HOESCH-MUSEUM

HÜTTEN-GESCHICHTE

Den Eingang zum Hoesch-Museum bildet das restaurierte Portierhaus.
Den Eingang zum Hoesch-Museum bildet das restaurierte Portierhaus.
Ein dumpfes Aufschlagen hallt wieder und wieder durch den halbdunklen, stickigen Raum. Eine Tür wird aufgerissen, und schlagartig wird es gleißend hell und heiß. Es ist die Tür eines Hochofens, in dem zähflüssiges Eisen wie Lava schwimmt. Die Männer in Schutzkleidung mit dunklen Brillen, die Gesicht und Augen schützen sollen, hämmern auf glühende Stücke Roheisen ein, um sie in Form zu bringen. Solche Szenen sind Vergangenheit in den Hallen der Hoesch AG. Heute sind keine Stahlarbeiter, sondern Museumsbesucher zugegen. Eine Dauerausstellung lockt jetzt in das denkmalgeschützte Pförtnerhaus des Hoesch-Geländes. Die hier dargebotenen Exponate lassen einen Teil der 160-jährigen Geschichte der Stahlverarbeitung in Dortmund wieder lebendig werden.

Mit Stahlzangen wurde der glühende Stahl früher bearbeitet.
Mit Stahlzangen wurde der glühende Stahl früher bearbeitet.
2001 ließ Thyssen die Stahlproduktion in Dortmund völlig zum Erliegen kommen. Eine mehr als anderthalb Jahrhunderte alte Tradition verlosch zusammen mit dem Feuer des letzten Hochofens. Heute erinnern Schilder, die das alte Hoesch-Firmenlogo zeigen, genauso wie Schutzanzüge, feuerfeste Schürzen, Stahlhammer und sogar alte Schreibmaschinen an den Dortmunder Traditionskonzern, den Leopold Hoesch im Jahr 1871 gründete.
Damals ahnte er nicht, dass er mit seinem Unternehmen ein Stück Ruhrgebietsgeschichte schreiben würde. Zu Beginn produzierten die ersten 320 Mitarbeiter des Werks hauptsächlich Eisenbahnschienen. Doch schon drei Jahrzehnte später, um 1900, wuchs die Belegschaft auf mehr als 6.500 Mitarbeiter an. Schon damals entstanden um das Eisenwerk ganze Dörfer, die eigens für die ständig anwachsende Zahl der Angestellten errichtet wurden.
Die Erfolgsgeschichte des Unternehmens setzte sich auch nach einer Fusion mit
Der ehemalige Hoeschianer Paul Czerner begutachtet das Modell eines Konverters.
Der ehemalige Hoeschianer Paul Czerner begutachtet das Modell eines Konverters.
dem Essener Krupp-Konzern bis in die 80er Jahre des 20sten Jahrhunderts fort. 1999 jedoch wurde der Name Hoesch entgültig aus dem Handelsregister gestrichen, nachdem Thyssen das Unternehmen übernahm und zu ThyssenKrupp Stahl umfirmierte.

Schon einmal hatten die Hoesch-Mitarbeiter Ende der 80er Jahre versucht, ein Museum zur Stahl- und Konzerngeschichte zu etablieren. Nach der Übernahme durch Thyssen scheiterte das ehrgeizige Projekt trotz zahlreicher Sonderausstellungen rund um das Thema Eisen und Stahl.
Doch die Dortmunder Bürger, für die der Rohstoff Stahl auch einen großen Teil der Stadtgeschichte ausmacht, gründeten im Jahr 2003 den Förderverein "Freunde des Hoesch-Museums" und ließen die Idee wieder aufleben. Sie erreichten, dass der ThyssenKrupp-Konzern das denkmalgeschützte Torhaus, in
Leopold Hoesch gründete den Traditionskonzern im Jahre 1871.
Leopold Hoesch gründete den Traditionskonzern im Jahre 1871.
dem das Museum wieder entstanden ist, mietfrei zur Verfügung stellt. Auch bei den Exponaten zeigte sich der Konzern großzügig und überließ den Museumsförderern die früheren Ausstellungsstücke als Dauerleihgabe.

Weitere Objekte wurden von Mitarbeitern und Auszubildenden im Dienstleistungszentrum Dortmund der ThyssenKrupp Stahl AG restauriert und entworfen. Darunter befinden sich Objekte zum Anfassen, die das Museum in einen spannenden Erlebnisort verwandeln. Beispielhaft ist hier eine Versuchsanordnung von oberflächenbehandelten Blechen, die bei Berührung sehr schwache elektrische Ströme erzeugen.
STAHL - REAL - MULTIMEDIAL

Das Museum versteht sich als historische Erinnerungsstätte und als Begleiter des Strukturwandels.
Das Museum versteht sich als historische Erinnerungsstätte und als Begleiter des Strukturwandels.
Vor 50 Jahren arbeiteten noch mehrere Zehntausend Menschen in den Dortmunder Stahlwerken – allen voran auf der Westfalenhütte, die 1871 von der Unternehmerfamilie Hoesch gegründet worden war. Doch als Hoesch kurz vor der Jahrtausendwende im ThyssenKrupp Konzern aufging, endete die Zeit der Stahlkocher in Dortmund. Die Hochöfen in der Stadt wurden stillgelegt, chinesische Arbeiter verschifften große Teile der Westfalenhütte nach Fernost. Was blieb, war das rege Interesse an der Geschichte und am Gegenwartswandel. Das Dortmunder HoeschMuseum, das jüngst sein zehnjähriges Jubiläum feierte, greift beides auf und kann sich dabei auf das Engagement vieler ehemaliger Firmenmitarbeiter stützen. Die Besucher begeistert es mit Historie und Hightech.

