DER HEXENTURM IN RÜTHEN

DÜSTERE ZEUGNISSE DER INQUISTION

Rüthener Handwerker haben Repliken klassischer Folterinstrumente gefertigt.
Rüthener Handwerker haben Repliken klassischer Folterinstrumente gefertigt.
Der Hexenturm, wie der Volksmund das mittelalterliche Bauwerk in Rüthen getauft hat, trägt seinen Namen eigentlich zu Unrecht. Nicht Hexen wurden hier verhört oder gefoltert, sondern über Jahrhunderte gewöhnliche Verbrecher inhaftiert. Doch bietet das historische Gemäuer für die Ausstellung des Kulturrings Rüthen zum Thema Hexenverfolgung eine würdige Kulisse. Der kleine Ort im Sauerland greift mit der Ausstellung ein Kapitel seiner eigenen Geschichte auf: Allein in Rüthen fielen der Inquisition über 100 Menschen durch brutale Verhörmethoden und Todesurteile zum Opfer.

Um ihre Opfer zu peinigen, bewiesen die Folterknechte Erfindergeist.
Um ihre Opfer zu peinigen, bewiesen die Folterknechte Erfindergeist.
Die Ausstellung in dem mittelalterlichen Gebäude zeigt zahlreiche Repliken der damals üblichen Verhörinstrumente. Neben Zangen und spitzenbewehrten Stühlen weckt sogar ein unscheinbarer Becher eine Ahnung von der wahnwitzigen Folter-Logik: Die Marter durfte nur bei vollem Bewusstsein der "Hexe" vollzogen werden, daher verabreichten die Peiniger ihren Opfern bei drohender Ohnmacht mit dem Becher stärkende und aufputschende Getränke. Die Ausstellung erlaubt auch einen Blick auf Einzelschicksale wie das der Grete Eickhoff. Deren Mutter war bereits als Hexe hingerichtet worden, vier Jahre später ereilte sie im Jahr 1659 selbst der Tod durch das Schwert mit anschließender Verbrennung.

Heute weiß jeder, dass erst die Folter die Hexe macht. Doch in Zeiten von Religionsumbrüchen, Pest und Kriegen herrschten Unsicherheit, Aberglaube und Misstrauen. Unter diesen Bedingungen konnten voreingenommene, unaufgeklärte Juristen und ihre Helfer von ihren Opfern die abenteuerlichsten Aussagen erzwingen. Fast jeder Gefolterte legte letztlich ein Geständnis ab und viele rissen durch erpresste Verdächtigungen weitere Menschen mit in den Tod.

Das Relief vereint Michael Stapirius und Friedrich Spee von Langenfeld.
Das Relief vereint Michael Stapirius und Friedrich Spee von Langenfeld.
Unter größter Gefahr regte sich jedoch schrittweise Widerstand gegen die grauenhafte Praxis der Hexenverfolgung. Friedrich Spee von Langenfeld veröffentlichte bereits 1631 unter einem Pseudonym schwere Angriffe gegen die Verhörmethoden der damaligen Zeit und prägte den Satz: "Im Zweifel für den Angeklagten". Ihm und seinem Mitstreiter, dem Landpfarrer Michael Stapirius aus Meisten, ist am Rüthener Hexenturm ein Bronzerelief des Düsseldorfer Künstlers Bert Gerresheim gewidmet.


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Die NRW-Stiftung hat den Kulturring Rüthen e.V. bei der Instandsetzung des Rüthener Hexenturmes unterstützt. Das aus dem 14. Jahrhundert stammende Gebäude beherbergt eine Gedenkstätte für die im Sauerland besonders lange währende Zeit der Hexenverfolgung.

Stadtarchiv Rüthen
Hachtorstraße 24
59602 Rüthen

Einzel- und Gruppenführung nach Vereinbarung unter der Nummer 02952 8914-0.

www.sauerland.com/sauerland/orte/ruethen/ruethen/museum_im_hexenturm

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