DINGDENER HEIDE BEI DINGDEN

ZEITREISE DURCH EINE KULTURLANDSCHAFT

Die blühende Pracht der Heide.
Die blühende Pracht der Heide.
Wer hat sich nicht schon einmal gefragt, wie die Umgebung vor einigen Jahrhunderten ausgesehen hat? War die Natur damals wild und wuchernd, floss der Bach in seinem natürlichen Verlauf und wie und wovon lebten die Menschen früher? Antworten auf diese Fragen gibt das Projekt "Dingdener Heide - Zeitreise in die Geschichte einer alten Kulturlandschaft". Auf einem Rundwanderweg durch das Naturschutzgebiet zwischen Bocholt und Wesel erleben Besucher die Entwicklung dieses Gebietes in seinen wesentlichen historischen Zeitstufen – vom Mittelalter bis heute.

Erst nach der Abholzung des Waldes entstand die Heide.
Erst nach der Abholzung des Waldes entstand die Heide.
Bereits vor Jahrhunderten haben Menschen in der Dingdener Heide gelebt und ihre Zeugnisse hinterlassen: Eschfluren, Bleicherden und andere Bodenspuren, alte Wegsysteme, Grenzwälle und Flurnamen erzählen die Geschichte der Gegend. Um die wichtigsten Epochen der Landschaftsgeschichte der letzten 650 Jahre anschaulich zu machen, ist ein Teilbereich der Umgebung in fünf Zeitzonen eingeteilt. Auf dem sechs Kilometer langen Rundwanderweg erklären fünf verschiedenen Stationen und Zeitfenster die Besonderheiten der Dingdener Heide und ihrer Geschichte. In jeder Zone rekonstruieren die Mitarbeiter des Naturschutzzentrums Wesel, wie die Landschaft zu einer bestimmten Zeit ausgesehen hat und wie die Menschen die Flächen genutzt haben. Damit eine authentische Rekonstruktion der Landschaft möglich ist, sammeln die Naturschützer entsprechende Fakten. An den Spuren im Erdboden erkennen die Helfer, was die Bauern angepflanzt und wie sie ihre Felder bearbeitet haben. Alte Grenzmarken verdeutlichen, wie sich die Besitzverhältnisse der Nutzflächen gewandelt haben. Darüber hinaus ergänzen Informationen und Material aus dem Selm-Selmschen Archiv in Dingden die Beobachtungen.

Der Vergangenheit auf der Spur
Der Vergangenheit auf der Spur
Die erste Zeitzone führt die Besucher in das Spätmittelalter. Damals waren Laubwälder schon selten, und an vielen Stellen breiteten sich bereits Buschwerk oder Zwergstrauchheiden aus. Diese Entwicklung setzte sich in der frühen Neuzeit fort. Die Waldflächen schrumpften und die Weideflächen für die Nutztiere vergrößerten sich. Dadurch entstanden bis weit ins 18. Jahrhundert große Heideflächen. Der Begriff Heide bezeichnete dabei keine bestimmte Vegetationsform, sondern eine Flur, die nicht beackert, sondern nur mit Schafen beweidet wurde. Weil im Laufe der Jahrhunderte der Wald zunehmend von der Heide verdrängt worden war, verödete das Land. Um auch das Problem der Holzknappheit zu lösen, pflanzten die Menschen im 19. Jahrhundert Nadelbäume an. In der dritten Zeitzone wandern die Besucher daher durch große Kieferforste. Die nächste Entwicklungsstufe setzte nach dem ersten Weltkrieg ein. Die Landwirte setzten damals auf eine intensive Viehwirtschaft. Daher prägten Viehweiden und Heuwiesen das Gesicht der Dingdener Heide. In der Gegenwart, verdeutlicht in der fünften Zeitzone, ist von den riesigen Heideflächen aus dem 19. Jahrhundert bis auf einen winzigen Rest so gut wie nichts mehr übrig. Weil sich die Landwirte in den 1960er Jahren auf die Massentierhaltung spezialisierten, stieg der Bedarf an energiereichen Futtermitteln. Um die große Nachfrage zu stillen, brachen die Bauern immer mehr Grünland um und bestellten diese Flächen mit Mais. Bis heute setzt sich dieser Trend fort.

