WESTFALEN - AUFBRUCH IN DIE MODERNE

LICHT UND SCHATTEN DES FORTSCHRITTS

Reich bebildert: www.aufbruch-in-die-moderne.de
Reich bebildert: www.aufbruch-in-die-moderne.de
Im Jahr 1769 erblickt in der korsischen Stadt Ajaccio Napoléon Bonaparte das Licht der Welt. Im gleichen Jahr wird in Deutschland der erste Blitzableiter installiert. Und James Watt lässt eine Dampfmaschine patentieren. Weit entfernt von Westfalen, in England, läutet die erste maschinelle Produktion das aufkommende industrielle Zeitalter ein. Die Moderne hält in Europa Einzug und geht auch an Westfalen nicht unbemerkt vorbei. Die Internetseite www.aufbruch-in-die-moderne.de nimmt ihre Besucher mit in eine Zeit der zahlreichen Umbrüche und Neuerungen.

Im "Königreich Westphalen" wird 1807 die erste Verfassung eines deutschen Staates verkündet. Maler, Künstler und Wissenschaftler feiern die Vernunft und den Fortschritt. "Wir sind nicht auf der Welt, um stillzustehen und sie zu genießen, sondern um fortzuschreiten", schreibt der westfälische Industriepionier Friedrich Harkort.

Auszug aus der Verfassung des Köngreichs Westphalen 1807
Auszug aus der Verfassung des Köngreichs Westphalen 1807
Die Moderne beginnt in Westfalen vor etwa 200 Jahren. Sie löst die Agrargesellschaft ab und zieht eine Reihe von Veränderungen nach sich, die unseren Alltag bis heute bestimmen. Das Leben der Menschen in der Region wandelt sich. Maschinen leisten die Arbeit von Wochen in wenigen Stunden. Jahrhundertealte Traditionen weichen aufklärerischen Gedanken. Die Aufhebung der Gutsuntertänigkeit macht aus Bauern freie Staatsbürger, die nur dem König untertan sind. Reiche Klöster, wie das Zisterzienserkloster Marienfeld, werden aufgelöst, ihr Vermögen verstaatlicht.

Doch der Einzug der Moderne hat auch ihre Schattenseiten: Die Arbeit in den Fabriken bedeutet eine radikale Umstellung für die Beschäftigten. Sie müssen sich an weite Wege zum Arbeitsplatz und feste Zeiten gewöhnen. Ungesicherte Maschinen und enge, stickige und schlecht beleuchtete Arbeitsplätze führen zu Unfällen und Krankheiten. Auch droht die Verelendung unzähliger Handwerker, die nun nicht mehr von ihrem Gewerbe leben können. Viele von ihnen versuchen, die Industrialisierung aufzuhalten – gegebenenfalls auch mit Gewalt. So drohen die Weber und Spinner in einem Brief an den Bielefelder Kaufmann Delius 1850, ihn "ganz mörderlich zu behandeln", sollte er die maschinelle Produktion nicht einstellen.

Die münsterische "Schlendrian"-Ausstellung
Die münsterische "Schlendrian"-Ausstellung
Dieses und weitere zeitgeschichtliche Dokumente aus der Region, wie Fabrikordnungen, Zitate, Gemälde, Stiche und Skizzen, lassen auf den knapp 500 Seiten von www.aufbruch-in-die-moderne.de den Alltag der Menschen zu dieser Zeit lebendig werden. Dabei entpuppt sich das Internet als ideale Darstellungsform. Es vernetzt verwandte Themen und gibt Antworten auf Fragen wie: Was hat die Dampfmaschine mit Kinderarbeit und Auswanderung zu tun? Welche Auswirkungen hatte die Verfassung für die Menschen in Westfalen? Was ist eigentlich Säkularisation? Darüber hinaus finden Interessierte einen virtuellen Rundgang durch die Ausstellung "Zerbrochen sind die Fesseln des Schlendrian", die von 2002 bis 2003 in Münster stattfand.

Im Zuge der Modernisierung wurde 1808 übrigens im "Königreich Westphalen" der Code Napoléon eingeführt – ein revolutionäres Gesetzeswerk, und vielleicht das einflussreichste bis zum heutigen Tag. So spielte der große Feldherr auch hier eine bedeutende Rolle – und das, obwohl er nie einen Fuß auf westfälischen Boden setzte.


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