HEIDEGEBIET BRÜGGEN-BRACHT
WO MOORFROSCH UND FELDGRILLE SINGEN

Aus dem ehemaligen Munitionsdepot ist eine Heidelandschaft mit bemerkenswert vielfältiger Tier- und Pflanzenwelt geworden.Ziel des Naturschutzes ist es, große Teile des ehemaligen Militärdepots in Brüggen-Bracht an der niederländischen Grenze als Lebensraum für die gefährdete Flora und Fauna zu erhalten.
In Nordrhein-Westfalen sind Heidegebiete wie Brüggen-Bracht eine Seltenheit. In dieser Größenordnung gibt es sie nur noch in der ostwestfälischen Senne und in der Wahner Heide bei Köln. Überall sonst wurden die Heideböden aufgeforstet oder durch Düngung in ertragreichere Äcker und Weideland umgewandelt.
Die Natur in Brüggen-Bracht bietet eine Reihe schützenswerter Besonderheiten. Tier- und Pflanzenarten wie Heidelerche, Schwarzkehlchen, Moorfrosch und Feldgrille, selbst der scheue Ziegenmelker, Graue Glockenheide und Keulenbärlapp, die in Nordrhein-Westfalen zu den absoluten Raritäten gehören, sind hier in bemerkenswert großer Zahl zu finden. Die Grundlage für diese seltene Artenvielfalt bilden die nährstoffarmen Flugsandböden, die während der letzten Eiszeit aus dem Maastal hierher verweht wurden.

Erholungssuchende können sich auf einem insgesamt 32 Kilometer langen Wander- und Radwegenetz durch das Heidegebiet bewegen, um die Natur zu beobachten.Eine besondere Attraktion im Bereich des grünen Rundwanderweges ist ein ca. 100 Meter langer Holzbohlenweg. Er führt über einen ehemaligen Splitterschutzwall und ermöglicht eine sehr interessante Sicht über die umliegenden Heideflächen und Wälle, zwischen denen ehemals Bomben und Munition gelagert wurden. Nach Westen blickt man auf eine weitgehend offene Fläche, auf der seltene und wertvolle Pionierstadien der Heidevegetation erhalten werden.
Erstaunliche Pilzvielfalt im ehemaligen Munitionsdepot
Samthäubchen, Gürtelfuß, Zwergschwindling und Sternsporling ...
Wie Elfen und Kobolde klingen die deutschen Namen mancher Pilze. So zart und unscheinbar manche auch sein mögen – in vielen Lebensräumen sind sie eine für den Naturhaushalt enorm wichtige und oft überraschend artenreiche Gruppe. Das konnten die Pilzkundler der "Arbeitsgemeinschaft Pilzkunde Niederrhein" (APN) jetzt auch im Naturschutzgebiet "Brachter Wald" im Kreis Viersen feststellen.
Bis vor einigen Jahren war das 12,5 Quadratkilometer große Gebiet als britisches Militärdepot abgezäunt und streng bewacht. Die Mykologen – wie die Pilzkundler auch genannt werden – konnten über das Artenspektrum hinter Sicherheitszaun und Stacheldraht nur spekulieren. Als sie im Jahr 2000 mit ihren Exkursionen beginnen durften, staunten sie nicht schlecht: In den Magerrasen, Heiden und Wäldern fanden sie weit über 600 Pilzarten, von denen mehr als hundert landesweit selten oder gefährdet sind.
Pilzparadies zwischen Splitterschutzwällen
Zwar hatten die britischen Streitkräfte nicht die Absicht, Naturschutz zu betreiben, doch während im Umland infolge intensiver Land- und Forstwirtschaft bald Monotonie und Artenarmut herrschten, hatte der Kalte Krieg innerhalb des Zauns nährstoffarme Heiden und lichte Kiefernwälder hinterlassen. Aus Gründen des vorbeugenden Brandschutzes hatten die Militärs die Umgebung der Wege, Wälle und Lagerhallen regelmäßig gemäht. Diese Nutzung ähnelte der früheren Schafweide und so konnte das Gebiet zu einem Refugium für seltene Tiere und Pflanzen, aber auch zu einem Pilzparadies werden.
Ihr buntes Wunder erlebten die Mykologen vor allem in den Magerrasen, wo Moose und abgestorbene Pflanzenteile ein besonders pilzfreundliches Milieu erzeugen. Nach sommerlichen Regenperioden schießen hier farbenfrohe Saftlinge und Rötlinge sowie die sonst sehr seltenen Erdzungen und Korallen-Pilze aus dem Boden. Während Gülle die Vielfalt der Pilze deutlich reduziert, richten Pferdeäpfel oder Schafsköttel keinen Schaden an. Im Gegenteil: Auf dem Dung von Exmoor-Ponys, die hier als Landschaftspfleger grasten, zählten die Fachleute nicht weniger als zwölf Pilzarten, darunter sechs, die bislang noch nie in NRW gefunden worden waren. Dazu gehört auch die "Punktierte Porenscheibe". Ihre hellen Fruchtkörper sehen aus, als hätte ein Zwerg die verbeulten Tüllen winziger Gießkannen in einem Pferdeapfel drapiert.
Treulich vereint: Baum und Pilz
Auch im Wald wurden die Pilzkundler fündig. Ihr besonderes Interesse gilt den Wechselbeziehungen zwischen Bäumen und Pilzen: Die unterirdischen Zellfäden sogenannter Mykorrhiza-Pilze umspinnen nämlich die Feinwurzeln der Bäume und helfen diesen bei der Stoffaufnahme. Da sie viel dünner sind als die Feinwurzeln, dringen sie selbst in die feinsten Bodenporen ein und machen Wasser- und Nährstoffvorräte zugänglich, die für die Bäume sonst unerreichbar wären. Für ihre Zubringerdienste lassen sich die Mykorrhiza-Pilze von ihren Partnern mit Zucker bezahlen. Dabei machten die Hobbyforscher eine interessante Beobachtung: An einheimischen Eichen, Rotbuchen und Weiden fanden sie deutlich mehr Mykorrhiza-Pilze als an den gebietsfremden Douglasien oder Hybridpappeln. Auch innerhalb einer Gattung fielen solche Unterschiede auf: Während die einheimische Wald-Kiefer in Brüggen-Bracht mit insgesamt 14 Arten von Pilzpartnern anbandelt, lässt sich mit der nordamerikanischen Gelb-Kiefer nur ein Pilz ein. Spitzenreiter in Sachen Pilzfreundlich- oder Pilzabhängigkeit ist die heimische Sandbirke. Mit ihr kooperieren in Brüggen-Bracht insgesamt 22 Mykorrhiza-Pilze.