Landwirtschaft im Zeitalter der modernen Landnutzung.
Landwirtschaft im Zeitalter der modernen Landnutzung.
Die Zeitreise durch die Dingdener Heide verdeutlicht, wie und warum sich die Vegetation immer wieder gewandelt hat: Aus der Heide wurde Wald, Wald wurde wieder zu Weide und Wiesen wurden zu Ackerland. Wie das ländliche Leben aussah, wird beispielhaft an einzelnen Familien und Höfen dargestellt. "Der Rundwanderweg ist ein wichtiger Schritt, um die wechselvolle Geschichte der Dingdener Heide kenne zu lernen", so Franz Kniola, Präsident der NRW-Stiftung. Das Projekt ist außerdem ein Beleg für die Bemühungen der NRW-Stiftung, nicht nur klassischen Naturschutz zu betreiben, sondern stets Natur und Kultur gemeinsam zu denken und die Landschaft für die Menschen erlebbar zu machen.

Kindergruppen erkundeten den neuen Wanderweg bei einer Rallye.
Kindergruppen erkundeten den neuen Wanderweg bei einer Rallye.
Als Alternative zum sechs Kilometer langen Rundwanderweg wurde ein kleiner Rundwanderweg durch die Dingdener Heide eröffnet. Trotz kürzerer Wanderstrecke führt auch er an allen fünf Zeitfenstern vorbei und eignet sich damit besonders gut für Kinder. Natürlich ließ es sich auch Wendelin Haverkamp, der sich seit über 11 Jahren für sein Patenprojekt engagiert, nicht nehmen, den Wanderweg zu eröffnen. Weitere Informationen über das Projekt gibt die Broschüre "Dingdener Heide - Eine Zeitreise in die Geschichte einer alten Kulturlandschaft".


Broschüre [PDF, 2 MB]
Blick in die Zeiten

Die Aussichtsplattform bietet ihren Besucher einen hervorragenden Blick über das Heidegebiet.
Die Aussichtsplattform bietet ihren Besucher einen hervorragenden Blick über das Heidegebiet.
In der von NRW-Stiftung, dem NABU und der Biologischen Station Wesel entwickelten "Kultur-Erlebnislandschaft" in der Dingender Heide bei Hamminkeln bietet jetzt eine etwa fünf Meter hohe Aussichtskanzel im "rheinländischen" Teil den Besuchern einen faszinierenden Blick bis weit in den "westfälischen" Teil des Gebietes.

Der neue Ausblick liegt abseits der Straße "Zum Venn", verborgen hinter Bäumen. Wanderer und Vogelfreunde, die hier in Ruhe die Tier- und Pflanzenwelt in den angrenzenden Feuchtwiesen beobachten möchten, können dies ungestört tun, ohne dabei gesehen zu werden.

Die Dingdener Heide ist geprägt von Eschfluren, Bleicherden und anderen Bodenspuren. Alte Wegsysteme, Grenzwälle und Flurnamen zeugen bei einem Rundgang von der Jahrhunderte alten Geschichte des Gebietes.

Stand der Angaben: Magazin der NRW-Stiftung 3/2010


Kommentare

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11.10.2015, Ansgar Asche

Hallo liebe Stiftungsleute,
ein schöner Text rund um die Dingdener Heide macht Lust auf eine Wanderung über den erwähnten Rundweg. Der ist aber so schlecht ausgeschildert, dass diese Wanderung und das gewünschte Erlebnis einer Zeitreise leider unmöglich wird. Ohne Kartenmaterial wandert man dann ziellos durch die Agrarlandschaft und ärgert sich.

Also meine Empfehlung: Einen definierten Startpunkt benennen, dort eine Karte aufstellen und dann den Rundweg mit Pfeilen an den Symbolen ausstatten [...] mehr


Dingdener Heide - Geschichte einer Kulturlandschaft

PDF (2 MB)
Das Projekt "Dingdener Heide - Geschichte einer Kulturlandschaft" ist ein Gemeinschaftsprojekt der NRW-Stiftung Naturschutz, Heimat- und Kulturpflege, des NABU Landesverbandes NRW und des Landes Nordrhein-Westfalen. Es wird durch die Biologische Station Wesel betreut. Pate der Dingdener Heide ist der Kabarettist Wendelin Haverkamp.

Googlemap aufrufenBiologische Station im Kreis Wesel e.V.
Tel.: 02 81 / 962520
www.dingdenerheide.de

Besucher erreichen die Dingdener Heide mit dem Auto über die A 3, Abfahrt Hamminkeln, dann weiter über die B 473 bis nach Dingden oder von Borken aus über die B 67.

Rundwanderweg: In Dingden, Kreisverkehr Richtung Akademie Klausenhof, dort auf der Klausenhofstraße etwa 1,5 Kilometer geradeaus.

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