ENTOMOLOGISCHER VEREIN KREFELD

JÄGER UND GEJAGTE

Eine Rollwespe ist nur wenige Millimeter groß.
Eine Rollwespe ist nur wenige Millimeter groß.
Vor einem kleinen Erdloch liegt eine Rollwespe auf der Lauer. Sie hat es auf einen Sandlaufkäfer in seinem Bau abgesehen. Plötzlich wendet sich die Situation: Der Belagerte schießt aus seinem Loch hervor, um die Angreiferin unschädlich zu machen. Doch gegen den lähmenden Stachel der Rollwespe hat er keine Chance. Nachdem sie den Sandlaufkäfer in den Bauch gestochen hat, zerrt sie das nun bewegungslose Opfer in das Erdloch und legt ein Ei an seinem Hinterleib ab. Nur wenig später schlüpft daraus eine Wespenlarve, die den Sandlaufkäfer als Nahrung verspeisen wird .

Der Sandlaufkäfer hat gegen die Rollwespe keine Chance.
Der Sandlaufkäfer hat gegen die Rollwespe keine Chance.
Dieser Kampf hat sich in nur wenigen Sekunden abgespielt und ist für das menschliche Auge normalerweise gar nicht sichtbar. Die Rollwespe ist nämlich nur wenige Millimeter groß und lebt versteckt in trockenen, sandigen Biotopen. Dass sich ihr Leben trotzdem so hautnah beobachten lässt, ist dem Entomologischen Verein Krefeld zu verdanken. Die Insektenkundler am Niederrhein erforschen das Leben bedrohter Tierarten.

Abgesägte Stangen dienen als Markierungshilfen der Beobachtungs<br>standorte.
Abgesägte Stangen dienen als Markierungshilfen der Beobachtungs
standorte.
Moderne Technik ermöglicht eine genaue Kartierung der Insektenwelt: Satellitenempfänger, so genannte GPS-Geräte, zeigen überall auf der Welt die exakte Position einer markierten Stelle auf wenige Meter genau an. Auch der Krefelder Verein setzt das "Global Positioning System", ein weltweites Positionierungssystem, das auch für Navigationssysteme in Autos verwendet wird, für den Naturschutz ein. Es verzeichnet den Standort von speziellen automatischen Fallen. Damit fangen die Naturwissenschaftler laufende und fliegende Insekten. Eine Falle fängt etwa dieselbe Menge wie ein Insekten fressender Vogel und liefert so aussagekräftige Ergebnisse über die Artenvielfalt an einem Standort. Wenn einmal pro Woche der Fang eingesammelt wird, ist das auch eine gute Möglichkeit, die Insekten zu beobachten.

Die rote Waldameise lässt sich mit Spezialkameras genau beobachten.
Die rote Waldameise lässt sich mit Spezialkameras genau beobachten.
Dazu haben die Krefelder Insektenkundler spezielle Videokameras angeschafft, die bis in den Erdboden reichen. So lässt sich praktisch auf Augenhöhe beobachten, wie aus Jägern Gejagte werden. Bereits seit 1905 haben sich in Krefeld die ersten Mitglieder im Entomologischen Verein zusammengeschlossen, um sich auszutauschen und die Besonderheiten der Insekten am Niederrhein zu erforschen. Es entstehen nämlich nicht nur einmalige Dokumente vom Leben der Insekten, auch für den Naturschutz gewinnen die Forscher wichtige Erkenntnisse. Denn auch von der Artenvielfalt in einer Gegend hängt es ab, ob sie zum Naturschutzgebiet erklärt wird.

Der Stierkämpfer ist ein fleißiger Erdarbeiter im Sandboden.
Der Stierkämpfer ist ein fleißiger Erdarbeiter im Sandboden.
Die Nahaufnahmen aus der Insektenwelt faszinieren nicht nur Fachleute. In Schulen, der Erwachsenenfortbildung und in Naturschutzzentren erleben die Menschen mit Hilfe der Krefelder Dokumentationen, welche Dramen sich auf der Höhe ihrer Schuhsohlen abspielt – ohne dass sie mit bloßem Auge jemals zu erkennen wären.


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Die NRW-Stiftung hat den Entomologischen Verein bei der Anschaffung von Spezialkameras und Videorecordern unterstützt. Darunter ist auch ein Endoskop, mit dem die Entomologen die Insekten sogar im Inneren des Erdlochs beobachten können.

Googlemap aufrufenEntomologischer Verein Krefeld e. V.
Talring 45
47802 Krefeld
E-Mail: post@entomologica.de
Web: www.entomologica.de

Der Entomologische Verein Krefeld e.V. nutzt Arbeitsräume im Umweltzentrum Hülser Bruch.

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