WALLBURG AM TÖNSBERG

MIT PILGERHUT UND WANDERSTAB

Der Tönsberg liegt auf dem Kamm des Teutoburger Waldes
Der Tönsberg liegt auf dem Kamm des Teutoburger Waldes
Gewaltige Fichten, dunkle Tannen und massige Buchen ragen meterhoch in den Himmel. Graugrüner Dunst liegt wie ein Nebelschleier in der feuchten Luft des dichten Waldes. Fast widerwillig nur lichten sich die Schwaden und geben den Blick frei auf uralte moosbedeckte Mauern einer längst verfallenen Ruine. Der mittelalterliche Wallfahrtsort am Tönsberg bei Oerlinghausen hat auch heute noch eine spürbare, magische Kraft.

Die Ruinen der alten Hünenkapelle
Die Ruinen der alten Hünenkapelle
Einst erhob sich an dieser Stelle eine mächtige Wallburg. Sie bot den Menschen aus der Umgebung im Frühmittelalter Schutz und Unterschlupf bei Angriffen feindlicher Horden und stellte einen idealen Kontrollpunkt für die nahgelegenen Handelsstraßen nach Münster, Paderborn und Hameln dar, an dem Zölle und Wegegelder entrichtet werden mussten. Das von Gräben und Wällen umsäumte Gelände dieser ursprünglichen Anlage ist etwa sechs Hektar groß.

Heute sind aus dieser Zeit keine Gebäude mehr erhalten. Etwas später jedoch, im Mittelalter -vermutlich im 15. Jahrhundert - wurde inmitten der alten Wallmauern weitab von Städten und Dörfern auf dem Kamm des Teutoburger Waldes die sogenannte Hünenkapelle erbaut. Geweiht war sie dem Heiligen Antonius, der auch der Namenspatron des Tönsbergs ist.

 
 
Kapellen wie diese wurden damals an Orten errichtet, an denen gläubige Einsiedler in ihrer Einsamkeit Visionen erlebten. Die mystischen Kräfte dieser Plätze setzten die Menschen in Verbindung mit den Wundern und dem Wirken Jesu Christi und machten diese Stätten zu Wallfahrtsorten. Für die Menschen, die sich auf eine Pilgerreise begeben, bedeutet dies: Gott so nah wie möglich sein. In der Not des Mittelalters waren Wallfahrten deshalb noch viel essentieller als es heute der Fall ist.

Noch heute pilgern Gläubige zu der alten Kapelle
Noch heute pilgern Gläubige zu der alten Kapelle
In alten Chroniken wird berichtet, dass die Anziehungskraft der Kapelle so groß war, dass sogar Christen aus dem fernen Dortmund sich auf den Pilgerpfad in den Teutoburger Wald machten und dort um Schutz, Gnade und Heil baten. Und dies obwohl zu dieser Zeit die Ziele eines Pilgers zumeist Jerusalem, Rom und Santiago de Compostella waren. In diese fernen Länder zu ziehen war aber nicht jedem möglich, infolgedessen gewannen auch die kleineren Stätten an Bedeutung. Warum die Kapelle auf dem Tönsberg, die in den dreißiger Jahren des 20 Jahrhunderts romantisiert wiederaufgebaut wurde, einen solchen Reiz ausübte, ist nicht bekannt. Keinerlei Überlieferung oder Legende verrät heute, was sich auf dem Kamm des Teutoburger Waldes bei Oerlinghausen abgespielt hat und welche Wunder dort gewirkt haben.

Eins ist jedoch noch heute unter den dichtstehenden alten Bäumen in der Stille des Waldes spürbar: die Ruhe und die Kraft, die jeder Pilger am Ende seines Weges braucht.


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Die NRW-Stiftung hat landesweit wie auch am Tönsberg in Oerlinghausen an elf Orten Grundstücke erworben, in denen Bodendenkmäler ruhen. Unter Wiesen, Weiden und Wäldern, die naturschonend genutzt werden, sind Bodendenkmäler am besten geschützt. So bleiben die archäologischen Zeugnisse für spätere Untersuchungen im Fundzusammenhand erhalten.

Biologische Station Lippe e. V.
Domäne 2
32816 Schieder-Schwalenberg
Tel.: 05 28 2/46 2 (werktags)
E-Mail: Biologische.Station.Lippe@t-online.de
Web: www.biologischestationlippe.de

Naturschutzbund Deutschland
Kreisverband Lippe e. V.
Schlossstr. 18
42657 Lemgo
Tel.: 0 52 61/25 02 47
(montags und mittwochs 9-12 Uhr)
und 0 52 31/62 67 3 (werktags, Bernd Mühlenmeier)

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