BÜRGERHAUS IN WARENDORF

BIEDERMEIER IST NICHT BIEDER

Typische Einrichtung im Biedermeierstil
Typische Einrichtung im Biedermeierstil
Das neu eingerichtete Zimmer im Biedermeierstil ist alles andere als bieder. Die Hauptattraktion der guten Stube ist ein prächtiges Mahagonisofa, das die früheren Eigentümer einst für dieses Haus angeschafft hatten. Das Sofa war zwischenzeitlich in verschiedenen anderen Gebäuden untergebracht und ist zuletzt auf einem Warendorfer Dachboden fast in Vergessenheit geraten. Frisch restauriert steht es jetzt in dem Zimmer im Warendorfer Bürgerhaus. Das Haus an der Klosterstraße beherbergt noch weitere Schätze aus dieser Zeit. Sie zeugen davon, dass wohnen um 1840 mehr bedeutete als sich häuslich einzurichten. Gäste können erahnen, dass die Zeit des Biedermeier eine ziemlich gerade Körperhaltung voraussetzte...

Ein original Empire-Ofen
Ein original Empire-Ofen
Insgesamt fünf Gebäude sind in der Altstadt von Warendorf wie mit einem roten Faden miteinander verbunden und machen die verschiedenen Epochen der Stadtgeschichte nachvollziehbar. Die liebevoll im Biedermeierstil eingerichtete Stube zählt zu den Stationen dieser Reise in eine vergangene Welt. Sie zeigt die Wohnsituation aus der Zeit um 1840 mit Porzellan, Kronleuchter und dem Empire-Ofen, als das Warendorfer Bürgerhaus noch in Privatbesitz war.

Durch zahlreiche Spenden, Leihgaben und nicht zuletzt durch das unermüdliche Engagement haben die Altstadtfreunde und der Heimatverein Warendorf ein Kapitel begehbarer Geschichte geschaffen. "Ohne die vielen freiwilligen Helfer, die tatkräftig bei der Restaurierung mitgearbeitet haben, wäre die Realisierung des Projekts nicht möglich gewesen", berichtet Alfred G. Smiesiczchala, der stellvertretende Vorsitzende der Altstadtfreunde.

Die Mitglieder der Warendorfer Vereine, die ehrenamtlich durch die Räume führen, weisen stolz auf die Biedermeier-Vitrinen hin, in denen wertvolle Originalbücher aus jener Epoche liegen: "Ciceros Briefe" von Wieland, die Geschichte des Kaisers Napoleon oder Klopstocks "Oden". Das Wertvollste in der Stube aber sind fünf Gemälde, allesamt Originale aus der Zeit um 1840.

Altstadtfreunde: Bernhard Schnitker, Norbert Funken und Alfred G. Smiesiczchala
Altstadtfreunde: Bernhard Schnitker, Norbert Funken und Alfred G. Smiesiczchala
Eine ganz besondere Attraktion in dem Bürgerhaus sind die berühmten Panorama-Tapeten. Im Gartensaal und in dem benachbarten Salon befinden sich handgedruckte Bildtapeten, die 1823 und 1824 in der Pariser Manufaktur "Dufour et Leroy" hergestellt wurden. Während im Gartensaal "Die Inkas oder die Zerstörung des Reiches Peru" dargestellt sind, zeigt die Tapete im Salon die Geschichte des "Telemach auf der Insel Kalypso". Beide Bildtapeten gehen auf die Romanerzählungen französischer Schriftsteller zurück. Durch die Ausstattung mit Panorama-Tapeten holten sich die Bewohner damals ein Stück für sie oft unerreichbare, "fremde Welt" in ihr Haus. Heute, im Zeitalter von Flugreisen und Ferntourismus, liegt diese fremde Welt viel näher. Besucher entdecken sie beispielsweise auf einer Reise in die Vergangenheit – im Bürgerhaus Warendorf.


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Die NRW-Stiftung hat die beiden Vereinen Altstadtfreunde Warendorf e.V. und Heimatfreunde Warendorf e.V. bei der Einrichtung des Biedermeierzimmers im Bürgerhaus an der Klosterstraße und der Restaurierung der Bildtapeten unterstützt.

Bürgerhaus des Klassizismus
Klosterstraße 7
48231 Warendorf
Tel.: 02 58 1/19 43 3
Web: www.heimatvereinwarendorf.de
oder direkt www.heimatvereinwarendorf.de/stadtmuseum-warendorf/tapetensaal.htm

Öffnungszeiten:
sonn- und feiertags von 15 bis 17 Uhr.
Am Tag des offenen Denkmal
(2. Sonntag im September) schon ab 11 Uhr.
Am 1. Januar, 24./25./26. Dezember geschlossen.

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