HERRLICHKEITSMÜHLE IN ISSUM

DENKMAL AUF DEM HÜGEL

Die Mühlenhaube mit der Technik Leonardo da Vincis.
Die Mühlenhaube mit der Technik Leonardo da Vincis.
In schwindelnder Höhe klettern Monteure aus der Öffnung in der Mühlenhaube. Mit Hilfe eines ausfahrbaren Krans befestigen sie die meterlangen, schwarz-weißen Mühlenruten am Wellenkopf. Unten, am Fuß der eindrucksvollen Turmwindmühle, hat sich ein Traube von Zuschauern gebildet. Gebannt verfolgen sie, wie die Herrlichkeitsmühle in Issum ihre renovierten Flügel erhält. Ob hier auch schon 1768, als das Wahrzeichen Issums gebaut wurde, Menschen erwartungsvoll in die Höhe blickten?

Holländermühlen waren meist komplett aus Holz gebaut.
Holländermühlen waren meist komplett aus Holz gebaut.
Der Mühlenbau war für die Einwohner, die in der "Herrlichkeit", also in dem Herrschaftsgebiet von Issum wohnten, allerdings nicht nur ein Grund zur Freude: Der regierende Graf von Borchgrave baute die hölzerne, mit Schindeln gedeckte Turmwindmühle nämlich als so genannte "Zwangsmühle". Das bedeutet, dass die Menschen per Gesetz dazu verpflichtet waren, nur hier ihr Korn mahlen zu lassen – und natürlich auch dementsprechende Abgaben zu leisten. Die Konstruktion der Mühle sorgte für einen reibungslosen Ablauf der Geschäfte: Sie steht auf einem Hügel, unter dem ein kleiner Tunnel hindurchführt. Früher lenkten die Kutscher ihre Fuhrwerke direkt unter die Mühle. Mit Hilfe einer Winde konnten Getreidesäcke in die Mühle hochgezogen und Mehlsäcke herabgelassen werden. Ohne Rangierarbeit fuhren die Bauern dann auf der anderen Seite des Durchgangs wieder hinaus.

Nur für Schwindelfreie: die Anbringung der Mühlenruten.
Nur für Schwindelfreie: die Anbringung der Mühlenruten.
Der komplizierte Name für dieses komplizierte Bauwerk ist "Achtkant-Durchfahrtholländermühle". Der Mühlenturm mit seinen charakteristischen acht Kanten besitzt eine auf Rollen laufende Haube, die auf eine Erfindung von Leonardo da Vinci zurückgeht. Das Ingenieursgenie hatte Ende des 15. Jahrhunderts die Idee, die Flügelwelle von Getriebe und Mahlgang abzuzweigen und in die drehbare Haube zu verlegen. Bei älteren Konstruktionen setzten sich die Mühlenflügel entweder nur in Bewegung, wenn der Wind aus einer bestimmten Richtung kam, oder es musste der gesamte Bau in den Wind gedreht werden.

Die meterlangen Mühlenruten werden mit Hilfe eines Krans bewegt.
Die meterlangen Mühlenruten werden mit Hilfe eines Krans bewegt.
Dank der Erfindung da Vincis war es nun möglich, bei den Mühlen des neuen Typs die Flügel auf dem Rollenkranz je nach Windrichtung einfach weiterzudrehen. Zugleich konnte auf diese Weise der feststehende Mühlenturm mit Getriebe, Mahlwerk und Vorratsräumen vergrößert werden. Die innovative Technik trat einen Siegeszug quer durch Europa an. Vor allem in den Niederlanden fand die Konstruktion im 16. und 17 Jahrhundert viele Nachahmer, der Mühlentyp trug fortan den Namen "Holländermühle".

In Issum drehten sich bis in die 1960er Jahre die Flügel im Wind, 1997 pachtete der "Förderverein Herrlichkeitsmühle Issum e.V." das denkmalgeschützte Gebäude. Nicht nur das Gebäude selbst und das Mahlwerk waren renovierungsbedürftig, die Mühle hatte sich außerdem zehn Zentimeter zur Seite geneigt. Den ehrenamtlichen Mühlenfreunden gelang es, Zuschüsse für die Restaurierung und Stabilisierung zu beschaffen und die Rundum-Erneuerung der Mühle in Angriff zu nehmen. Schließlich gibt es nur in Kevelaer noch ein weiteres Exemplar einer Achtkant-Durchfahrtholländermühle.


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Die NRW-Stiftung hat den Förderverein Herrlichkeitsmühle in Issum bei der Instandsetzung der schief stehenden Mühle und den notwendigen Restaurierungsarbeiten finanziell unterstützt.

Googlemap aufrufenHerrlichkeitsmühle Issum
Mühlenstraße 10
47661 Issum
Tel.: 02 83 5/31 36
Fax: 0 28 35/31 36

Web: www.herrlichkeitsmuehle.de/
E-Mail: Info@Herrlichkeitsmuehle.de

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