LIBELLENAUSSTELLUNG

JÄGER MIT GLÄSERNEN SCHWINGEN

Der Keilfleck ist in NRW fast ausgestorben.
Der Keilfleck ist in NRW fast ausgestorben.
Das Leben vergeht für sie im Fluge: Libellen sind richtige Luftakrobaten. Sie können nicht nur vorwärts, sondern auch rückwärts fliegen und sogar in der Luft "stehen". Ihr langer Körper dient dabei zur Stabilisierung, ihre beiden Flügelpaare können sie durch separate Muskeln unabhängig voneinander bewegen. Dabei besitzen die meisten Libellenarten die Fähigkeit zum Flug nur für wenige Wochen. Bei sonnigem Wetter sind sie von morgens bis abends auf der Jagd und auf Brautschau, einige Arten paaren sich sogar in der Luft. Aber schon bald nach der Eiablage in einem Gewässer neigt sich die Lebensspanne der Libelle dem Ende entgegen...

Der Plattbauch wird schnell an neuen Teichen heimisch.
Der Plattbauch wird schnell an neuen Teichen heimisch.
Ihr Dasein beginnt unter Wasser, und hier verbringen die Libellen auch den Großteil ihres Lebens. Je nach Art kann ihr Larvenstadium bis zu vier Jahren dauern. Das Nahrungsspektrum der gefräßigen Tierchen reicht dabei vom Wasserfloh bis zur Kaulquappe. Wie ein Scharnier klappt die Larve ihre Fangmaske blitzartig hervor und zerpflückt mit kräftigen Kiefern ihre Beute. Wenn ihr nach einigen guten Mahlzeiten der "Taucheranzug" aus Chitin nicht mehr passt, häutet sich die Libellenlarve – bis zu 15 Mal. Erst zur Metamorphose, wenn sich die Larve in ein Fluginsekt verwandelt, verlässt sie das Wasser und häutet sich zum letzten Mal. Zurück bleibt die leere Larvenhülle, "Exuvie" genannt. Am Rücken dieses "letzten Hemdes" lassen sich sogar die kleinen Taschen erkennen, in denen die Flügel steckten. Fachleute können eine Libellenart allein anhand dieser Exuvien bestimmen und so ihr Vorkommen und den Fortpflanzungserfolg feststellen, ohne die Libelle selbst gefangen oder auch nur gesehen zu haben – eine äußerst schonende Nachweismethode.

Nur Winterlibellen überleben als "Erwachsene" die kalte Jahrszeit.
Nur Winterlibellen überleben als "Erwachsene" die kalte Jahrszeit.
Doch die Chancen, die Exuvien verschiedener Libellen zu finden, sind mittlerweile gering: Von den gut 60 einheimischen Arten sind zwei Drittel in ihrem Bestand gefährdet. Grund genug für die Mitglieder des NABU-Stadtverbands Herne, den "Jägern mit gläsernen Schwingen" eine Ausstellung zu widmen. Die Wanderausstellung zeigt die unterschiedlichen Gewässertypen und beleuchtet Lebensweise und Anpassung ihrer faszinierenden Bewohner. Ganz nebenbei erfahren die Besucher, dass Libellen schon zu Zeiten der Dinosaurier die Erde bevölkerten: Es gibt sie seit 300 Millionen Jahren, das größte bislang entdeckte Exemplar mit einer Flügelspannweite von 75 Zentimetern lebte vor etwa 50 Millionen Jahren.

Saubere Gewässer sind die Heimat seltener Fluginsekten.
Saubere Gewässer sind die Heimat seltener Fluginsekten.
Bei der Jagd können sich die Libellen viele Kilometer von "ihrem" Gewässer entfernen. Das ist der Grund, warum fast jeder neue Gartenteich zumindest von Pionierarten wie der Blaugrünen Mosaikjungfer rasch besiedelt wird. Die Mobilität und Anspruchslosigkeit einiger weniger Arten darf aber nicht über die Gefährdung der meisten Libellen hinwegtäuschen, die unter anderem durch die Verschmutzung der Fließgewässer entstanden ist. Wichtig für das Überleben der Libellen sind sauberes Wasser und unverbrauchte, strukturreiche Ufer. Auch darüber informiert die Libellenausstellung.


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Die Ausstellung "Jäger mit gläsernen Schwingen" des NABU-Stadtverbands Herne, die auf die Schönheit, aber auch auf die Gefährdung der Libellen und ihrer Lebensräume in NRW aufmerksam macht, wurde von der Nordrhein-Westfalen-Stiftung finanziert.

Die Wanderausstellung kann ausgeliehen werden beim
NABU-Stadtverband Herne
Vinckestraße 91
44623 Herne
Tel.: 02 32 3/91 14 18
Fax: 02 32 3/ 91 14 18
E-Mail: nabuherne@cityweb.de
Web: www.nabu-herne.de

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