DREGGESTOBE IN DÜDINGHAUSEN

"FAATKRANEN VON DE DREGGEBANK"

In der Dreggestobe fliegen die Späne.
In der Dreggestobe fliegen die Späne.
Es duftet nach frischem Holz. Späne rieseln auf den Boden der Drechselstube, wenn Franz-Joseph Asmuth seinen Drehmeißel ansetzt, um aus dem eingespannten Holzstück von Hand einen Fasskran zu fertigen. Gleich drei Drechselbänke stehen in der Werkstatt. Die älteste davon – noch mit Pedalen für den Fußantrieb – stammt aus dem 19ten Jahrhundert. Das Handwerk hat in Düdinghausen Tradition: Um 1900 besserte fast jede zweite Familie im Ort ihr Einkommen mit der Herstellung von "Faatkranen" und deren Verkauf an Brauereien und Brennereien auf. Franz-Joseph Asmuth ist einer der letzten, die das Handwerk noch aktiv ausüben – in einer historischen Werkstatt im Heimathaus von Düdinghausen.

Erlebnisdorf in der Medenbacher Bucht: Düdinghausen
Erlebnisdorf in der Medenbacher Bucht: Düdinghausen
Das Prinzip ist über die Jahrhunderte gleich geblieben: Mit der Hand führt der Drechsler seine Werkzeuge – etwa Schruppröhre oder Drehmeißel – über ein rotierendes Stück Holz, das fest in der Drechselbank eingespannt ist. Es fliegen die Späne. Innerhalb kurzer Zeit verarbeiten Franz-Joseph Asmuth und seine Kollegen ein rohes Stück Pflaumenbaum zu passgenauen Werkstücken, aus denen schließlich ein Kran für Bierfässer entsteht. In Düdinghausen fasste dieses Handwerk vor etwa 200 Jahren Fuß: Das Holz der Kirsch- und Pflaumenbäume, die um das Dorf herum wuchsen, verarbeiteten die Bewohner in ihren "Dreggestoben" und verkauften die Produkte über wandernde Händler ins gesamte Deutsche Reich.

Heimat der Dreggestobe: die Pastoren-Scheune
Heimat der Dreggestobe: die Pastoren-Scheune
Nach dem Zweiten Weltkrieg verschwanden immer mehr der Dreggestoben aus Düdinghausen: Die Kleinbetriebe waren nicht mehr konkurrenzfähig. Damit das "Dreggen" nicht komplett in Vergessenheit geriet, beschloss der Heimat- und Verkehrsverein 1992 den Aufbau einer historischen Dreggestobe. Geräte, Werkzeuge und typische Ausstattungsgegenstände wurden gesammelt, die angepachtete "Pastoren-Scheune" restauriert. In dem denkmalgeschützten Haus aus dem Jahr 1910, dem ehemaligen Wirtschaftsgebäude des Pfarrhauses, berichten Drechsler wie Franz-Joseph Asmuth Besuchern jetzt wieder von der unterschiedlichen Verarbeitung von Langholz und Querholz und stellen Teller, Dosen und Fasskräne her.

Jeder handgedrechselte Fasskran ist ein Unikat.
Jeder handgedrechselte Fasskran ist ein Unikat.
Die Obstbaumwiesen des Dorfes will der Heimatverein ebenfalls verstärkt pflegen. Auch, um die für das Drechselhandwerk typische Kulturlandschaft zu erhalten. Im Hausladen der Dreggestobe sind wieder die hier hergestellten Produkte erhältlich: Schalen, Teller, Kinderkreisel – und natürlich die Fasskräne, für die der Ort bekannt ist, seit Düdinghausener Drechsler 1934 den "größten Holz-Bierkran der Welt" fertigten.


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Für Mitglieder des Fördervereins ist der Eintritt ermäßigt.

Bei vielen Projekten erhalten die Mitglieder des Fördervereins vergünstigten Eintritt. [mehr]
Die NRW-Stiftung hat den Heimat- und Verkehrsverein bei der Einrichtung einer Drechslerwerkstatt in einem denkmalgeschützten Haus im sauerländischen Dorf Medebach-Düdinghausen unterstützt.

Googlemap aufrufenHeimatmuseum Dreggestobe (Drechselstube)
Grimmestraße (beim Kirchplatz)
59964 Medebach-Düdinghausen
Telefon: 0 56 32 / 15 65
www.duedinghausen-hsk.de

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