2005 wurde das Hoesch-Museum im Portierhaus und im Arbeiterspeisesaal der ehemaligen Westfalenhütte eröffnet. Längst hat es sich mit seiner Mischung aus Originalexponaten, Digitalangeboten und vielen Sonderveranstaltungen erfolgreich in der NRW-Museumslandschaft etabliert. Im November 2014 konnte ein Dortmunder Gymnasiast als 100.000. Besucher begrüßt werden. Wie 99.999 Menschen zuvor lernte er im Museum neben den technischen Abläufen und den historischen Grundlagen der Stahlerzeugung auch den komplexen Firmenkosmos der Hoesch AG kennen, die ihre Mitarbeiter durch Kranken- und Pensionskassen, Sportanlagen, Kultureinrichtungen und viele andere Sozialleistungen eng an sich band.

Virtuelles Erz

Im Hoesch-Museum erlebt man Stahgeschichte real - und in einer virtuellen 3D Welt, in der man selbst aktiv werden kann.
Im Hoesch-Museum erlebt man Stahgeschichte real - und in einer virtuellen 3D Welt, in der man selbst aktiv werden kann.
Ein Museum, das nicht nur zurückblicken, sondern auch den Strukturwandel kritisch begleiten will, kann sich nicht mit Vitrinen begnügen. Vorträge und Fachtagungen stehen bei Hoesch daher ebenso auf dem Programm wie Erkundungen vor Ort, nicht zuletzt für Schüler. Unverzichtbar sind zeitgemäße Multimedia-Angebote. Seit Ende 2014 lassen sich Führungen sogar per Tablet-Computer nach eigenen Interessen ganz persönlich zusammenstellen.

Den multidimensionalen Höhepunkt bietet das "3D-Stahlwerk" mit den Licht- und Geräuschkulissen eines realen Hüttenbetriebs – und mit der Möglichkeit, selbst in die Produktion einzugreifen. Unterstützt von der NRW-Stiftung wurde die Szenerie zuletzt um den dreidimensionalen Interaktionsfilm "Wir kochen Stahl" erweitert. Die Besucherinnen und Besucher sind dabei aufgefordert, Erze zu besorgen, Steinkohle zu beschaffen und unterschiedliche Stahlqualitäten herzustellen – bis das Geschehen in einer rasanten Achterbahnfahrt gipfelt …

Text: Ralf J. Günther | Fotos: Hoesch-Museum


Kommentare

Sie haben dieses Projekt der NRW-Stiftung bereits besucht? Dann schreiben Sie uns, wie es Ihnen gefallen hat. Kommentar verfassen

22.05.2013, NRW-Stiftung

Sehr geehrte Damen und Herren,

wir haben gerade beim Hoesch-Museum nachgehört. Seit einiger Zeit ist dies an Feiertagen grundsätzlich geschlossen. Was natürlich schade ist. Der Hinweis fehlte bislang auf der Internetseite der NRW-Stiftung. Wir bitten dies zu entschuldigen. Ein Besuch des Hoesch-Museums lohnt sich auf jeden Fall. Vielleicht ist es Ihnen zu einem späteren Zeitpunkt nochmal möglich, das Museum zu besuchen.
20.05.2013, Neusser

Unfassbar. Wir waren extra mit dem Regionalexpress aus Neuss angereist und um kurz nach 10:00 Uhr gestern am Sonntag am Tor. Dort war das Tor verschlossen, keinerlei Hinweise außer Wegweiser zum Hoesch Museum, die alle auf den verschlossenen Zaun hingewiesen haben.
Wir kommen wohl eher nicht nochmal !
Enttäuscht sind wir dann wieder weitergefahren.


Für Mitglieder des Fördervereins ist der Eintritt frei.

Bei vielen Projekten erhalten die Mitglieder des Fördervereins vergünstigten Eintritt. [mehr]
Die NRW Stiftung unterstützte den Förderverein Freunde des Hoesch-Museums bei der Einrichtung des Museums zur Stahl- und Firmengeschichte und bei der Animation des "3D-Stahlwerkes".

Die NRW-Stiftung half den Freunden des Hoesch-Museums bei der Einrichtung des Museums, das von ehrenamtlichen Kräften im früheren Firmengebäude betrieben wird. Auch bei der Installation des multimedialen 3D-Stahlwerks gab es Hilfe von der NRW-Stiftung.

Googlemap aufrufenHoesch-Museum, Forum zur Geschichte der Eisen- und Stahlindustrie in Dortmund
Eberhardstraße 12
44145 Dortmund
Telefon: 0231 / 8445856
hoeschmuseum.dortmund.de

Bookmark and Share