Kleine Pferde für den Brachter Wald
Der Laie könnte sie für ganz "normale" Ponys halten – doch die drei kleinen Pferde, die sich seit etwa drei Monaten auf einem rund 30 Hektar großen Areal im niederrheinischen Naturschutzgebiet Brachter Wald tummeln, sind etwas ganz Besonderes: Koniks, eine alte polnische Pferderasse, die aus dem ausgestorbenen europäischen Wildpferd, dem Tarpan, hervorgegangen ist. In dem 1.250 Hektar großen Heidegebiet, das die NRW-Stiftung auf Anregung der Biologischen Station Krickenbecker Seen in großen Teilen erworben hat, werden die robusten Tiere mit einem Stockmaß von etwa 1,40 Metern zur Landschaftspflege eingesetzt. Gemeinsam mit einer Herde von etwa 600 Moorschnucken, Galloway-Rindern und Damwild weiden sie sozusagen als lebendige Rasenmäher auf dem Gelände und sorgen so dafür, dass die offenen Heideflächen nicht mit Bäumen und Sträuchern zuwachsen. Dabei macht’s die Mischung: Jede Tierart bevorzugt andere Leckerbissen, so dass der Aufwuchs kurz gehalten wird. Mit ihren Hufen lockern die Koniks außerdem den weichen Sandboden des Heidegebietes auf und schaffen so ideale Lebensräume beispielsweise für Wildbienen oder die Zauneidechse.
Wussten Sie schon...

Die Arbeitsgemeinschaft Pilzkunde Niederrhein untersucht seit dem Frühjahr 2000 im ehemaligen Munitionsdepot in Brüggen-Bracht die Vielfalt der Pilze. Das Naturschutzgebiet, das über Jahrzehnte für die Öffentlichkeit abgeriegelt war, ist heute zu großen Teilen im Besitz der NRW-Stiftung. Wanderer und Radfahrer können seit einigen Jahren dieses Gebiet auf ausgewiesenen Wegen besuchen.eigentliche Pilz aber als unscheinbares Zellgeflecht (Myzel) im Untergrund lebt?
… dass die Zellwände der Pilze aus Chitin bestehen, dem gleichen Stoff, der den Außenskeletten der Insekten Festigkeit
verleiht?
… dass Pilze weder Chlorophyll noch andere Farbstoffe besitzen, mit denen sie Sonnenenergie nutzen könnten? Stattdessen ernähren sie sich von fremden organischen Substanzen. Viele Arten brauchen ihr ganz spezielles "Futter".
… dass die Zugehörigkeit der Pilzkunde zur Pflanzenkunde nicht biologisch, sondern nur geschichtlich begründet ist? Traditionell ordnete man Pilze als "niedere Pflanzen" ein, weil sie sich ähnlich wie Moose mithilfe von Sporen ausbreiten. Heute werden die Pilze neben dem Pflanz- und Tierreich als eigenes Organismenreich betrachtet.
… dass das Sammeln von Pilzen nicht die Ursache für deren Rückgang ist? Das haben 30-jährige Vergleichsstudien gezeigt. Ebenso spielt es keine Rolle, ob Pilze abgeschnitten oder abgedreht werden. Dagegen werden Pilze durch Stickstoffdüngung und Bodenverdichtung seltener. Auch Wälder mit überhöhter Wildschweindichte sind pilzarm, weil die Tiere den Boden aufbrechen und die Myzelien schädigen.










Im Auftrag der NRW-Stiftung hat das Institut für Kartographie und Geoinformation der Universität Bonn in Zusammenarbeit mit der Abteilung Geobotanik und Naturschutz zu diesem und weiteren Projekten der NRW-Stiftung ausführliche wissenschaftliche Informationen erstellt. Diese stellen die Flora und Fauna sowie die Vegetation des Naturschutzgebietes dar und setzen sich mit seiner Entwicklung, Pflege und Nutzung auseinander. 