STIFTSBIBLIOTHEK XANTEN

RETTUNG FÜR DEN BÜCHERSCHATZ

Mikroben haben den Einband dieses Buches stark angegriffen.
Mikroben haben den Einband dieses Buches stark angegriffen.
Die natürlichen Feinde lauerten überall. Sie kamen unbemerkt und setzten ihr zerstörerisches Werk über Jahre hinweg still und heimlich fort. Die traurige Bilanz der Attacken waren zerfressene Seiten, durchlöcherte Bände und in losen Lappen herabhängende Buchrücken. Die Täter: Schimmelpilze, Mikroben, Holzwürmer oder einfach nur Feuchtigkeit, die den 20.000 Urkunden und Büchern aus der Stiftsbibliothek Xanten schwer zusetzten. Bis Experten einer niederländischen Spezialwerkstatt diesem subversiven Treiben Einhalt geboten. Nun ist der Großteil der Bücher wiederhergestellt.

Die Bogengänge schaffen mittelalterliche Atmosphäre.
Die Bogengänge schaffen mittelalterliche Atmosphäre.
Bis auf das 8. Jahrhundert gehen die Wurzeln der Xantener Stiftsbibliothek zurück. Die ständig erweiterte "liberaria" umfasst heute eine Sammlung von unschätzbarem Wert. Sie beherbergt rund 10.000 Bücher mit etwa 20.000 Werken. Darunter allein 450 Inkunabeln, nach dem Herstellungsverfahren auch "Wiegedrucke" genannt.In jeder mittelalterlichen Buchsammlung sind sie die Prunkstücke. Eines der bilderreichsten Werke aus der Frühzeit des Buchdrucks ist die Weltchronik von Hartmann Schedel. Das mit 1.809 Holzschnitten ausgestattete Prachtstück ist besonders berühmt: Der junge Albrecht Dürer fertigte einen Teil der Schnitte an.

Der Wert der Xantener Sammlung ist unschätzbar.
Der Wert der Xantener Sammlung ist unschätzbar.
Zusammen mit seinen 150 liturgischen und auch weltlichen Handschriften gehört die Stiftsbibliothek zu den bedeutendsten rheinischen Bibliotheken. Sie gilt bis heute als eine der wichtigsten Forschungsstätten für die Zeit des späten Mittelalters, der Renaissance und des Humanismus, des Barock sowie des 18. Jahrhunderts. Doch der Zahn der Zeit hatte deutliche Spuren hinterlassen. Wesentliche Teile der Bestände überstanden zwar den 2. Weltkrieg, waren jedoch 1943 ausquartiert worden. Bei der Zwischenlagerung erlitten die Bücher erhebliche Witterungs- und Wasserschäden. Über die Jahre drohten Schimmel- und Schädlingsbefall die bibliophilen Schätze zu zerstören.

Das Xantener Stift wurde im 8. Jahrhundert gegründet.
Das Xantener Stift wurde im 8. Jahrhundert gegründet.
Für die glückliche Rettung der Bücher sorgten schließlich der Förderverein Stiftsmuseum Xanten e.V. und die NRW-Stiftung: Auf ihre Initiative hin restaurierten niederländische Spezialisten fünf Jahren lang den Xantener Bestand. Blatt für Blatt reinigten sie die stark verschmutzten Bücher und besprühten sie mit einer Lösung, die den Mikroorganismen endgültig den Nährboden entzog. Experten der Spezialwerkstatt klebten lose Ledereinbände, sicherten ausgerissene Seiten und befestigten lockere Schließen. Außerdem verbrachten fast alle der 10.000 Bücher mit Leder- und Pergamenteinbänden acht Tage in der Kältekammer: Vier Tage bei minus 30 Grad, zwei Tage Auftauen, und noch einmal vier Tage bei eisigen Temperaturen sah das "Klimaschutz"-Programm vor.

Nun sind die Maßnahmen zur Rettung des Xantener Bücherschatzes abgeschlossen. Die ebenfalls renovierten Klostermauern beherbergen wieder den mittelalterlichen Schatz, nur Holzwürmer, Schimmelpilze und Mikroben gehören ein für alle Mal der Vergangenheit an.


Kommentare

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15.12.2011, edward lanermeyer

A really wonderful story. I want to visit !

Einer Ami Bibliotheker aus Ohio


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Die NRW-Stiftung unterstützt den Förderverein Stiftsmuseum Xanten e.V. bei der Konservierung des wertvollen Buchbestands. Außerdem hat die Stiftung dem Niederrheinischen Altertumsverein beim Kauf der Schedelschen Weltchronik von 1493 geholfen. Das Buch gehörte noch im 19. Jahrhundert zum Bestand des Birgittenklosters in Xanten-Marienbaum und wird jetzt in der Xantener Stiftsbibliothek aufbewahrt.

Stiftsbibliothek Xanten
Stiftsmuseum Xanten
Siegfriedstr. 16
46509 Xanten
Telefon: 02801 982382
Fax: 02801 984995

Die Bibliothek steht zu Forschungszwecken offen, für Besucher ist sie nicht zugänglich. Weitere Infos beim Förderverein Stiftsmuseum Xanten e.V. unter
www.foerderverein-stiftsmuseum-xanten.de oder direkt bei der Bibliothek unter www.stiftsbibliothek-xanten.de

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