SCHLEIEREULEN IN DER URDENBACHER KÄMPE

DETEKTIVARBEIT MIT LUPE UND PINZETTE

Die Schleiereule macht Jagd auf Nager und Spitzmäuse.
Die Schleiereule macht Jagd auf Nager und Spitzmäuse.
In der hereinbrechenden Dämmerung verlässt sie ihr Versteck, um auf die Jagd zu gehen. Lautlos gleitet sie wenige Meter über dem Erdboden. Ihr feines Gehör ortet die Beute. Blitzschnell lässt sie sich aus dem Flug herabfallen und schlägt die scharfen Krallen in ihr Opfer – Schleiereulen sind geschickte Jäger. Um zu erfahren, was die Eulen erlegt haben, untersuchen Zoologen in der Urdenbacher Kämpe so genannte Gewölle aus der Scheune von "Haus Bürgel".

Der herzförmige Gesichtsschleier lenkt schwache Geräusche zu den Ohren.
Der herzförmige Gesichtsschleier lenkt schwache Geräusche zu den Ohren.
Die denkmalgeschützte Hofanlage liegt im Zentrum der Urdenbacher Kämpe, einem Abschnitt der Niederrhein-Aue bei Monheim. In dem Naturschutzgebiet haben seltene Tiere wie Eisvogel, Pirol, Schwarzmilan oder Wachtelkönig ein Refugium gefunden. Haus Bürgel selbst ist seit Jahrzehnten Brutplatz und Mittelpunkt eines Schleiereulenreviers. Wenn die Zoologen wissen wollen, welche Mäusearten in einem bestimmten Gebiet vorkommen, "fragen" sie am liebsten die Eulen. Diese verdauen ihre Beutetiere nämlich nicht spurlos, sondern speien Knöchelchen und Haare in Form von Gewöllen wieder aus. Wer darin "lesen" kann, erfährt fast alles über die Speisekarte der Eulen – und über die Artenvielfalt ihrer Opfer.

Im Winter ziehen sich die Eulen auch tagsüber in die Scheune zurück.
Im Winter ziehen sich die Eulen auch tagsüber in die Scheune zurück.
Die wurstförmigen, drei bis sieben Zentimeter langen Gewölle liegen zuhauf unter den Ansitzen und Schlafplätzen der Eulen. Noch Monate nach dem Entstehen der Speiballen finden sich darin intakte Mäuseknöchelchen. Beim jährlichen Großreinemachen der Eulenbrutkästen in der Scheune von Haus Bürgel lässt sich so die Nahrung der Vögel aus einer ganzen Saison dokumentieren. Die Artenvielfalt, die ans Licht kommt, ist erstaunlich: mindestens elf verschiedene Nager und Spitzmäuse, darunter vier Wühlmausarten, drei Arten von Langschwanzmäusen, Wanderratten sowie drei verschiedene Spitzmausspezies. Die Schädelknochen, die die Zoologen in den Gewöllen finden, ermöglichen es, bis zur Art genau zu bestimmen. Das Handwerkszeug: alte Zahnbürsten, Pinzetten und starke Lupen – die Merkmale zur Unterscheidung liegen im Zehntelmillimeterbereich. Das Sortieren der "Überreste" von Spitzmaus und Co. gleicht einem besonders komplizierten Puzzle.

Lautlose Jäger: Der Flug der Eule ist völlig geräuschlos.
Lautlose Jäger: Der Flug der Eule ist völlig geräuschlos.
Die Schleiereulen sind für die Mitarbeiter der Biologischen Station, die im Haus Bürgel ihren Sitz hat, selbstverständlich mehr als reine "Studienobjekte": Um die Eulen kümmern sie sich liebevoll. Die Tiere haben längst gelernt, dass von den Menschen keine Gefahr ausgeht. Im Gegenteil: Wo ein paar Getreidekörner abfallen oder Heu und Stroh lagern, sind kleine Nager nicht weit. Und so machen die Schleiereulen im Winter in der Scheune Beute, wenn sich die Mäuse draußen unter einer dicken Schneedecke verstecken.


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Im Auftrag der NRW-Stiftung hat das Institut für Kartographie und Geoinformation der Universität Bonn in Zusammenarbeit mit der Abteilung Geobotanik und Naturschutz zu diesem und weiteren Projekten der NRW-Stiftung ausführliche wissenschaftliche Informationen erstellt. Diese stellen die Flora und Fauna sowie die Vegetation des Naturschutzgebietes dar und setzen sich mit seiner Entwicklung, Pflege und Nutzung auseinander. [mehr]
Die NRW-Stiftung hat große Teile des Naturschutzgebietes Urdenbacher Kämpe gekauft. Sie hat außerdem das Bau- und Bodendenkmal Haus Bürgel erworben, das mitten in der Urdenbacher Rheinaue liegt. In der Scheune und im Turm des Gutshofes hat seit vielen Jahren auch die Schleiereule ihr Zuhause.

Googlemap aufrufenWeitere Informationen zum Haus Bürgel und zur Biologischen Station Urdenbacher Kämpe unter www.haus-buergel.de/ und www.biostation-uk.de

Öffnungszeiten:
sonntags von 14.30 bis 17.00 Uhr
Mai bis September auch mittwochs von 14.30 bis 17.00 Uhr

Zur Absicherung der Rheingrenze errichteten die Römer im 4. Jahrhundert ein Kastell, auf dessen Grundmauern Haus Bürgel entstand. Das Bau- und Bodendenkmal ist heute Sitz der Biologischen Station Urdenbacher Kämpe. Außerdem beherbergt es ein kleines Museum, das die wechselvolle Geschichte der nahezu 2.000-jährigen Besiedlung zeigt.
Die Biologische Station bietet regelmäßig naturkundliche Veranstaltungen an.

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