WILDKATZEN IN DER EIFEL

KLEINEN TIGERN AUF DER SPUR

Hauskatzen wirken zierlicher als Wildkatzen.
Hauskatzen wirken zierlicher als Wildkatzen.
Wenn die Dämmerung in der Eifel hereinbricht, beginnt für Mäuse und andere kleine Wirbeltiere eine gefährliche Zeit: Hinter einem alten Baumstamm lauert die Wildkatze. Geschmeidig schleicht sie sich an ihr Opfer heran, um blitzschnell zuzupacken. Aus der tödlichen Umklammerung der kräftigen Kiefer gibt es kein Entkommen – Wildkatzen sind ausgezeichnete Jäger.

Baumhöhlen sind beliebte Kinderstuben.
Baumhöhlen sind beliebte Kinderstuben.
Doch in weitaus größerer Gefahr als ihre Opfer sind eigentlich die Jäger selbst: Wildkatzen gehören zu den stark gefährdeten Tierarten. In der Eifel streifen jedoch noch einige Exemplare durch die Wälder – wie viele es genau sind, ist unklar. Wildkatzen sind nämlich außerordentlich scheu und verstecken sich tagsüber meist in verlassenen Fuchsbauten oder hohlen Bäumen. Deshalb gilt es als großer Glücksfall, wenn man die Tiere in freier Wildbahn zu Gesicht zu bekommt. Und trotzdem sind sie da: Der Eifel-Hunsrück-Raum gehört zum wichtigsten Verbreitungsgebiet der Wildkatze in Mitteleuropa.

Wildkatzen sind extrem scheue Tiere.
Wildkatzen sind extrem scheue Tiere.
Auf ihren nächtlichen Beutezügen queren sie große Reviere. Die erwachsenen Kater, so genannte "Kuder", durchstreifen bis zu 1000 Hektar. Trifft eine "Felis silvestris silvestris" dabei auf eine gewöhnliche Hauskatze, so kommt es nicht selten zu einem Kampf. Die beiden Katzen – auf den ersten Blick kaum auseinanderzuhalten – sind bei näherem Hinsehen ganz unterschiedlich gebaut: Wildkatzen sind schwerer und besitzen einen dickeren Kopf. Das Fell – eine verwaschene Tigerzeichnung auf graubeigem Grund – ist buschiger als bei der Hauskatze, der Schwanz ist kürzer und hat ein stumpfes, schwarzes Ende.

Eine Wildkatze in Abwehrhaltung
Eine Wildkatze in Abwehrhaltung
Inzwischen hat die Forschung herausgefunden, dass die europäische Wildkatze nicht die eigentliche Stammform unserer Hauskatze ist. Diese kam erst mit den Römern nach Mitteleuropa und stammt von der nordostafrikanischen Falbkatze ab. Die Wildkatze ist bei uns hingegen schon seit der letzten Eiszeit heimisch. Die Ähnlichkeit der beiden Arten ist durch Einkreuzung zu Stande gekommen, so dass selbst Experten erst nach einer genauen Untersuchung feststellen können, ob es sich tatsächlich um eine Wildkatze handelt.

Schmusekatzen? Von wegen!
Schmusekatzen? Von wegen!
Um den Bestand zu schätzen, dienen den Biologen neben Spuren und zufälligen Beobachtungen auch überfahrene Tiere als Indiz. Traurige Beweisstücke, denn die Straßen stellen tödliche Einschnitte in die Reviere der Wildkatzen dar. Diese brauchen große, störungsarme Gebiete, damit der genetische Austausch funktioniert und es nicht zu Inzucht kommt. Vom Mittelalter bis Anfang des 20. Jahrhunderts galten die harmlosen Mäusejäger als Schädlinge und wurden gnadenlos verfolgt. Heute kämpfen Tierschützer um die Erhaltung ihrer Lebensräume. In der Eifel finden die Wildkatzen zumindest genug hohle Bäume und sonnige Felshänge mit unzugänglichem Gestrüpp, um ihrer Lieblingsbeschäftigung, dem Schlafen, nachzugehen.


Kommentare

Sie haben dieses Projekt der NRW-Stiftung bereits besucht? Dann schreiben Sie uns, wie es Ihnen gefallen hat. Kommentar verfassen



Die NRW-Stiftung unterstützt die Biologische Station im Kreis Euskirchen bei dem "Artenschutzprojekt Wildkatze in Nordrhein-Westfalen". Die Bestandsaufnahme der Wildkatzenvorkommen dient dazu, ein langfristiges Artenschutz- und Biotopsicherungskonzept für die Wildkatze zu entwickeln. Das Projekt ist eingebettet in vergleichbare Studien in anderen Bundesländern, in Frankreich, Belgien und Luxemburg.

Biologische Station im Kreis Euskirchen
Steinfelder Straße 10
53947 Nettersheim
Tel.: 02 48 6/95 01 70
Fax: 02 48 6/95 07 30
Web: www.biostationeuskirchen.de
E-Mail: BioStationEuskirchen@t-online.de

Öffnungszeiten:
sonntags von 10.30 bis 12.30 Uhr
oder nach telefonischer Vereinbarung

Bookmark and Share