RIESELFELDER WINDEL BEI BIELEFELD-SENNE

ARTISTEN IM SCHILF

Der Silberreiher ...<br />
Foto: Dr. Günter Bockwinkel
Der Silberreiher ...
Foto: Dr. Günter Bockwinkel
Die Grün- und Bronzetöne des Herbstes sind einem eintönigen Hellbraun gewichen, vor der klaren Januarluft stehen die welken Schilfpflanzen wie zerzauste Fahnen. Aber das Naturreservat der Rieselfelder Windel vor den Toren Bielefelds ist in der kalten Jahreszeit nicht verwaist. Einige spezialisierte Bewohner finden hier auch bei Eis und Schnee noch ausreichend Nahrung. Abgesehen von "Stammgästen" unter den Vögeln, die zuverlässig an allen Wintertagen zu beobachten sind, sieht man mit etwas Glück und Geduld auch seltenere Arten.

... und auch die Schnatterenten sind in dem Gebiet inzwischen regelmäßig zu beobachten. <br />
Foto: Dr. Günter Bockwinkel
... und auch die Schnatterenten sind in dem Gebiet inzwischen regelmäßig zu beobachten.
Foto: Dr. Günter Bockwinkel
Wer die markierten Wege durch die Rieselfelder nimmt, wird an offenen Wasserflächen, ausgedehnten Schilfröhrichten und feuchtem Grünland entlanggeführt. Bei milder Witterung lohnt der Besuch der Aussichtskanzel an der "Nordschleife", denn von dort lassen sich diverse Enten und der Zwergtaucher auf den Teichen beobachten. Welche Arten jeweils anwesend sind, erfährt man beim Infozentrum. Bei Frost bieten dagegen die ausgedehnten Röhrichte an der "Südschleife" die Chance, Kleinvögel bei der Nahrungssuche zu sehen. Beispielsweise die Rohrammer, deren schneidendes "Zie" auch das Rascheln des Röhrichts im Wind übertönt. Sucht man mit dem Fernglas die Vegetation ab, aus der die Stimme ertönt, entdeckt man die graubraune Ammer meist an den Fruchtständen vorjähriger Hochstauden oder in der Spitze von Schilfpflanzen. Jetzt im Winter machen Grassamen einen großen Teil ihrer Nahrung aus, aber selbst bei Minustemperaturen erbeutet der "Rohrspatz" auch Spinnen und kleine Käferlarven, indem er die Lücken zwischen Schilfhalmen und -blättern sondiert.

Bärtige Akrobaten turnen im Schilf

Bei den Bartmeisen besitzen nur die Männchen die auffällige und namengebende Gesichtszeichnung.<br />
Foto: Christoph F. Robiller/piclease
Bei den Bartmeisen besitzen nur die Männchen die auffällige und namengebende Gesichtszeichnung.
Foto: Christoph F. Robiller/piclease
Fast jeden Winter statten auch die seltenen Bartmeisen den Rieselfeldern eine Visite ab, doch gehören sie zu den weniger zuverlässigen Kandidaten und ihr Erscheinen ist nicht genau vorhersehbar. Besonders bei Sonne klettern und flattern sie durch die Wipfel des Röhrichts. Meist sind sie als Kleingruppe unterwegs und halten mit metallisch klingenden "Psching-psching"-Rufen Kontakt untereinander. Das zimtbraune Gefieder der Männchen mit den dunklen Bärten wirkt zwar bunt, im Zwielicht des welken Schilfs bietet es den Vögeln aber eine gute Tarnung – vorausgesetzt, sie sitzen still. Nach menschlichen Maßstäben verdienten sie eher das Etikett "hyperaktiv". Wie Zirkusartisten turnen sie von einem Fruchtstand zum nächsten, üben Spagat zwischen zwei Halmen oder baumeln kopfunter an einer Schilfrispe. Ihre Winternahrung ähnelt der der Ammern. Gezielt kontrollieren sie verwelkte Knöterich-, Ampfer- und Brennnesselstauden oder sie quetschen mit ihrem Schnabel die Samen aus den trockenen Schilfspelzen. Bartmeisen sind wenig scheu. Das ändert sich schlagartig, wenn ein Artgenosse "Luftalarm" gibt, etwa weil er einen Sperber bemerkt hat. In Sekundenbruchteilen ist die Artistentruppe im Unterwuchs verschwunden.

Ferkel im Röhricht?

