HISTORISCHES MIETSHAUS ZUCKERTIMPEN 4

EINE TÜR ZUR VERGANGENHEIT

Der Blick in das historische Arbeiterhaus
Der Blick in das historische Arbeiterhaus
Kein elektrisches Licht, kein fließendes Wasser, Plumpsklo auf dem Hof und die Wohnung mit einer anderen Familie teilen? Das kann sich heute kaum jemand vorstellen, doch so lebte noch im Jahr 1920 ein Lokomotivputzer im Zuckertimpen Nr. 4 in Warendorf. Der Schritt über die Türschwelle des originalgetreu restaurierten Mietshauses aus dem Jahre 1662 ist gleichzeitig ein Schritt in die Vergangenheit der "kleinen Leute".

Typische Alltagsgegenstände aus den 1920er Jahren
Typische Alltagsgegenstände aus den 1920er Jahren
Der Heimatverein und die Altstadtfreunde Warendorf haben 1993 das Gadem – so nennt man Häuser, in denen einst Menschen ohne Bürgerrechte wohnten – gekauft, aufwändig restauriert und mit viel Liebe zum Detail in ein Museum verwandelt. Weil sich an dem Haus seit 1920 kaum etwas verändert hatte, entstand die Idee, das Leben dieser Zeit als Momentaufnahme zu dokumentieren. Die Warendorfer haben eifrig mitgeholfen und nicht nur historische Möbel gestiftet, sondern auch ihre Keller und Speicher durchforstet. Zum Vorschein kamen alte Töpfe und Pfannen, Kannen, Lampen, Bettzeug und sogar Besteck und Einmachgläser für die Einrichtung des Zuckertimpen Nr. 4. Ein buntes Sammelsurium von typischen Gebrauchsgegenständen aus der Zeit vor 1925 veranschaulicht dem Besucher, was damals für die Menschen Alltag war.

Das Gadem in der historischen Altstadt Warendorfs
Das Gadem in der historischen Altstadt Warendorfs
Historiker haben in mühevoller Kleinarbeit nicht nur sämtliche Einrichtungsgegenstände untersucht und dokumentiert, sondern auch einiges über die früheren Bewohner des Gadems herausgefunden. In den Aktenbergen des Bauamtes, in Testamenten und Versicherungsunterlagen fand sich ein Hinweis auf den Lokputzer Rolf, der einmal im alten Zuckertimpen Nr. 4 gelebt hatte. Dessen Sohn wusste noch viele Kleinigkeiten aus seiner Kindheit und konnte den Forschern erzählen, wie es dort einmal ausgesehen hatte. Aber auch der Zufall half dabei, das Haus genau zu rekonstruieren: Wie sahen bloß im Jahr 1920 die Wände aus? Ein Warendorfer Restaurator kratzte Schicht für Schicht alte Tapeten ab und entdeckte darunter ein Stück alte Zeitung. Darauf klebten nicht nur Reste der himmelblauen Wandfarbe, sogar das Datum war noch gut zu entziffern.

Die rekonstruierte Wohnküche
Die rekonstruierte Wohnküche
Gewöhnlich kommt ins Museum das Außergewöhnliche, doch in Warendorf ist es genau umgekehrt: Die Lebens- und Wohnverhältnisse der Unterschicht und der harte Alltag stehen im Mittelpunkt, nicht etwa der Adel oder reiche Bürger. Der Besucher kann mit eigenen Augen sehen, was Wohnen auf engstem Raum mit ganz wenigen Habseligkeiten bedeutet hat. Ein kleiner Gemüsegarten hinterm Haus sowie ein Stall rufen ins Bewusstsein, dass die Bewohner trotz der harten Arbeit auch noch für ihr Essen selber sorgen mussten. Im Warendorfer Zuckertimpen ist der Museumsbesucher Gast in einer anderen Zeit und mittendrin in der Geschichte seiner Region.


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Der Eintritt ist generell frei.

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Die NRW-Stiftung hat die Renovierung des historischen Arbeiterhauses Zuckertimpen Nr. 4 gefördert. Heute ist es Teil eines Museumsrundgangs durch Warendorf, der an fünf original erhaltenen Gebäuden verschiedene Epochen städtischer Alltagsgeschichte dokumentiert. Zu den Standorten des dezentralen Museums zählen neben dem Gadem das Warendorfer Rathaus, ein Bürgerhaus des Klassizismus, ein altes Fabrikantenwohnhaus und das alte Torschreiberhaus, das sich derzeit noch in der Restaurierung befindet.

Googlemap aufrufenDezentrales Stadtmuseum
Gadem
Zuckertimpen 4
48231 Warendorf
Web: www.warendorf.de

Öffnungszeiten:
sonn- und feiertags von 15 bis 17 Uhr.
Am Tag des offenen Denkmal
(2. Sonntag im September) schon ab 11 Uhr.
Am 1. Januar, 24./25./26. Dezember geschlossen.

Information:
Altstadtfreunde Warendorf e. V.
Wandstr. 12
48231 Warendorf
Tel.: 0 25 81/63 44 39 (Laurenz Sandmann)
Web: www.heimatvereinwarendorf.de
oder direkt www.heimatvereinwarendorf.de/stadtmuseum-warendorf/gadem.htm

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