OBERES AHRTAL BEI AHRHÜTTE

VON WIDDERCHEN UND WARZENBEISSERN

Sie sind abgelegen und dünn besiedelt, die Täler rund um die Ahr bei Blankenheim. Hier, im nordrhein-westfälischen Teil der Eifel, wurden die Bachauen und Hanglagen noch nie intensiv bewirtschaftet. Was für die Natur wiederum ein echter Glücksfall ist: An den Steilhängen und auf den Wiesen des Oberen Ahrtals leben seltene Tiere und Pflanzen in eindrucksvoller Zahl.

An vielen Orten südöstlich von Blankenheim sprudeln Quellen aus dem über 300 Millionen Jahre alten Gestein. Kleine saubere Bäche schlängeln sich hinunter zur Ahr. Die Landschaft ist hier von Steilhängen ebenso geprägt wie von sanft geneigten Hügeln und Hochflächen. Laub- und Mischwälder wechseln mit Kalkmagerrasen.

Auf den Kalkmagerrasen des Ahrtals zuhause: Wacholder
Auf den Kalkmagerrasen des Ahrtals zuhause: Wacholder
Wegen der geologischen und klimatischen Gegebenheiten in der Eifel blieb hier eine Kulturlandschaft erhalten, die ganz besondere Bedingungen für Flora und Fauna bietet. Die Vielfalt ist außerordentlich groß: Das obere Ahrtal beheimatet mehr als 700 Arten von Farn- und Blütenpflanzen, darunter etwa 20 Orchideenarten. Fast 70 Falter- sowie 25 Ameisen-, 19 Heuschrecken- und etwa 90 Brutvogelarten sind hier zuhause. Dazu kommen einige Reptilien- und Fledermausarten.

Glücklicherweise ist den Menschen in der Eifel der Sinn für die Schönheit der Landschaft und die Schutzwürdigkeit der Natur niemals verloren gegangen. Mit dem Projekt "Ahr 2000" wurde das Tal in ein Förderprogramm des Bundes aufgenommen, das schutzwürdige Teile von Natur und Landschaft sichert.

Heuschrecke mit sonderbarem Namen: der Warzenbeißer
Heuschrecke mit sonderbarem Namen: der Warzenbeißer
Schutzwürdiges findet sich hier in Hülle und Fülle: An den Ackerrändern wächsen der Großblütige Frauenspiegel und das Sommer-Adonisröschen, auf den Kalkmagerrasen sorgen Hufeisenklee, Tauben-Skabiose und Deutscher Enzian für wechselnde Farbakzente. Viele von ihnen sind wahre Durstkünstler. Zum Beispiel die Echte Kugelblume. Sie holt sich auch an den trockensten Stellen noch ausreichend Feuchtigkeit aus dem Boden. Kein Wunder - bei bis zu einem Meter langen Wurzeln.

Neben Orchideen wie dem Kleinen Knabenkraut und der Pyramidenorchis wächst im Ahrtal auch die Große Mücken-Händelwurz. Wenn diese kniehohe Orchideenpflanze ihre rosa-violetten Blüten öffnet, werden Schmetterlinge wie Dickkopffalter oder Widderchen angelockt. Außer den Schmetterlingen leben im Naturschutzgebiet auch Heuschrecken in großer Fülle – etwa der Warzenbeißer. Er trägt seinen sonderbaren Namen, weil er früher angeblich zum Veröden von Warzen benutzt wurde. Der Silbergrüne Bläuling schließlich ist ein Falter der ganz besonderen Art: Seine Raupen gehen eine Symbiose mit Ameisen ein: Die Ameisen "beschützen" die Raupen – und erhalten von diesen zum "Dank" ein zuckerhaltiges Sekret.

Aber nicht nur auf den Magerrasen, sondern auch unmittelbar an der Ahr und ihren Nebenbächen herrscht reges Leben: In den Uferzonen brüten Eisvogel, Wasseramsel und Gebirgsstelze. Und im kühlen Nass des Flusses fühlen sich dank der hohen Wassergüte Bachforelle, Groppe und andere Fische wohl. In einigen Seitenbächen gibt es sogar den stark gefährdeten Edelkrebs. Die gesamte Schönheit der Natur im Ahrtal erschließt sich den Besuchern auf einem Rundweg, der mitten durch das Gebiet führt.


Kommentare

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11.03.2016, Solveig Kukelies

Eine wunderbare Region mit einer Vielfalt an Pflanzen. Für mich als naturbegeisterte Wanderin ein jährliches \"MUSS\" um dort die herrliche Landschaft immer wieder zu geniessen. Besonders gut hat mir auch im Jahr 2014 die Exkursion unter der Leitung von Prof. Dr. Wolfgang Schumacher gefallen. Diese Veranstaltung war sehr interessant und aufschlußreich!


Im Auftrag der NRW-Stiftung hat das Institut für Kartographie und Geoinformation der Universität Bonn in Zusammenarbeit mit der Abteilung Geobotanik und Naturschutz zu diesem und weiteren Projekten der NRW-Stiftung ausführliche wissenschaftliche Informationen erstellt. Diese stellen die Flora und Fauna sowie die Vegetation des Naturschutzgebietes dar und setzen sich mit seiner Entwicklung, Pflege und Nutzung auseinander. [mehr]
Die NRW-Stiftung hat knapp 50 Hektar naturschutzwürdige Flächen im Oberen Ahrtal erworben, um die wichtigen Biotope für seltene Tiere und Pflanzen zu sichern.

Googlemap aufrufenBiologische Station im Kreis Euskirchen e.V.
Steinfelder Str. 10
53947 Nettersheim
Tel.: 02 48 6/95 07 12 (werktags, Dieter Pasch) und 02 48 6/95 07 14 (werktags, Ursula Franke)
E-Mail: BioStationEuskirchen@t-online.de
Web: www.biostationeuskirchen.de
www.ahr-2000.de

Öffnungszeiten Biologische Station:
montags bis freitags, 8 bis 16 Uhr

Startpunkt: Steinbruch an der B 258 zwischen Ahrhütte und Abzweigung Freilingen

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