MUSEUM FÜR FRÜHINDUSTRIALISIERUNG

MENSCHEN UND MASCHINEN

Kinder erfahren, wie hart das Leben ihrer Altersgenossen vor 200 Jahren war.
Kinder erfahren, wie hart das Leben ihrer Altersgenossen vor 200 Jahren war.
Es ist unerträglich heiß und stickig – 35 Grad bei hoher Luftfeuchtigkeit. Der Geruch von muffigen Textilien und öligen Schmierstoffen wabert durch den Raum. Maschinen rattern in immer schnellerem Stakkato, der ohrenbetäubende Lärm schwillt bedrohlich an. Unter den Füßen vibriert der Boden. So realistisch erleben Besucher des Museums für Frühindustrialisierung, wie vor etwa 200 Jahren die Arbeit in einer Textilfabrik aussah.

Im neuen "Erlebnisraum" lässt sich so mit allen Sinnen nachvollziehen, was Produktionsrekorde und Fortschritt für die Menschen bedeutete. Die Wuppertaler Ausstellung widmet besonders den Schattenseiten der "industriellen Revolution" viel Raum. Denn gerade in dieser Region herrschten im ausgehenden 18. Jahrhundert katastrophale Lebensverhältnisse: Starke Zuwanderung aus ländlichen Regionen in die aufstrebenden Wupperstädte Barmen und Elberfeld führte dazu, dass sich die Bevölkerung zwischen 1700 und 1800 versechsfachte. Angelockt von Arbeitsplätzen in Spinnereien, Färbereien oder Webereien hofften die Menschen auf ein besseres Leben dank der aufstrebenden Textilindustrie.

Original erhaltene Maschinen sind Bestandteil der Ausstellung.
Original erhaltene Maschinen sind Bestandteil der Ausstellung.
Doch das ersehnte Glück in der Stadt kehrte sich meist ins Gegenteil. Wohnungsnot, Hunger, Krankheit und Elend waren die Folgen der Frühindustrialisierung. Etwa ein Fünftel der Bevölkerung lebte unter dem Existenzminimum. Allein in Elberfeld hatten zum traditionellen Arbeitswechsel Anfang Mai des Jahres 1822 rund 150 Familien kein Dach über dem Kopf. Auch die hygienischen Verhältnisse waren katastrophal. Alle Abwässer der Stadt flossen in die Wupper und verwandelten den Fluss in eine Kloake, die Brunnen und Grundwasser verseuchte. Es grassierten Cholera und Tuberkulose, Hunger und Unterernährung gehörten zum Alltag.

Friedrich Engels wurde 1820 in Barmen geboren.
Friedrich Engels wurde 1820 in Barmen geboren.
Menschenunwürdig waren auch die ausbeuterischen Arbeitsbedingungen. Kinder mussten in den Fabriken von Montag bis Samstag zwölf Stunden täglich arbeiten. Mit etwas Glück hatten sie die Möglichkeit, abends von 20 bis 22 Uhr noch eine Schule zu besuchen. So schildert der Schulreformer Diesterweg, der in den Jahren 1818 bis 1820 Lehrer in Elberfeld war, das trostlose Leben der Fabrikkinder. Erst später, als die zunehmende Technisierung qualifiziertere Arbeiter erforderte, verbesserte sich ihre Situation, neuartige Schutzgesetze schränkten die Kinderarbeit ein. Der wohl berühmteste Wuppertaler Kritiker der herrschenden Verhältnisse war der 1820 in Barmen geborene Friedrich Engels. Er prangerte in seinem berühmten Werk "Die Lage der arbeitenden Klasse in England" die Situation als Diktatur von "König Dampf" an. Im ehemaligen Wohnhaus von Friedrich Engels´ Großvater – heute ein Teil des Museums – ist das Leben und Werk des Sozialrevolutionärs dokumentiert.

Mit Hilfe original erhaltener Maschinen, Bildern, Fotos und Briefen bietet die gesamte Ausstellung einen genauen Einblick in die Zeit der Frühindustrialisierung. Zwischendurch werden die Besucher von Sirenenklang, Glockenklingeln und dem Hämmern der historischen Textilmaschinen aufgeschreckt, die die Schrecken dieser Zeit immer wieder ins Bewusstsein rufen.


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Für Mitglieder des Fördervereins ist der Eintritt frei.

Bei vielen Projekten erhalten die Mitglieder des Fördervereins vergünstigten Eintritt. [mehr]
Mit Hilfe der NRW-Stiftung konnte der Förderverein Historisches Zentrum das Museum für Frühindustrialisierung in Wuppertal im Frühjahr 2004 um neue Ausstellungsbereiche in einer benachbarten Remise erweitern. Zusammen mit dem Friedrich-Engels-Haus, das 1775 vom Großvater des Marxisten und Sozialisten im Stil des Bergischen Barock errichtet wurde, bildet das technik- und sozialgeschichtliche Museum das historische Zentrum im Ortsteil Barmen.

Googlemap aufrufenHistorisches Zentrum: Friedrich-Engels-Haus und Museum für Frühindustrialisierung
Engelsstraße 10
42283 Wuppertal
Telefon: 02 02 / 56 3-43 75
www.historisches-zentrum-wuppertal.de

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