FACHWERKHAUS IN ALDEKERK

ÜBER DIE SCHWELLE ZUR VERGANGENHEIT

 
 
"Der kommt mir nicht über meine Schwelle" – das Sprichwort dient auch heute noch dazu, ungeliebten Personen den Zutritt zum Haus zu verwehren. Doch woher stammt eigentlich der Ausdruck "Schwelle"? Eine anschauliche Antwort auf diese Frage gibt das Heimathaus Aldekerk in Kerken.

Der Ausdruck "Schwelle" entstammt dem Spezialjargon des Fachwerkbaus. Er bezeichnet die horizontalen Balken der Fachwerkkonstruktion, die von den vertikalen Balken, den sogenannten "Ständern", gestützt werden. In Aldekerk erwartet die Besucher ein typisch niederrheinisches Fachwerkhaus aus dem 17. Jahrhundert.
 
 
Das Innere des Hauses bietet Einblick in das bürgerliche Leben direkt nach dem Ende des dreißigjährigen Krieges. Das Erdgeschoss wird von einem sogenannten Bussem beherrscht: Diese doppelte Herdstelle nimmt das gesamte Erdgeschoss ein, der große ovale Tisch davor führt die Bedeutung des geselligen Beisammenseins vor Augen. Bis zu 20 Personen haben hier Platz, schön geschnitzte Stühle und ein niederrheinischer Sekretär aus dem Jahr 1785 ergänzen das Bild. Für die stilgerechte Möblierung hat der Heimatverein gesorgt. Um die klare Linienführung des Fachwerks nicht zu stören, fügen sich die Antiquitäten harmonisch in historische Balkenkonstruktion ein. Auch sein prächtiges Äußeres verdankt das Fachwerkhaus dem persönlichen Engagement.

 
 
Auf Initiative eines Bürgers von Aldekerk wurde das beinahe zur Ruine verkommene Haus renoviert. In zahllosen Arbeitsstunden packten viele fleißige Hände mit an und halfen in ihrer Freizeit bei der Sanierung. Mit vereinten Kräften ist es nicht nur gelungen, ein Denkmal zu erhalten, sondern auch eine Stätte der Begegnung zu schaffen. Im Erdgeschoss finden Vorträge, Mundartveranstaltungen und Kammerkonzerte statt. Ein kleines Museum im ersten Stock zeigt, wie das Leben und Arbeiten in Aldekerk früher ausgesehen hat. Eine komplette Handsetzerei, die Geräte eines Holzschuhmachers und ein vollständig erhaltener Schustertisch zeigen typische Handwerksberufe aus der Vergangenheit des kleinen Dörfchens. Die Absicht der Organisatoren ist es, die Begegnung mit der Vergangenheit zu ermöglichen und auf diese Weise ein Heimatgefühl zu erzeugen.

 
 
Auf ganz besondere Weise lässt sich das Zugehörigkeitsgefühl zum Heimatdorf in der ehemaligen "guten Stube" demonstrieren. Als Trauzimmer der Gemeinde Kerken finden hier standesamtliche Hochzeiten statt. Nirgendwo sonst kann man schließlich seine Braut so stilecht und im direkten Wortsinn "über die Schwelle tragen".


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Die Nordrhein-Westfalen-Stiftung hat für die Restaurierung und Einrichtung des Fachwerkhauses in Aldekerk einen Zuschuss zur Verfügung gestellt.

Googlemap aufrufenFachwerkhaus Aldekerk
Hochstraße 70
47647 Kerken-Aldekerk
Tel.: 02 83 3 / 14 80 oder 72 85 oder 45 58

Öffnungszeiten:
Sonntags von 10.30 bis 12.30 Uhr
oder nach telefonischer Vereinbarung

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