KALTWALZMUSEUM IM SCHLOSS HOHENLIMBURG

MODE UND MODERNE AUS STAHL

 
 
Ein Museum zum Thema Industrie – in einem Schloss? Diese ungewöhnliche Lösung ist für Schloss Hagen-Hohenlimburg durchaus passend. Denn nahe seiner imposanten Mauern finden sich die Ursprünge des europäischen Zentrums der Kaltwalzindustrie. Bereits im Mittelalter erfüllte hier das Dröhnen wasserkraftgetriebenen Eisenhämmer die angrenzenden Bachtäler. Und noch bis heute stammen etwa 70 Prozent der deutschen Bandstahl-Produktion aus mittelständischen Unternehmen im Raum Hagen-Hohenlimburg.

 
 
Die Technik des Kaltwalzens entwickelten Drahtzieher aus dem benachbarten Altena. Sie übernahmen im 19. Jahrhundert die Hämmer in Hohenlimburg und stellten Bandstahl her. Die Kaltbänder brachten fortan die modischen Reifröcke in Form, denn sie erwiesen sich als wesentlich stabiler als die brüchigen Fischbein-Konstruktionen. Auch für die florierende Textilindustrie war das neue Material ein wichtiger Baustoff, aus dem man Weberiete, die Kämme der Webstühle, fertigte. Auch Fahrräder bestanden später fast ausschließlich aus Bandstahl: geschweißte Rohre für den Rahmen, Felgenprofile, Laschenbandstahl für die Fahrradkette und Glockenbandstahl für die Fahrradklingel. Bis heute hat der Industriezweig große Bedeutung: "Kaltband" wird in Autos, in Elektro- und Sportgeräten verwendet.

 
 
Das Museum auf Schloss Hohenlimburg verbindet Regional- mit Industriegeschichte. In den 1980er-Jahren begann die örtliche Kaltwalzindustrie mit dem Aufbau des Museums. Ehrenamtliches Engagement, organisatorische Hilfe vom Förderkreis des Kaltwalzmuseums und Mittel von den Unternehmen ermöglichten eine einzigartige Sammlung. An den schweren Maschinen aus der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts erläutern Schautafeln, wie durch Druck unterschiedlicher Walzen aus Warmband Kaltband entsteht. Der Fabrikant J. P. Hüsecken war einer der Begründer der Kaltwalz-Spezialisierung rund um Hohenlimburg. Alfred Krupp lieferte ihm 1830 die ersten geschliffenen und gehärteten Stahlwalzen für das neue Verfahren.

 
 
Ein Briefentwurf von Krupp, der im Museum zu sehen ist, lässt zusammen mit weiteren Dokumenten die Anfangszeit der Kaltwalztechnik für die Besucher wieder sichtbar werden. Fotos und Dokumente veranschaulichen soziale Reformen, den Wandel im Arbeitsleben und konjunkturelle Aufschwünge und Einbrüche. Aber auch Themen wie die Gleichschaltung im Dritten Reich und beklemmende Zeugnisse des Einsatzes von Fremdarbeitern finden Raum in der Ausstellung.

Einige der alten Maschinen aus Hagens Bandstahl-Werken sind nach wie vor einsatzbereit, damit Besucher die Herstellung hautnah erleben können. Ein kurzer Film nimmt die Besucher mit auf eine Betriebsbesichtigung in einem modernen Kaltwalzwerk: Das Herstellungsprinzip ist unverändert, doch Geschwindigkeit, Präzision und Produktivität haben sich über die Jahrhunderte verbessert. Zwar ersetzt heute zunehmend Kunststoff die Kaltbandprodukte, doch in der Autoindustrie hat das traditionsreiche Material nach wie vor große Bedeutung. Stabile Stahlteile schaffen passive Sicherheit – und lassen sich später problemlos recyceln. Als Kanten für Skier und Snowboards sind Produkte aus dem Kreis Hohenlimburg weltweit führend. Und selbst Bildschirme für Fernseher und Computer sind ohne Schattenmasken aus Bandstahl nicht denkbar.

zum Projekt Schloss Hohenlimburg


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Die NRW-Stiftung unterstützt die Instandsetzungsarbeiten in den Außenbereichen des Schlosses Hohenlimburg sowie eine Erweiterung der Ausstellungsmöglichkeiten für das Deutsche Kaltwalzmuseum.

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Deutsches Kaltwalzmuseum
Alter Schlossweg 30
58119 Hagen-Hohenlimburg
Telefon: 0 23 34 / 27 71
www.schloss-hohenlimburg.de

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