmucke Häuschen am Diersfordter Schloss heute Platz für Tagungen, Vorträge oder Kunstausstellungen.


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Für Mitglieder des Fördervereins ist der Eintritt frei.

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Die NRW-Stiftung hat den Heimatverein der Herrlichkeit Diersfordt finanziell unterstützt, den früheren Eiskeller des gleichnamigen Schlosses als Heimathaus einzurichten.

Googlemap aufrufenMuseum und Heimathaus Eiskeller Schloss Diersfordt
Am Schloss 1a
46487 Wesel
Telefon: 0 28 59 / 3 55 oder 3 75
www.heimatverein-diersfordt.de

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