LANDKAUF IM UNNAER OSTEN

JEDER METER ZÄHLT

Karl-Heinz Albrecht in freier Natur
Karl-Heinz Albrecht in freier Natur
Der gelernte Ingenieur Karl-Heinz Albrecht hat für jedes Problem eine Lösung. Fast für jedes. Bei den ersten selbst gebauten Nistkästen fehlte ihm nur etwas Erfahrung. Doch wozu kannte er die Kollegen seiner Lehrfirma, die an der Drehbank arbeiteten? Ihnen brachte er eine ganze Wagenladung eines zersägten Birnbaumstammes. In der Werkstatt wurde dann Höhle für Höhle aus den Stammstücken gefräst. Ein Kasten Bier entschädigte die Kollegen für die Berge von Holzspänen. Weshalb Albrecht begann, sich im Kreis Unna-Mühlhausen für den Schutz der Natur zu engagieren? Karl-Heinz Albrecht hat eine entwaffnend einfache Begründung: "Ich bin doch von hier!"

Freiwillige Helfer sind zahlreich vertreten.
Freiwillige Helfer sind zahlreich vertreten.
Es passte Albrecht einfach nicht, dass zuerst die Blumen, Frösche und Vögel aus den Wiesen verschwanden und dann die Wiesen selbst. Und dass er für die Kopfweiden in der Umgebung etwas übrig hatte, merkte er, als immer mehr Bäume auseinander brachen und nicht nachgepflanzt wurden. Darüber sprach er mit Freunden und Nachbarn. Albrecht trommelte zwei Dutzend Bekannte zusammen, und einen Tag lang beschnitt man die Bäume am Ortsrand. Was 1980 nach einer Eintagsfliege aussah, ist mittlerweile Dorftradition wie anderswo Schützenball oder Feuerwehrfest. Immer am ersten Samstag im Jahr ist "Tag der Weide". Dann rücken zwischen 50 und 100 Helfer an, um die Bäume zu schneiteln und neue zu pflanzen. Bauern helfen mit Treckern und Motorsägen. Längst hat sich das Pflegerevier bis zu den Nachbargemeinden ausgedehnt, und neben dem Tag der Weide gibt es viele andere Aktivitäten.

Auch Feuchtbiotope gehören zum Naturschutzgebiet.
Auch Feuchtbiotope gehören zum Naturschutzgebiet.
Den Schwerpunkt ihrer Arbeit sehen die Mühlhausener in der Aufwertung "ihres" Naturschutzgebiets, der Uelzener Heide-Mühlhauser Mark. Schon lange bevor dort ein Naturschutzgebiet ausgewiesen wurde, hatten sich Albrecht und seine Freunde für eine naturnahe Landwirtschaft engagiert. Als sie 1988 die erste Fläche, den "Rebhuhnacker", kauften, hielt man sie noch für Spinner. Aber es ging ja nicht um materielle Werte. Die Naturschützer hatten das Ziel, den Acker wieder in Grünland umzuwandeln, den Teich, der früher existiert hatte, wieder anzulegen und Kiebitz und Laubfrosch vor ihrer Vertreibung zu retten. Für weitere Landkäufe verbündete sich Albrecht mit dem Kreisverband Unna des NABU. Mittlerweile lacht niemand mehr über die Initiative der Mühlhausener. Insgesamt 19 Parzellen mit einer Gesamtfläche von über 270.000 Quadratmetern nennen sie ihr Eigen. Sie legten Teiche an und befreiten etliche Quellen und mehrere hundert Meter Bach aus ihren Betonröhren. Mithilfe ansässiger Bauern regelten die Naturschützer eine naturverträgliche Bewirtschaftung der Weiden.

Arbeiten, um die Natur zu schützen.
Arbeiten, um die Natur zu schützen.
Das Geld für den Landkauf stammt zu einem großen Teil aus Spenden. Albrecht gründete dafür extra eine Stiftung. Jeder Spender erhält öffentlich Dank und Lob, sei sein Beitrag noch so bescheiden.
Für 30 Euro lassen sich wieder zehn Quadratmeter Naturschutz verwirklichen. Jeder Spender wird Pate für den Boden, der von seinem Geld gekauft wurde. Schulklassen, Vereine, Firmen und viele Privatleute haben sich die schmucke Patenschafts-Urkunde gerahmt an die Wand gehängt. Der Erfolg der Umweltschützer in Unna-Mühlhausen hat viele Unterstützer. Aber keiner ist so begeistert und unermüdlich wie Karl-Heinz Albrecht. Sein ansteckender Optimismus und sein Tatendrang reißen auch viele andere mit. Aber sich selbstzufrieden zurückzulehnen, das ist nicht seine Art. Lieber lernt er noch etwas Neues. Mit weit über 50 fragte er Karl Kötter, einen befreundeten Landwirt, ob er bei ihm Trecker fahren lernen könnte – für die vielen Landschaftspflege-Aktionen. Karl Kötter hatte nichts dagegen. Und Albrecht freute sich wie ein Kind: "Datt macht mir Spaß!"


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Karl-Heinz Albrecht und die Mitglieder seines Heimatvereins haben mit ihrer Arbeit schon viele überzeugt: Mit Einzelspenden und Zuschüssen der NRW-Stiftung konnten im Osten von Unna rund 275.000 Quadratmeter Fläche erworben werden. Gemeinsam mit dem NABU-Kreisverband Unna betreuen die zahlreichen ehrenamtlichen Helfer die Grundstücke für den Natur- und Landschaftsschutz.

Eigentlich ist sie ein ziemlich ausgeräumter Landstrich, die fruchtbare Hellweg-Börde im "Vorgarten" des Sauerlandes. Die Lössböden sind ertragreiche Standorte für Zuckerrüben und Getreide. Wiesen und Weiden sind eher Mangelware, und im "Ranking" des Waldanteils aller nordrhein-westfälischen Kreise gehört Unna mit nur sechs Prozent Waldflächen zu den Schlusslichtern. Die Umgebung von Mühlhausen fällt da etwas aus dem Rahmen, denn ein höherer Grundwasserstand bedingt hier mehr Grünland. Geradezu berühmt sind Mühlhausen und der benachbarte Ortsteil Uelzen wegen ihres Reichtums an artesischen Quellen. An 40 Stellen sprudelt das Wasser aus dem Boden. Viele der Quellen sind jetzt in das Naturschutzgebiet "Uelzener Heide-Mühlhauser Mark" einbezogen, ein Biotopkomplex aus Grünland, Laubwäldern und Hecken, Bächen und Röhrichten. Zu seinen Bewohnern gehören viele gefährdete Pflanzen- und Tierarten. Laubfrosch, Kammmolch, Eisvogel, Rebhuhn und Nachtigall sind nur einige von ihnen.

Weitere Informationen erhalten Sie über:
Karl-Heinz Albrecht
Bruchstr. 27
59425 Unna
Telefon: 02 30 3/46 35
E-Mail: info@nabu-unna.de
Web: www.nabu-unna.de

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