Wasserrallen sind sehr scheu, dennoch ist die Chance, sie zu hören und zu sehen, im Winter am größten. <br />
Foto: Hans-Joachim Fünfstück/piclease
Wasserrallen sind sehr scheu, dennoch ist die Chance, sie zu hören und zu sehen, im Winter am größten.
Foto: Hans-Joachim Fünfstück/piclease
Gelegentlich hört man aus den Tiefen des Röhrichts Geräusche, die wie das Quieken eines Ferkels klingen. Urheber ist die Wasserralle. Viele ihrer Artgenossen weichen bei Frost in südwestlich gelegene Winterquartiere aus, aber einige harren im Gebiet aus. Vielleicht werden sie durch das wärmere Abwasser begünstigt, in dem Würmer und Schnecken länger verfügbar sind. Erst wenn der Uferschlamm komplett durchfriert, ziehen sie ab. Die scheuen, gut drosselgroßen Vögel fliegen übrigens nur, wenn es unbedingt sein muss. Lieber sind sie gemessenen Schrittes am Grunde des Schilfdschungels unterwegs. Die Wirbelsäule der Rallen ist so biegsam und ihr Körper so schmal, dass sie zwischen noch so dichten Röhrichtpflanzen hindurchschlüpfen können. Dennoch kann man sie jetzt im Winter eher zu Gesicht bekommen als im Sommer, weil der Blick nicht durch das Laub der Hochstauden verstellt ist.
"Windel-Service" sichert Naturreservat

Foto: Biol. Station Gütersloh/Bielefeld e. V.
Foto: Biol. Station Gütersloh/Bielefeld e. V.
Abwässer, die bei der Produktion der Textilien anfielen, wurden in der Nähe in flachen Teichen verrieselt und so biologisch gereinigt. Die von Sumpfpflanzen bewachsenen Ufer und die Fülle an Kleinlebewesen, die sich im Wasser entwickelten, machten die Teiche zu einem Magneten für Wasservögel. Als das Unternehmen eine moderne Kläranlage baute, drohten die Rieselfelder zu verkommen. Glücklicherweise bot die Firma Windel an, das Gelände in eine Stiftung einzubringen und weiterhin mit Wasser zu versorgen. Auf diese Weise wurde das Gebiet zu einem privaten Naturreservat. Es wird von der Biologischen Station Gütersloh / Bielefeld und der Stiftung Rieselfelder Windel betreut und ist hervorragend erschlossen. Von zwei Rundwanderwegen und drei Aussichtskanzeln aus können Besucher Vögel beobachten, ohne sie zu beunruhigen. Eine alte Fachwerkkate ist Sitz des Informationszentrums.
Barrierefreier Blick in die bielefelder Rieselwiesen

Von der neuen barrierefreien Aussichtskanzel aus können nun auch gehbehinderte Menschen und Rollstuhlfahrer die gefiederten Bewohner beobachten.
Von der neuen barrierefreien Aussichtskanzel aus können nun auch gehbehinderte Menschen und Rollstuhlfahrer die gefiederten Bewohner beobachten.
Rohrsänger, Haubentaucher, Löffelenten oder Teichrallen sind nur einige der Bewohner der Rieselfelder Windel, eines Naturreservats vor den Toren der Großstadt Bielefeld. Das rund 60 Hektar große Gelände stellt als "Feuchtbiotop aus Menschenhand" das bedeutendste private Naturreservat der Region dar, in dem viele seltene und gefährdete Vogelarten brüten und auf dem Zug rasten. Seit Neustem können auch gehbehinderte Menschen und Rollstuhlfahrer die schöne Aussicht auf das Wasser und seine gefiederten Bewohner genießen. Mithilfe der NRWStiftung, der
Eine Informationstafel gibt einen umfassenden Überblick über die Vogelvielfalt.
Eine Informationstafel gibt einen umfassenden Überblick über die Vogelvielfalt.
Westf. Provinzial-Versicherung, der NRW-Bank und weiterer Förderer konnte die Stiftung Rieselfelder Windel eine neue barrierefreie Beobachtungsplattform errichten; die Aussichtskanzel liegt ebenerdig am Ufer des größten Gewässers und kann ohne Steigung problemlos mit Rollstühlen befahren werden. www.rieselfelder-windel.de

Stand der Angaben: Stiftungsmagazin 2013/Nr. 2


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Das Naturreservat Rieselfelder Windel in Bielefeld-Senne

PDF (3,3 MB)
Das Naturreservat Rieselfelder Windel vor den Toren der Stadt Bielefeld wurde bereits mehrfach von der NRW-Stiftung unterstützt, so im Jahr 1995 mit dem Erwerb einer Hofstelle, im Jahr 2009 mit dem Wiederaufbau einer Remise und aktuell bei der Errichtung einer barrierefreien Aussichtskanzel. Im Gebiet werden Weiße gehörnte Heidschnucken für die Landschaftspflege eingesetzt.

Googlemap aufrufenDie Stiftung Rieselfelder Windel berichtet über das Gebiet ausführlich auf ihrer Internetseite: www.rieselfelder-windel.de

Biologische Station Gütersloh/Bielefeld
Info-Zentrum Rieselfelder Windel
Niederheide 63
33659 Bielefeld
Telefon: 05209 980101
Fax: 05209 980102
E-Mail: info@biostationgt-bi.de
Web: www.biostation-gt-bi.de/

Öffnungszeiten Bio-Station: Montags bis freitags 9-16 Uhr. Am Wochenende nach telef. Vereinbarung.

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