GEHRMKER HIUS IN LÜBBECKE

SCHWARZ-WEISSES JUWEL

Fachwerkhäuser dieser Art sind typisch für die Gegend.
Fachwerkhäuser dieser Art sind typisch für die Gegend.
Dicht gedrängt sitzt die Bauernfamilie um den Ofen, die einzige Wärmequelle im Haus. Hier im Flett, dem hinteren Teil des überdachten Innenhofes, ist es zugig und kalt – um Geld zu sparen wird kaum geheizt. Doch zum Aufwärmen bleibt ohnehin nicht viel Zeit: Die Arbeit wartet, Muße ist purer Luxus. Besucher des historischen Fachwerkgebäudes "Gehrmker Hius" in Lübbecke erleben, wie hart und entbehrungsreich der bäuerliche Alltag vor etwa hundert Jahren war.

Diese "Zeitreise" hat der Heimatverein Gehlenbeck e.V. ermöglicht. Im Jahr 2001 erwarb er das vom Verfall bedrohte Haus und steckte viel Zeit und Kraft in die Renovierung. Für Friedrich-Wilhelm Bartmann, den Vereinsvorsitzenden, ein lohnender Aufwand: "Wir hatten mit dem Gehrmker Hius ein außerordentlich gut erhaltenes, seltenes Juwel gefunden, das wir wieder auf Vordermann bringen und so unsere Heimatgeschichte lebendig halten wollten." Nun ist das 1798 erbaute Haus vollständig renoviert und auch die 100 Jahre alte Einrichtung um etliche Gegenstände erweitert. Das ganze Dorf hat mitgeholfen, ein beeindruckendes Kulturdenkmal zu schaffen. Wer durch die große zweiflügelige Tür in den Innenhof tritt, fühlt sich, als sei hier irgendwann um 1900 die Zeit stehen geblieben.

Anschaulicher Geschichtsunterricht im Gehrmker Hius
Anschaulicher Geschichtsunterricht im Gehrmker Hius
Im vorderen Teil der Deele, wie der große überdachte Innenhof genannt wurde, spielte sich das Arbeitsleben ab. Hier wurde Korn gedroschen oder Heu eingefahren, rechts und links gingen die Stallungen ab. Der Flett, der hintere Teil der Deele, war Küche, Arbeits- und Wohnzimmer in einem. In einer Ecke stehen noch Kochmaschine und "Schweinepott", der Herd für das Schweinefutter. Die wenigen Zimmer des Hauses – Schlafstube, Arbeitszimmer und Kammer – sind nur mit dem Nötigsten eingerichtet: Bett, Schränke und wenig Spielzeug für die Kinder. "Die Stube wurde nur zu ganz besonderen Anlässen genutzt, zu Ostern oder an Weihnachten", erzählt Friedrich-Wilhelm Bartmann vom harten Alltag im Gehrmker Hius.

Doch in Lübbecke gibt es Regionalgeschichte nicht nur zum Sehen: Die Dorfgemeinschaft nutzt das renovierte Gebäude als Heimathaus für Veranstaltungen, Dorffeste und gemütliche Klönabende op Platt – ganz wie früher, als hier noch eine Bauernfamilie lebte. Im Dachgeschoss wurde zudem ein Ausstellungsraum geschaffen, in dem historische Geräte und andere Erinnerungsstücke an die Vergangenheit präsentiert werden.


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Der Eintritt ist generell frei.

Bei vielen Projekten erhalten die Mitglieder des Fördervereins vergünstigten Eintritt. [mehr]
In nur vier Jahren hat der Heimatverein Gehlenbeck e.V. – tatkräftig unterstützt von vielen Dorfbewohnern – das denkmalgeschützte "Gehrmker Hius" renoviert. Die NRW-Stiftung hat sich an den Kosten beteiligt. In einem zweiten Schritt wurde mit Mitteln der NRW-Stiftung eine neue Betontreppe zum Dachgeschoss eingebaut, das nun als Ausstellungsraum genutzt wird.

Googlemap aufrufenGehrmker Hius
Lindenstraße 45
32312 Lübbecke
Telefon: 0 57 41 / 6 10 97 und 68 92
www.gehrmke.de
Besichtigung nur nach Absprache

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