BIOLOGISCHE STATION ZWILLBROCKER VENN

EXOTEN IM ZWILLBROCKER VENN

Frühjahr in Zwillbrock: Flamingos bei der Balz.
Frühjahr in Zwillbrock: Flamingos bei der Balz.
Das Zwillbrocker Venn im westlichen Münsterland: Direkt an der deutsch-niederländischen Grenze bei Vreden staunen die Besucher über die Flamingos, die alljährlich hierher kommen. Doch die exotische Flamingokolonie mit bis zu dreißig Tieren ist nicht die einzige Attraktion, die das von der Biologischen Station Zwillbrock betreute 185 Hektar große Naturschutzgebiet zu bieten hat. Ein etwa sechs Kilometer langer Wanderweg führt durch die Moor- und Heidelandschaft rund um den Flachwassersee, der auch Lachmöwensee genannt wird. Informationstafeln vermitteln spannende Details über die Natur.

Der Aussichtsturm gewährt Überblick über Moor und Heide.
Der Aussichtsturm gewährt Überblick über Moor und Heide.
Das Frühjahr und der Sommer sind die attraktivsten Jahreszeiten im Venn. Dann ist die größte binnenländische Brutkolonie der Lachmöwen belebt, das laute Kreischen ist weithin zu hören und die Flamingos auf der Insel im See brüten und ziehen ihre Jungen auf. Von März bis August sind viele Ausflügler aus Deutschland und den Niederlanden hier zu Fuß oder per Rad unterwegs, zum Beispiel auf der zwischen Eibergen und Vreden ausgewiesenen Flamingoroute. Ruhiger wird es, wenn die Jungtiere flügge geworden sind und Lachmöwen und Flamingos das Gebiet verlassen.

Neben diesen Exoten sind es vor allem die typischen Arten der Moor- und Heidelebensräume, die das Zwillbrocker Venn prägen. Hier leben Pflanzen wie Gagel, Wollgras und der fleischfressende Sonnentau, Tiere wie der Moorfrosch und das Schwarzkehlchen fühlen sich wohl. Nachdem die Bauern den Torf nicht mehr als Brennmaterial nutzten, wurde das Gebiet bereits in den 1930er Jahren teilweise unter Schutz gestellt und wiedervernässt.

Moorschnucken beweiden die Heideflächen.
Moorschnucken beweiden die Heideflächen.
Seitdem breiten sich typische Moor- und Heidearten wieder aus. In den ehemaligen Torfstichen hat das Torfmooswachstum wieder eingesetzt. Eine Schafherde hält die Heide offen, hin und wieder müssen auch Maschinen eingesetzt werden. Viele Besucher kommen zur farbenprächtigen Heideblüte im Spätsommer und mit etwas Glück kann man die stationseigenen Moorschnucken bei ihrer Arbeit beobachten. Im Crosewicker Feld, wo mithilfe der NRW-Stiftung ehemals intensiv genutzte Flächen für den Naturschutz gekauft wurden, hat sich eine naturnahe münsterländische Heckenlandschaft entwickeln können.

Zur Brutzeit hängt der Himmel voller Möwen.
Zur Brutzeit hängt der Himmel voller Möwen.
Zu den Zeiten des Vogelzuges können die Besucher im Venn und im benachbarten Feuchtwiesenschutzgebiet "Ellewicker Feld" viele Arten von Wat-, Wiesen- und Wasservögeln entdecken. Von Aussichtskanzeln und Türmen aus, lassen sich die Tiere auf ihrem Weg in die Überwinterungsgebiete oder zurück in die Brutgebiete beobachten. Das "Ellewicker Feld und Zwillbrocker Venn" sind ein so genanntes Flora-Fauna-Habitat-Gebiet mit europäischer Bedeutung und zugleich Teil des EU-Vogelschutzgebietes "Moore und Heiden des westlichen Münsterlandes".

Eine Dauerausstellung in der Biologischen Station zeigt die vom Menschen geprägte Kulturlandschaft im Venn und seiner Umgebung mit ihren unterschiedlichen Lebensräumen und Arten. Hier wird auch über die Arbeit der Station in den Naturschutzgebieten informiert. Auf dem Stationsgelände sind außerdem ein Kleinstmoor, eine Heide, ein Kleingewässer und ein Tast- und Riechgarten angelegt worden. Das Bildungswerk der Biologischen Station gibt halbjährlich ein Programm mit Führungen, Exkursionen und Naturerlebnisveranstaltungen heraus.
Tafelente mit Kakao

Von den Beobachtungskanzlen aus lassen sich überwinternde Wasservögel gut beobachten.
Von den Beobachtungskanzlen aus lassen sich überwinternde Wasservögel gut beobachten.
Auch im Winter haben Moorlandschaften ihren Reiz und laden zu naturkundlichen Spaziergängen ein. Die Biologische Station Zwillbrocker Venn bietet auch in der kalten Jahreszeit geführte Rundwanderungen an. Schnee und Eis sorgen für die richtige Stimmung, aber wer einen milden Tag erwischt, sei getröstet – zur Vogelbeobachtung ist frostfreie Witterung günstiger. Nur solange die flachen Seen keine Eisdecke haben, kann man hier mit Wintergästen aus dem hohen Norden rechnen. Die meisten Wasservögel haben ihre Mauser abgeschlossen und die Erpel von Krick-, Pfeif-, Reiher- und Tafelente präsentieren sich in ihren kontrastreichen Prachtkleidern.

Lachmöven und Flamingos sind vorübergehend abgezogen, an den flachen Seen des Zwillbrocker Venns geht es jetzt ruhiger zu.<br />
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Foto: Biol. Station Zwillbrock
Lachmöven und Flamingos sind vorübergehend abgezogen, an den flachen Seen des Zwillbrocker Venns geht es jetzt ruhiger zu.

Foto: Biol. Station Zwillbrock
Mit etwas Glück bekommt man hier auch den nordischen Zwergsäger vor die Linse. Im Grünland ringsum rastet vielleicht ein Schwarm Blässgänse, und wenn sich plötzlich ein Trupp Enten in die Luft erhebt, lohnt ein Blick nach oben: Gut möglich, dass gerade eine Kornweihe über das Ufer schaukelt oder ein Habicht heranschießt. Wichtigstes Utensil neben Fernglas und Bestimmungsbuch ist eine Thermoskanne mit heißem Tee oder Kakao!

Informationen zum aktuellen Programm der Biostation finden Sie hier

Quelle: Stiftungsmagazin 2012/Nr.3


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Die NRW-Stiftung hat naturschutzwürdige Grundstücke im Krosewicker Feld und dem Ammeloer Venn, einem bekannten Brutgebiet für Wat- und Wiesenvögel, erworben. Die Flächen werden von der Biologischen Station Zwillbrock betreut. Außerdem hat die NRW-Stiftung den Ausbau der Räumlichkeiten für die Biologische Station und die Einrichtung der Dauerausstellung unterstützt.

Googlemap aufrufenBiologische Station Zwillbrock e.V.
Zwillbrock 10
48691 Vreden
Telefon: 02564 9860-0
Telefax: 02564 9860-29
info@bszwillbrock.de
www.bszwillbrock.de

Öffnungszeiten:
montags bis donnerstags von 8 Uhr bis 16.30 Uhr
freitags von 8 Uhr bis 14.30 Uhr
März bis Oktober zusätzlich samstags, sonn- und feiertags von 12 Uhr bis 16 Uhr

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