NATURSCHUTZGEBIET STILLEKING

AREAL FÜR DEN AUEROCHSEN

Natur pur im Naturschutzgebiet "Stilleking"
Natur pur im Naturschutzgebiet "Stilleking"
Still ist es im Stilleking tatsächlich. Vom Zwitschern der Vögel und dem Rauschen des Waldes einmal abgesehen. Das weitläufige Areal, am südlichen Stadtrand von Lüdenscheid gelegen, ist ganz in der Hand der Natur. Da fällt es schwer zu glauben, dass hier noch in den 1990er Jahren Panzerfahrzeuge lärmten und den Boden aufwühlten.

Heute ist der ehemalige Truppenübungsplatz ein Naturschutzgebiet, das zahlreiche gefährdete Pflanzen- und Tierarten beheimatet. Bereits seit den 1930er Jahren war der Stilleking militärisch genutzt worden. Da aus diesem Grund eine landwirtschaftliche Düngung der Flächen unterblieb, konnten sich auf dem Gelände – abseits der Panzertrassen – ganz besondere Lebensräume für seltene Pflanzen und Tiere entwickeln.

Ein Nachfahr des Auerochsen: das Heckrind
Ein Nachfahr des Auerochsen: das Heckrind
Nachdem die Panzer den Stilleking im Jahre 1992 endgültig verlassen hatten, übernahmen Flora und Fauna vollständig das Kommando. Ein Großteil des Areals wurde in ein Naturschutzgebiet umgewandelt. Heute ist der Stilleking auf einer Fläche von insgesamt 153 Hektar von ausgedehnten Magerweiden und Zwergstrauchheiden geprägt. Hier sind bedrohte Vogelarten zuhause wie der Wiesenpieper oder die Feldlerche zuhause, die ihre Nester stets am Boden bauen. Auch seltene Pflanzen haben auf dem ehemaligen Truppenübungsplatz eine Heimat gefunden – etwa das Quendelblättrige Kreuzblümchen oder der Behaarte Ginster.

Zuchtbulle "King Stilli"
Zuchtbulle "King Stilli"
Die unumstrittenen "Stars" des großen Naturschutzgebietes sind jedoch die Heck-Rinder. Diese robuste Rasse ist den ausgestorbenen Auerochsen ähnlich und nach den Züchtern – den Gebrüdern Heck – benannt. Im Stilleking lebt eine Herde Heck-Rinder ganzjährig im Freien. Mit ihrem ausgeprägten "Appetit" tragen die Heck-Rinder sehr erfolgreich zur natürlichen Pflege der Gebiete bei. In den Stilleking kamen die nachgezüchteten "Ur-Tiere" im Frühjahr 2002. Rasch wurden sie zur Hauptattraktion für Tierliebhaber und Naturfreunde, die vor allem am Wochenende in großer Zahl in das Naturschutzgebiet kommen.

Durch das gesamte Areal zieht sich ein Netz mehrerer Rundwege von unterschiedlicher Länge. Die Besucher erhalten auf ihrem Marsch durch den Stilleking viele Informationen über die verschiedenen Sehenswürdigkeiten.
DER KÖNIG VOM STILLEKING

Die Idylle im Naturschutzgebiet lädt zum Entspannen ein
Die Idylle im Naturschutzgebiet lädt zum Entspannen ein
Majestätisch überragt er seine Herde: King Stilli, der neue Zuchtbulle der Heckrinder im Naturschutzgebiet Stilleking am südlichen Stadtrand von Lüdenscheid. Erst im vergangenen Herbst hat er im Sauerland Einzug gehalten. Zuvor lebte der knapp fünf Jahre alte Heckrind-Bulle – damals noch unter dem Namen Ludwig – in Bayern und Hessen. Jetzt soll King Stilli tatkräftig für die Bestandssicherung und das Wachstum der Herde im Stilleking sorgen, die derzeit rund 40 Tiere zählt.

Die Heckrinder, eine Rückzüchtung des Auerochsen, wurden dort bereits 2002 vom Märkischen Kreis angesiedelt. Sie leben auf einem rund 60 Hektar großen, eingezäunten Areal, das NRW-Stiftung, Stadt Lüdenscheid und Förderverein Naturschutz Märkischer Kreis gemeinsam gekauft haben. Zuvor hatte das Naturschutzgebiet auf dem ehemaligen Truppenübungsplatz erheblich gelitten, da Spaziergänger, Reiter oder Mountainbiker das Naherholungsgebiet kreuz und quer nutzten. Dadurch ging unter anderem die Zahl der bodenbrütenden Vögel stark zurück. Hilfe bekommen sie am Stilleking jetzt von den Heckrindern. Die Tiere ernähren sich in erster Linie von Süß- und Sauergräsern sowie dünneren Gehölzen. Ihr Appetit verhindert das Wachstum von Sträuchern und Büschen, und so erhalten sie eine offene Weidelandschaft. Seit der Ankunft der Heckrinder haben sich im Stilleking Vogelarten wie Neuntöter und Wiesenpieper deutlich erholt. Auch viele Pflanzenarten, darunter das Quendelblättrige Kreuzblümchen oder der Behaarte Ginster, breiten sich wieder aus.

Nach fünf Jahren war es jedoch Zeit für frisches Blut. Jetzt hat King Stilli das Zepter in der Hand, auch wenn er die Rolle des Herdenchefs einer älteren Kuh namens Lydia überlassen musste, und die Herde zunächst zurückhaltend auf ihn reagierte. Was sich jedoch in jedem Jahr zur Deckzeit im Frühjahr ändert, wenn er seiner eigentlichen Aufgabe nachgeht. In Lüdenscheid wird King Stilli etwa bis 2011 als Zuchtbulle eingesetzt werden. Danach warten wieder neue Herausforderungen in einem anderen Naturschutzprojekt auf ihn.


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Die Nordrhein-Westfalen-Stiftung hat den Ankauf des Naturschutzgebiets Stilleking mitfinanziert.

Googlemap aufrufenNaturschutzzentrum Märkischer Kreis
Grebbecker Weg 3
58509 Lüdenscheid
Tel.: 0 23 51/43 24 24 0 (werktags, Hans Obergruber)
E-Mail: info@naturschutzzentrum-mk.de
Web: www.naturschutzzentrum-mk.de

Öffnungszeiten:
Montags bis donnerstags 8-16.30 Uhr
freitags 8-14 Uhr

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