SCHLEIPER HAMMER IN GRÜNENBAUM

BEEINDRUCKENDE DRUCKTECHNIK

Die wuchtigen Pressen haben eine ungeheure Druckkraft.
Die wuchtigen Pressen haben eine ungeheure Druckkraft.
Druck - viel Druck braucht es, um das zähe Bakelit in eine haltbare Form zu bringen. Mit einer Kraft von bis zu 500 Tonnen formten in Kierspe einst wuchtige, wasserbetriebene Hammerpressen das spröde Material zu filigranen Uhrengehäusen, Gebäckschalen und Rasier-Sets. Im Schleiper Hammer ist die beeindruckende Technik aus den 1930er Jahren, der Blütezeit der Bakelitfertigung, noch heute zu bestaunen.

"Es brennt nicht, es schmilzt nicht, es ist eine festgewordene Masse, gelblich und hart, das sieht vielversprechend aus", notierte Leo Hendrik Bakeland im Jahr 1909 voller Begeisterung über seine neue Erfindung. Er hatte Phenol, Formaldehyd und einige andere Bestandteile miteinander vermengt, erhitzt und schließlich in eine Form gepresst. Damit hatte Bakeland den weltweit ersten industriell produzierbaren Kunststoff erfunden: Bakelit.

Auch die Verarbeitung von Metall zeigen die "Schmiedeväter".
Auch die Verarbeitung von Metall zeigen die "Schmiedeväter".
Das Material löste eine Revolution in der Produktion von technischen Artikeln aus. Ob Schreibmaschinen oder Fotoapparate, Lichtschalter oder Stempelhalter – zahllose Produkte wurden ab 1910 aus ihm hergestellt. Die Hochburg der deutschen Bakelitherstellung lag in Kierspe und in Lüdenscheid. Allein in Kierspe existierten in den ersten Jahrzehnten des vergangenen Jahrhunderts mindestens 36 Betriebe mit bis zu 500 Pressen. Doch in den 1960er Jahren sank der Stern des Bakelits wieder, die Industrie stellte auf modernere Kunststoffe um.

Im idyllischen Kiersper Ortsteil Grünenbaum liegt der Schleiper Hammer.
Im idyllischen Kiersper Ortsteil Grünenbaum liegt der Schleiper Hammer.
Denn Bakelit ist anspruchsvoll in der Verarbeitung. Das können Besucher des Schleiper Hammers noch heute erleben: In Kierspe-Grünenbaum hat der Heimatverein der Stadt ein wassergetriebenes Hammer- und Presswerk aus dem frühen 19. Jahrhundert wieder in Betrieb genommen. An der so genannten Kniehebelpresse demonstrieren die Vereinsmitglieder, wie das Material verarbeitet wird: Sie füllen das Bakelit in eine Form, drücken den schweren Hebel hinunter und setzen die Presse in Gang. Binnen weniger Minuten entsteht aus dem Rohstoff ein rotbraun melierter Eierbecher.

Alte Technik wird im Schleiper Hammer zum Erlebnis.
Alte Technik wird im Schleiper Hammer zum Erlebnis.
Neben den Bakelitpressen aus den 1930er Jahren stehen im Schleiper Hammer auch alte Feder- und Fallhämmer, mit denen die "Schmiedeväter" des Heimatvereins die traditionsreichen Techniken der Metallverarbeitung lebendig erhalten. Eisen nämlich hat just an jener Stelle, an der heute das Museum liegt, schon viel länger eine wichtige Rolle gespielt als das vergleichsweise "junge" Bakelit: Auf dem Gelände fanden sich die Reste einer Hütte, die an die Eisenverarbeitung in der Region seit dem 13. Jahrhundert erinnert. Und damals dürfte wohl niemand auch nur im Traum an Eierbecher aus Bakelit gedacht haben...


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Der Eintritt ist generell frei.

Bei vielen Projekten erhalten die Mitglieder des Fördervereins vergünstigten Eintritt. [mehr]
Die NRW-Stiftung hat die Einrichtung des Schleiper Hammers als technisches Denkmal gefördert.

Googlemap aufrufenSchleiper Hammer
(ehem. Hammerwerk/Bakelite-Presserei)
Schleipe 3
58566 Kierspe-Schleipe
Telefon: 0 23 59 / 27 44
www.kierspe.de

Die Zufahrt ist im Ortsteil Grünenbaum (B 54) ausgeschildert.

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